Die eisigen Temperaturen - lebensgefährlich für Wohnungslose

Die eisigen Temperaturen - lebensgefährlich für Wohnungslose

Lisa Krauser   11.02.2021 | 16:30 Uhr

Wohl dem, der bei dem derzeitigen frostigen Wetter ein warmes Zuhause hat. Doch das haben nicht alle Menschen bei uns. Für Wohnungslose können die aktuellen Temperaturen vor allem in der Nacht lebensbedrohlich werden. Auch in der Saarbrücker Wärmestube macht man sich große Sorgen und appelliert an die Gäste, für die Nacht auf jeden Fall eine der Schlafstellenangebote aufzusuchen.

Die Wärmestube ist derzeit gut besucht. Die Gäste frühstücken, trinken heißen Tee oder Kaffee. Manche schlafen mit dem Kopf auf dem Tisch. Auch die Mitarbeiter der Wärmestube sehen müde aus. Alle hätten schlecht geschlafen "weil wir uns einfach Sorgen machen um die Gäste, die ja jetzt diese Nacht teilweise auf der Straße waren", sagt Hermann Schell, der Leiter der Wärmestube. Am Morgen sei die erste Frage gewesen: Sind alle durch die Nacht gekommen?

Kältebus mit neuem Konzept gestartet
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 16.12.2020, Länge: 02:40 Min.]
Kältebus mit neuem Konzept gestartet
Seit sieben Jahren gibt es den Verein „Kältebus Saarbrücken“. Er bietet Hilfe für Obdachlose und bedürftige Menschen in den Wintermonaten. Wegen Corona hat sich der Verein in diesem Jahr etwas Neues einfallen lassen. Statt einem Bus hat der Verein ein Zelt mit Schlafiglus organisiert, in dem elf Menschen übernachten dürfen. Außerdem sorgt im Zelt eine Heizung plus Frischluftanlage für saubere Atemluft.

Wegen der hohen Minus-Temperaturen hat die Wärmestube beschlossen, ab sofort länger zu öffnen - bis 19.30 statt bis 15.30 Uhr - damit die Menschen dann nahtlos weiter können zu anderen Hilfsangeboten wie Ingos Kleine Kältehilfe, die abends Essen austeilt, und zu Notschlafstellen oder dem Kältebus. Und die Wärmestube appelliert immer wieder an die Besucher der Wärmestube, diese Angebote auch anzunehmen, denn bei diesen Temperaturen auf der Straße zu schlafen, kann lebensgefährlich sein.

Der Saarbrücker Kältebus ist eine Initiative eines gemeinnützigen Vereins und er wird sehr gut angenommen, denn das Angebot ist niedrigschwellig. Wer dort schlafen will, kann es einfach machen. Es muss natürlich ein Platz frei sein. Ähnlich ist es bei den Notschlafstellen der AWO.

Manche bräuchten mehr Hilfe

Doch nicht jeder Wohnungslose will die Schlafangebote nutzen. Oft spielten psychische Probleme eine Rolle, sagt Hermann Schell von der Wärmestube. Besonders für diese Menschen bräuchte es bessere Angebote mit besonderer Ansprache, Betreuung und Perspektiventwicklung. "Das können wir mit unseren Ressourcen nicht leisten."

Circa 50 Menschen leben derzeit in Saarbrücken auf der Straße, schätzt die Diakonie. Und da wegen Corona fast alles geschlossen ist, fehlten ihnen zurzeit auch die kleinen Aufwärmmöglichkeiten in Geschäften oder der Toilettengang in Gaststätten. Auch die Essen, die von Gastwirten den Wohnungslosen manchmal spendiert würden, fielen derzeit weg. Von den Sozialkontakten ganz zu schweigen, sagt Hermann Schell.

Nicht wegsehen, sondern ansprechen

Und der Leiter der Wärmestube hat noch eine Bitte an alle: Wer einen Obdachlosen sieht, der bei dieser Kälte auf der Straße schläft, sollte ihn im Zweifel ansprechen. "Darf ich Sie was fragen? Kann ich Ihnen helfen? Ist Ihnen kalt? Benötigen Sie irgendwas? Und wenn Sie schon in der Ansprache merken, dass der Mensch desorientiert ist, dann scheuen Sie sich nicht, Rettungskräfte zu rufen."

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 11.02.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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