Gewitterwolken ziehen über das Land (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas)

Wie genau kann die Wettervorhersage sein?

Interviews: Michael Friemel   22.06.2021 | 10:00 Uhr

Der Blick aufs kommende Wetter - für die meisten gehört er einfach zum Leben. Doch wie funktioniert die Wettervorhersage? Wie exakt kann sie sein? Und warum gibt es zeitgleich unterschiedliche Progosen? Zwei Meteorologen geben Antwort.

Während in Wadern ein Gewitter tobt, scheint in Saarbrücken die Sonne. Spielt das Wetter verrückt? Nein, sagt Wetterexperte Tim Staeger.

Was macht Wettervorhersagen schwierig?
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel / Tim Staeger, 22.06.2021, Länge: 03:56 Min.]
Was macht Wettervorhersagen schwierig?

Solche lokalen Gewitter seien für das Sommerhalbjahr typisch. Doch diese kleinräumigen Wetterphänome seien für die Wettervorhersage kaum zu prognostizieren, sagt Staeger. Sie seien zu klein selbst für die Hochleistungstechnik der Wettervorhersage und zudem entstünden diese Sommergewitter häufig spontan.

Das Ganze könne man mit einem Topf kochendem Wasser vergleichen: Dass das Wasser kochen werde - es also eine Gewitterlage gebe - das sei kein Problem für die Vorhersage. Wo aber die einzelnen Bläschen im kochenden Wasser aufsteigen werden, das entscheide der Zufall. Ähnlich verhalte es sich mit örtlichen Gewittern.

Die Grundlage: Hochrechnungen

Die Wettervorhersage basiert auf Hochrechnungen, die von extrem leistungsfähigen Rechnern durchgeführt werden. "Der aktuelle Großrechner beim Deutschen Wetterdienst (DWD) hat ungefähr die Leistung von 30.000 handelsüblichen PCs", sagt Staeger. Die Vorhersage von kleinen Gewittern sei aber selbst für eine solche Rechenleistung so gut wie nicht möglich.

Weniger Messdaten durch weniger Flugverkehr

Was in diesem Corona-Jahr die Wettervorhersage noch ein bisschen problematischer gemacht hat, war der eingeschränkte Flugverkehr. Normalerweise meldeten 3000 Verkehrsflugzeuge weltweit standardmäßig auch Wetterdaten, sagt Steager. "Während Corona ist der Flugverkehr tatsächlich so eingeschränkt gewesen, dass da Daten gefehlt haben." Das habe zu einer leichten Abschwächung der Vorhersagegüte geführt.


Wetter-Apps


Dank dem Smartphone kann man heutzutage die Wettervorhersage in der Jackentasche mit sich führen. Doch wie funktionieren diese Wetter-Apps? Und vor allem: Wie zuverlässig sind sie?

Wie zuverlässig sind Wetterapps?
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel / Alexander König, 22.06.2021, Länge: 04:38 Min.]
Wie zuverlässig sind Wetterapps?

"Grundsätzlich funktionieren Wetter-Apps mit Modellberechnungen. Wetterdaten werden weltweit gesammelt und dann in die Zukunft berechnet", sagt der Meteorologe Alexander König, der selbst schon eine Wetter-App entwickelt hat. Insgesamt hätten Wetter-Apps eine 97-prozentige Trefferwahrscheinlichkeit für den nächsten Tag.

Unterschiedliche Modellberechnungen

Es gebe jedoch unterschiedliche Modellberechnungen und dementsprechend eine unterschiedliche Datengrundlage für die Prognose. Und man könne davon ausgehen, "dass kostenlose Apps tendenziell auch eher auf kostenlose Daten zurückgreifen, und die sind oftmals nicht so hoch aufgelöst - weder zeitlich noch räumlich", so der Meteorologe.

Symbole vereinfachen

Bei der Nutzung einer Wetter-App sollte man auf jeden Fall auch im Hinterkopf behalten, dass durch die Darstellung des Wetters in Form von einfachen Symbolen viel Detailinformation verloren gehe, sagt König. "Ein Sonne-Wolken-Regen-Symbol kann für wechselhaftes Schauerwetter den ganzen Tag über stehen aber auch für Vormittag Regen, Nachmittag Sonne." Das gleiche Symbol, aber für den Nutzer in der Realität ein riesengroßer Unterschied.

Ein Thema in "Guten Morgen" am 22.06.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja