Menschen tanzen in der Strandbar Mitte in Berlin (Foto: dpa / picture alliance / Britta Pedersen)

Wie entstehen Sommerhits?

Katja Preißner   08.08.2020 | 10:21 Uhr

Im Frühjahr schlüpft er und bis spätestens September hat er sich tief in die Gehörgänge einer ganzen Nation, manchmal sogar eines halben Kontinents eingegraben und festgesaugt: "Morbus Musiker Solaris", der gemeine Sommerhit. Für viele ist er der drei Minuten Urlaub für die Ohren. Katja Preißner mit einer süffisanten Sommerhitkunde.

Kleine Sommerhitkunde.
Audio [SR 3, Katja Preißner, 08.08.2020, Länge: 04:00 Min.]
Kleine Sommerhitkunde.

Wer das Geheimnis des Sommerhits entschlüsselt hat die Lizenz zum Geld drucken. Fest steht: Viele AAAs sind schon mal gut, etwa: "Lalala, lalala". Dann sollte es irgendiwe "südländisch" klingen: "Hey, Makarena". Letztendlich verläuft die Erfolgsgeschichte eines Sommerhits aber nach den Regeln der Chaostheorie. Keiner kann es genau vorhersagen.

Ohrenzärzte kennen eine ganze Familie dieser fiesen, klebe Lieder, die alle zur Gattung des Ohrwurms gehören. Die nächsten Verwandten des Sommerhits sind der Fastnachts-Hit, der Wiesn-Hit, der Après-Ski-Hit und der Ballermann-Hit. Man ahnt schon auch beim Sommerhit ist entweder viel Alkohol im Spiel oder irgendetwas anderes, das den Geist außer Gefecht setzt. In diesem Fall ist das: der Sommer. Der Sommer macht Dinge mit Menschen, die sie spätestens im Herbst bereuen. Wer hat diesen Pareo am Strand gekauft, der jetzt ganz hinten im Kleiderschrank verstaubt oder Mixgetränke geschlürft, und zwar im Strohhalm aus einem Eimer?

Mal von Herzen unvernünftig sein

Und im Sommer hört man eben solche Hits wie die über nackte Frisösen und Menschen, die die Haare schön haben. Der Schuldige kann nur der Sommer sein. Denn da wollen Menschen einfach mal aus sich raus und von Herzen unvernünftig sein. Denn auch das musikalische Gewissen hat dann Sommerferien. Es packt fluchtartig die Koffer verreist "Last Minute" nach unbekannt und hinterlässt im schlimmsten Fall grauenvollen Plastikpop, den man wirklich nur bei 30 Grad im Schatten ertragen kann.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 08.08.2020 berichtet.

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