Wespe (Foto: pixabay/skeeze)

Der Wespen-Knigge

  20.08.2020 | 08:34 Uhr

Den Sommer genießen wir gerne draußen. Doch unser Essen zieht auch ungebetene Gäste an. Wie wird man Wespen am besten los? Und was hilft, wenn man doch gestochen wurde?

Nur zwei Arten der acht in Deutschland heimischen Wespen können sich auch für unser Essen begeistern: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Wespen nehmen Gerüche wahr. Süße Getränke, Eis oder Kuchen, aber auch unser Grillgut ziehen die Tiere an. Denn die Wespen sind auf der Suche nach Nahrung. Dazu gehören unter anderem Pollen und Nektar, aber auch eiweißhaltige Nahrung, die sie für die Aufzucht des Nachwuchses brauchen.

Der Wespen-Knigge
Audio [SR 3, (c) SR 3, 20.08.2020, Länge: 02:27 Min.]
Der Wespen-Knigge

Cool bleiben

Wespen sind grundsätzlich nicht aggressiv, erklärt Wega Kling vom NABU Saarbrücken. Sie verteidigen allerdings ihr Nest und ihre Brut. Wespen stechen nicht mit Absicht, sondern nur wenn sie sich oder ihr Nest bedroht fühlen.

Wenn uns also Wespen um die Nase fliegen, ist daher vor allem eines wichtig: Ruhe bewahren! Auf keinen Fall nach den Tieren schlagen, denn dann fühlen sie sich angegriffen. Man sollte sie auch nicht anpusten, denn das Kohlendioxid in unserem Atem verstehen Wespen als Alarmsignal.

Stattdessen sollte man mit ruhigen Bewegungen agieren. Wenn eine Wespe zum Beispiel auf unser Gesicht zufliegt, sollte man seine Hand vorhalten und den Handrücken langsam (!) vom Gesicht weg bewegen, rät Kling. So weit wie möglich, eventuell mehrmals. Die Wespe wird der Armbewegung folgen. "Diese langsamen Bewegungen helfen wirklich," so die Wespenexpertin.

Ablenkungsfütterung

Wespen mögen Melone (Foto: Pixabay/Brummeier)

Gute Erfahrungen hat Wega Kling auch damit gesammelt, den Wespen - in einigem Abstand - einen kleinen Teller mit Futter hinzustellen, am besten mit Grillgut wie einem Stückchen Schwenkbraten oder Wurst. Das liefert den Wespen Eiweiß, das sie dringend für die Brut brauchen. Andere haben mit überreifen Weintrauben Erfolg gehabt, die sie in einigen Metern Entfernung vom eigenen Tisch aufgestellt haben. Nebeneffekt: Wenn der Extrateller gut ankommt, zieht er allerdings viele Wespen an.

Mit Düften vertreiben

Es gibt Düfte, die Wespen nicht besonders mögen. Lavendel gehört zum Beispiel dazu, Knoblauch, Basilikum. Auch mit Räucherstäbchen kann man es versuchen, so Kling, doch mag letztendlich die Anziehungskraft von Marmelade oder Grillgut doch stärker sein.

Um die Insekten gar nicht erst anzulocken, kann man darüber hinaus:

  • Nahrungsmittel im Freien abdecken und Reste schnell wegräumen
  • Nach dem Essen den Kindern den Mund abwischen
  • Mit Strohhalm trinken
  • Auf Parfüms, Cremes und andere Düfte verzichten
  • Eher helle Kleidung tragen

Gegen Wespen im Haus helfen Fliegengitter vor dem Fenster. Und wenn sich ein Exemplar doch ins Haus verirrt hat, landet es in der Regel bald an einem Fenster, wo man leicht ein Glas überstülpen kann, das man mit Papier abdeckt und mit dem man die Wespe nach draußen bringen kann.

Auch das Wespennest in Ruhe lassen

Wespennest (Foto: pixabay)

Ein Wespennest wird immer nur für ein Jahr bezogen. Wenn es also weder Menschen noch Tiere beeinträchtigt, sollte man es einfach belassen. Damit sich die Tiere auch nicht angegriffen fühlen, ist es ratsam, vom Nest zwei bis drei Meter Abstand zu halten und darauf zu achten, nicht in der Flugbahn zu stehen.

Die Nester der Deutschen Wespe oder der Gemeinen Wespe sieht man allerdings normalerweise nicht frei hängen. Sie können sich zum Beispiel in Rollädenkästen niederlassen oder auf dem Speicher. Dann muss man einen Kammerjäger oder Schädlingsbekämpfer rufen. Auf keinen Fall sollte man selbst Hand anlegen, warnt Wega Kling. Nur die Profis wissen, ob und wie ein Nest entfernt werden muss. Im Idealfall kann es umgesiedelt werden. Hilfe, Tipps und Rat bekommt man in solchen Fällen beim NABU und auch bei der örtlichen Feuerwehr.

Wespen sind nützlich

Wespe auf einer Blüte (Foto: pixabay/7854)

So lästig sie auch sein mögen, Wespen sind wichtig für unser Ökosystem: Zum einen dienen sie anderen Tieren wie Vögeln als Nahrung, zum anderen ernähren sie sich selbst wiederum von Ungeziefer wie Fliegen, Spinnen, Larven und anderen Schädlingen. So verspeist ein Wespenstaat bis zu zwei Kilo Insekten am Tag. Darüber hinaus tragen die Tiere auch einen wichtigen Teil zum Bestäuben von Pflanzen bei.

Wespen stehen unter Naturschutz

Wespen sind wildlebende Tiere und fallen daher unter das Naturschutzgesetz. Wespen ohne triftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten sowie ihre Nester zu zerstören, ist verboten, heißt es im Bundesnaturschutzgesetz. Wer erwischt wird, erhält in den meisten Fällen eine Verwarnung oder ein Bußgeld - die Ordnungshüter entscheiden dabei von Fall zu Fall. Im Extremfall kann die Strafe im Saarland laut bussgeldkatalog.org sogar 10.000 Euro betragen. Eine Ausnahme gilt für Allergiker. Denn für sie besteht bei einem Stich unter Umständen Lebensgefahr.

Erste Hilfe bei Stichen

Manchmal hilft alle Vorsicht nichts und man wird doch gestochen. Auch dann gilt: kein Grund zur Panik. Selbst mehrere Stiche gleichzeitig sind für gesunde Menschen ungefährlich, wenn auch sehr schmerzhaft. Im Falle des Falles hilft:

  • Spucke lindert - zumindest für kuze Zeit - den Juckreiz
  • den Stich sofort kühlen und ein bis zwei Stunden kühl halten
  • kühlende Salben auftragen
  • eine Zwiebelhälfte auflegen; das darin enthaltene Schwefelöl kühlt und desinfiziert

Anderes gilt für Allergiker: Wem nach dem Stich schwindelig oder übel wird, wer Ausschlag oder keine Luft bekommt, sollte sofort einen Arzt rufen.


Weitere Infos zum Thema gibt es beim NABU und beim NABU Saarbrücken.


Auch Thema auf SR 3 am 20.08.2020 in der Sendung 'Guten Morgen'.

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