Darstelluing einer Krebszelle in einem Spezialmikroskop (Foto: dpa/CTK Petr Eret)

"Forscher sind vorsichtig mit Prognosen zur Heilbarkeit"

Interview zum Weltkrebstag mit Dr. Birgit Hiller vom Krebsinformationsdienst

Interview: Frank Hofmann   04.02.2019 | 08:48 Uhr

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, CDU, hat den Krebskranken Hoffnung gemacht: Es gäbe gute Chancen, dass der Krebs spätestens 20 Jahren besiegt sei. Der Widerspruch von Experten folgte auf dem Fuß. Anlässlich des Weltkrebstage am 4. Februar hat SR-Moderator Frank Hofmann mit Dr. Birgit Hiller vom Krebsinformationsdienst über den aktuellen Stand der Krebsforschung gesprochen.

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Interview: "Forscher sind vorsichtig mit Prognosen zur Heilbarkeit von Krebs"
Audio [SR 3, Interview: Frank Hofmann, 04.02.2019, Länge: 02:31 Min.]
Interview: "Forscher sind vorsichtig mit Prognosen zur Heilbarkeit von Krebs"

Deutliche Verbesserung der Überlebensraten in Sicht

Der Krebsinformationsdienst, bei dem Dr. Birgit Hiller arbeitet, gehört zum Deutschen Krebesforschungszentrum in Heidelberg. Sie hält die Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für ein sehr ehrgeiziges Ziel. Es werde von den Forschern natürlich daran gearbeitet, aber durch die biologische Vielfalt der verschiedenen Tumorarten sei Krebs eine der komplexesten Erkrankungen überhaupt. Von daher seien Krebsforscher selbst vorsichtig mit zeitlichen Prognosen. "Aber was wir erwarten ist, dass innerhalb der nächsten zehn, 20 Jahre ganz spürbare Verbesserungen bei den Überlebensraten zu erzielen sein werden."

Zielgerichtete Arzneimittel

"Krebs ist nicht gleich Krebs", sagt Dr. Hiller. Und es gebe die neuere Erkenntnis sei, dass innerhalb eines Tumors ganz verschiedene, weitere genetisch bedingte Veränderungen auftreten könnten. Das heißt: "Selbst innerhalb eine Tumors ist Tumorzelle nicht gleich Tumorzelle." Das Problem sei, wenn der Prozess dieses genetischen Fehlers einmal angestoßen sei, dann setze er sich auch bei den nächsten Zellteilungen weiter fort. "Es gibt heute aber ganz zielgerichtete Arzneimittel, die sich gegen diese einzelnen, kleineren Veränderungen in den Tumorzellen richten", so Dr. Hiller.

Heute könnten viele Krebspatienten mit einer Abfolge von Arzneimitteln immer noch weiter behandelt werden. Früher habe man in diesen Fällen die Behandlung häufig abbrechen müssen.

"Integrative Sprechstunde" an der Uniklinik

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Nach Zahlen des Saarländischen Krebsregisters werden dieses Jahr, statistisch gesehen, achttausend Saarländer die Diagnose Krebs bekommen. Die Uniklinik Homburg bietet seit ein paar Monaten eine "integrative Sprechstunde" für betroffene Patientinnen an. Sie ist dafür da, nach der klassischen Tumortherapie Komplikationen und Nebenwirkungen intergrativ zu behandeln. Das heißt: neben der Schulmedizin kommt auch die Naturheilkunde zum Einsatz. Das gibt es an einer Uniklinik in Deutschland nur zwei Mal: In Essen und jetzt auch in Homburg.


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Aufruf zur Nutzung von Krebs-Prävention
Anlässlich des Weltkrebstages hat Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) dazu aufgefrufen, die Möglichkeiten der Prävention und Vorsorge von Krebserkrankungen zu nutzen. Es gebe heute wirkungsvolle Maßnahmen, um das persönliche Risiko von Krebserkrankungen zu verringern.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 04.02.2019 berichtet.

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