Weihnachtszeit im Ahrtal - eineinhalb Jahre nach der Flutkatastrophe (Foto: SR/René Henkgen)

Wie geht's den Menschen im Ahrtal heute?

Nadine Thielen im Interview mit Michael Lang / Onlinefassung: Kathrin Gärtner   21.12.2022 | 16:00 Uhr

Fast eineinhalb Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal, bei der mehr als 130 Menschen um Leben gekommen sind, feiern die Menschen nun ihr zweites Weihnachtsfest. Viele wohnen noch immer provisorisch in Containern - so genannten Tiny-Häusern - oder in Baustellen.

Knapp eineinhalb Jahre sind seit der Flutkatastrophe im Ahrtal vergangen. Kurz vor Weihnachten hat sich Michael Lang die Situation vor Ort angeschaut.

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"Es gibt deutliche Verbesserungen"
Audio [SR 3, Moderation: Nadine Thielen/ im Interview: Michael Lang, 19.12.2022, Länge: 03:19 Min.]
"Es gibt deutliche Verbesserungen"

Freude in Kirchen und auf Märkten

Obwohl viele Kirchen im Ahrtal noch immer Baustellen sind, habe es überall im Ahrtal Adventsgottesdienste gegeben. Und auch Gottesdienste an Weihnachten seien geplant. Die Menschen würden sich freuen, wieder in ihre Kirchen gehen zu können.

Aber auch auf den Weihnachtsmärkten in den vergangenen Wochen sei Freude zu spüren gewesen. "Die Dunkelheit und die vielen bunten Lichter verdeckten auch viele Schäden der Flutkatastrophe, die jeder bei Tageslicht hier leicht sehen kann", sagt Lang.

Für manche Menschen werde Weihnachten aber eine schwierige Zeit, zum Beispiel für die alten Menschen, die in Containern leben. Sie würden nun realisieren, dass sie den Wiederaufbau ihres Hauses vermutlich nicht mehr erleben werden.

Dreyer: "'Aufbau Plus' möglich"

Viele der Menschen im Ahrtal sind der Meinung, der Wiederaufbau ginge zwar voran, aber zu langsam. Doch es gebe auch deutliche Verbesserungen, über die sich die Menschen an der Ahr freuen würden. Beispielsweise hätten sie nun mehr Zeit, um Fördergeld zu beantragen.

Außerdem solle das zerstörte Ahrtal nicht 1:1 wiederaufgebaut werden. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hätte bei einem ihrer Besuche im Ahrtal gesagt, dass sie fest davon überzeugt sei, dass ein sogenannter 'Aufbau Plus' möglich sei. Das bedeutet, dass etwa neue Ortskerne erschaffen werden könnten oder für eine klimafreundliche Energieversorgung gesorgt werden könne. Doch der Wiederaufbau dauert noch Jahre.

Weihnachtszeit im Ahrtal

Viele Menschen traumatisiert

"Es gibt immer noch viele hunderte traumatisierte Menschen im Ahrtal. Laut Katharina Scharping, die das Traumahilfezentrum für die Hochwasserbetroffenen leitet, würden nach wie vor Langzeittherapieplätze fehlen. Dort bekämen die Betroffenen eine erste psychologische Unterstützung. Doch es sei immer noch sechs Wochen im Voraus ausgebucht.

Die Berater, die im Ahrtal von Haus zu Haus gehen würden, um Menschen bei Anträgen für den Wiederaufbau zu beraten, würden dabei immer wieder Personen antreffen, die es noch nicht geschafft hätten, sich um ihre Psyche zu kümmern. Daher sollen sich diese Beraterteams nun stärker auch um diese Menschen kümmern, sagt Missy Motown vom Helferstab.

Weihnachtsstimmung trotz vieler Widrigkeiten

Weihnachtsstimmung im Ahrtal
Audio [SR 3, René Henkgen, 21.12.2022, Länge: 02:52 Min.]
Weihnachtsstimmung im Ahrtal

Das Ahrtal war bei der Flutkatastrophe 2021 am schlimmsten betroffen. Viele Häuser sind noch unbewohnbar. Aber die Bewohner des Ahrtals lassen sich nicht unterkriegen und auf dem Lichterfest in Dernau herrscht trotz allem schon eine gewisse vorweihnachtliche Stimmung.

Ein Thema in der "Region" auf SR 3 Saarlandwelle am 19.12. und am 21.12.2022.

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