Ein Metzger präsentiert sein Fleisch in der Frischetheke (Foto: dpa/Hendrik Schmidt)

Woher kommt unser Fleisch?

Karin Mayer   17.07.2020 | 06:30 Uhr

Nach dem Corona-Ausbruch im Schlachtkonzern Tönnies sehen viele Menschen die Arbeitsbedingungen in Schlachtbetrieben kritisch. Tausende Schweine werden dort am Tag geschlachtet. Stellt sich die Frage, ob regionale Tierhaltung und Vermarktung eine Lösung sein könnte. SR-Reporterin Karin Mayer hat nachgefragt.

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Woher kommt unser Fleisch?
Audio [SR 3, Karin Mayer, 17.07.2020, Länge: 03:06 Min.]
Woher kommt unser Fleisch?

Franz-Josef Eberl ist Landwirt und Präsident der Landwirtschaftskammer im Saarland. Er hält rund 600 Schweine in seinem Stall und ist damit der größte Schweinemäster im Saarland. Rund 1700 Tiere verkauft er jedes Jahr an Schlachtbetriebe und Metzgereien. Mehr als die Hälfte seiner Tiere verkauft er an den Schlachthof nach Wittlich. Rund 45 Prozent vermarkte er regional an Metzgereien, so Eberl.

Bessere Preise bei regionaler Vermarktung

Die regionale Vermarktung ist für den Landwirt durchaus interessant, denn beim Verkauf an vier Metzgerbetriebe im Saarland kann er höhere Preise erzielen. Durch die kurzen Transportwege sind die Tiere weniger gestresst. Und durch einen möglicherweise entspannteren Vorgang bei der Schlachtung könnten die Betriebe eine höhere Fleischqualität erzielen, sagt der Landwirt. Grundsätzlich sei das Schlachten vom Vorgang her für das einzelne Tier in einer Metzgerei aber nicht anders als in einem Schlachtbetrieb, so Eberl.

Durch den Tönnies-Skandal ist die Nachfrage nach Fleisch aus der Region bei Franz-Josef Eberl nicht gestiegen. Volker Weider, Landesinnungsmeister des Fleischerhandwerks hofft aber, dass die Kunden umdenken. Bei kleinen Betrieben sei die Nachverfolgbarkeit besser gewährleistet, "weil sie ihr Fleisch regional beziehen", sagt er.

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Die schweren Corona-Ausbrüche in der Fleischindustrie haben die Umstände der Produktion einmal mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Vor allem der Schlacht-Milliardär Clemens Tönnies ist ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Für Tierwohl gibt es beim Discounter-Kampf der Lebensmittel-Branche kaum Platz, und die Beschäftigten – oft über Sub-Sub-Unternehmen aus Südosteuropa angeheuert – arbeiten zu Dumpinglöhnen und niedrigsten sozialen Standards. Oft werden sie in Massenunterkünften untergebracht, für die sie noch einen überhöhten Anteil ihres Lohnes abtreten müssen. Mirko Tomic über die aktuelle Lage bei Tönnies und im Saarland.

Regionale Selbstversorgung schwierig

In seiner Metzgerei verarbeitet Volker Wieder Tiere aus der Region, aber nicht nur. Laut Bauernverband werden nur zwei Prozent des Schweinefleischs im Saarland erzeugt. Bei Rindfleisch liegt die Quote bei 30 Prozent. Es gebe nicht genügend Tiere hier für eine Selbstversorgung, sagt Wieder.

Nur begrenzte Schlachtkapazitäten im Saarland

Ähnlich sieht es bei den Schlachtkapazitäten aus. Tatsächlich gibt es derzeit acht Schlachtbetriebe im Saarland. Drei davon schlachten mehr als 1000 Tiere im Jahr, die anderen zwischen 2000 und 800. Das reicht nicht aus, um den gesamten Fleischbedarf im Saarland zu decken. "Wir sind auf Schlachthöfe außerhalb des Saarlandes angeweisen", sagt Alexander Welsch vom saarländischen Bauernverband. Dies seien in der Regel Schlachthöfe in Rheinland-Pfalz, die recht nah an der Grenze liegen, so dass die Transportwege nicht so weit seien.

Fazit

Kurze Transporte und wenig Stress für die Tiere sind ein Vorteil – auch für den Verbraucher: die Fleischqualität ist besser, das bestätigen Verbraucherschützer und Metzgermeister Volker Weider. Seine Erfahrung zeigt aber: Für die Kunden ist am Ende der Preis entscheidend.


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Ein Thema in "Guten Morgen" am 17.07.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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