Menschen auf einem Kettenkarussell (Foto: pixabay.com/scottwebb)

Wie sicher sind Fahrgeschäfte?

Interwiew: Joachim Bühler, Geschäftsführer TÜV-Verband   09.08.2022 | 09:24 Uhr

Nach dem tödlichen Unglück im Wild- und Freizeitpark Klotten wird über die Sicherheit von Fahrgeschäften diskutiert. In Deutschland ist der TÜV für die Überprüfung von Achterbahnen und Karussells verantwortlich. Wie läuft deren Prüfung ab und wie häufig werden sie kontrolliert?

Ein Tag im Freizeitpark oder auf der Kirmes soll Spaß machen. Doch nach dem tödlichen Unglück in einem Park bei Cochem stellen sich viele die Frage: Wie sicher sind Achterbahnen?

TÜV prüft Sicherheit der Fahrgeschäfte

In Deutschland prüft der TÜV die Sicherheit der Attraktionen. Kontrolliert werden sowohl die fest verbauten Fahrgeschäfte in Freizeitparks als auch die sogenannten "fliegenden Bauten", die auf Volksfesten und Kirmessen auf- und wieder abgebaut werden.

Audio

Wie werden Fahrgeschäfte kontrolliert?
Audio [SR 3 / Frank Hofmann, 09.08.2022, Länge: 02:54 Min.]
Wie werden Fahrgeschäfte kontrolliert?
Interwiew mit Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbandes

Die Attraktionen auf einer Kirmes werden neben der jährlichen Prüfung auch bei jedem Auf- und Abbau kontrolliert. Das Sicherheitsniveau ist nach Angaben von Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, sehr hoch.

Ablauf der TÜV-Kontrollen

Grundsätzlich gelte bei der Überprüfung die Regel: Je risikoreicher eine Anlage ist, desto intensiver werde sie geprüft, so Bühler. Die Kontrolle einer Achterbahn könne daher mehrere Tage dauern.

Das Material der Anlage werde dann auf Verschleißerscheinungen und Korrosionen überprüft. Auch die Sicherheitssysteme, das heißt Bügel und Gurte, würden intensiv gecheckt.

Wirkungsprüfung für mehr Sicherheit

Um zu kontrollieren, wie die Kräfte bei einer Fahrt auf den Körper wirken, und ob die Sicherheitssysteme diesen standhalten, führt der TÜV eine sogenannte Wirkungsprüfung durch. Dabei werde die Bahn mit Gewichten bestückt, die die späteren Fahrgäste simulieren sollen, so Bühler. Und auch die Prüfer würden zur Kontrolle in die Attraktionen einsteigen. Wenn es keine Kritikpunkte gebe, werde die Anlage dann freigegeben.

Fehlerquelle Mensch?

Um die Fehlerquote so gering wie möglich zu halten, setze der TÜV auf zudem auf regelmäßige Weiterbildungen seiner Prüfer, sagt Bühler. Auch die Länder als Aufsichtsbehörde des TÜVs würden regelmäßig die Arbeit der Prüforganisation kontrollieren. Hinzu komme, dass nie nur ein Prüfer für ein Fahrgeschäft zuständig sei, sondern immer mindestens das Vier-Augen-Prinzip greife. Die Sicherheitsnorm, die die Kontrolleure einhalten müssen, sei in Deutschland sehr hoch, so der TÜV-Geschäftsführer.

Eigensicherheit beachten

Aber auch jeder Einzelne kann etwas für seine Sicherheit tun. Die vorgeschriebenen Sicherheitsvorschriften sollten strikt eingehalten werden, denn es gibt für sie schließlich gute Gründe. Angaben zu Alters- und Größenbeschränkungen haben sicherheitsrelevante Gründe und dienen dem Schutz der Fahrgäste. Außerdem sollten Besucher darauf achten, ob und wie das Personal vor der Fahrt die Gurte und Bügel kontrolliere, so Bühler

Und natürlich müsse jeder Besucher für sich entscheiden, ob er sich den Besuch einer Attraktion zutraue - sowohl körperlich als auch mental.


Mehr zum Thema


Unfallursache unklar
Saarländerin stirbt bei Achterbahn-Unfall in Freizeitpark
Bei einem Freizeitpark-Unfall in der Nähe von Cochem an der Mosel ist eine Frau aus dem Landkreis St. Wendel ums Leben gekommen. Sie stürzte aus einer Achterbahn. Noch ist unklar, wie es dazu kommen konnte.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 09.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja