Eine Kerze und eine Rose (Foto: pixabay / Myriams-Fotos)

Nico kommt nicht mehr nach Hause

Welltag der Suizidprävention

  10.09.2020 | 12:00 Uhr

Suizid ist auch heute noch ein oftmals tabuisiertes Thema - vor allem in der Öffentlichkeit. Fast 9.400 Menschen waren es im Jahr 2018 in Deutschland, die sich das Leben genommen haben. Nur wird darüber kaum gesprochen. Sandra und Mario Kelter haben vor fast sechs Jahren ihren Sohn durch einen Suizid verloren. Jetzt haben sie ein Buch darüber geschrieben.

Audio

"Nico kommt nicht mehr nach Hause"
Audio [SR 3, Carl Rolshoven, 10.09.2020, Länge: 03:11 Min.]
"Nico kommt nicht mehr nach Hause"
SR-Reporter Carl Rolshoven hat Sandra und Mario Kelter getroffen und mit ihnen über ihr mutiges Buch gesprochen

Mit 19 Jahren stirbt Nico durch einen Suizid. Er hat sich im Wald erschossen - nach jahrelangen Depressionen. Jährlich nehmen sich knapp 190 Saarländer das Leben. sich jährlich das Leben nehmen. In den häufigsten Fällen sind Depressionen die Ursache für den Suizid. Eine Erkrankung, die für Angehörige schwer zu begreifen ist – aber in vielen Fällen auch gut behandelbar ist. Die Öffentlichkeit tut sich schwer, darüber zu sprechen. So haben es auch Nicos Eltern nach dem Tod ihres Sohnes erlebt. Sie waren ganz oft auf sich alleine gestellt, viele Bekannte und Freunde haben sich nicht mehr gemeldet und sind der Familie in ihrer schwersten Zeit aus dem Weg gegangen. Die beiden haben sich dann dem Verein „trees of memory“ angeschlossen. Der Verein hilft Hinterbliebenen in der schweren Zeit nach dem Suizid eines Angehörigen.

Sandra & Mario Kelter/Stefan Blasius
"Nico kommt nicht mehr nach Hause"

Edition Schaumberg Edition
Paperback, 100 Seiten
ISBN 978-3-941095-71-7
Preis: 10 Euro

Heute, fast sechs Jahre später, ist der Schmerz um Nicos Tod immer noch nicht vergangen. Aber Sandra und Mario Kelter haben einen großen Schritt gewagt: Sie haben ein Buch darüber geschrieben: "Nico kommt nicht mehr nach Hause". Unterstützt wurden sie vom saarländischen Autor Stefan Blasius. Er kannte Nico persönlich, wohnt nur ein paar Straßen weiter.

Mit dem Buch wollen sie Mut machen - Betroffenen ebenso wie dem Umfeld - miteinander zu reden. Es gebe einfach eine große Unsicherheit auf beiden Seiten, sagt Mario Kelter. "Wir versuchen, mit diesem Buch die Barriere abzubauen."


Hilfe für Angehörige und Betroffene


Hilfe für Betroffene
Wer sich selbst mit Suizidgedanken trägt, kann sich unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 111 0 111 an die Telefonseelsorge wenden. Außerdem gibt es unter telefonseelsorge.de verschiedene und vertrauliche Beratungsangebote im Netz. Hilfe und Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie auch vor Ort bei lokalen Beratungsstellen, einem Arzt oder einem Pfarrer.

Hilfe für Angehörige
Sandra und Mario Kelter fungieren im Verein „trees of memory“ als sogenannte „1. Anlaufstelle“. Nach den Erfahrungen nach dem Tod ihres Sohnes, können sich Angehörige von anderen Suizidopfern melden. Das Ehepaar begleitet Hinterbliebene und unterstützt etwa bei der Bewältigung des Alltags oder hört einfach nur zu.

Infos und Kontaktmöglichkeit unter:
www.treesofmemory-ev.com

Selbsthilfe für Angehörige
Der Verein AGUS, Angehörige um Suizid, bietet in St. Arnual regelmäßige Treffen für Hinterbliebene an. Der Leiter der Gruppe, Franz Ließmann, bittet um eine Anmeldung im Vorfeld unter fms.liessmann@web.de.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 10.09.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja