Waschbär Fähe mit zwei Jungtieren auf einer Eiche (Foto: IMAGO / imagebroker)

Waschbären im Saarland auf dem Vormarsch

Lena Schmidtke   02.08.2022 | 08:47 Uhr

Flauschiges Fell, dunkle Kulleraugen und gestreifter Schwanz: Der niedlich ausehende Waschbär breitet sich langsam auch im Saarland aus. Doch für heimische Arten kann der Waschbär zum Problem werden.

Der Waschbär sieht zwar putzig aus, dabei verursacht er so manche Schäden. Mittlerweile wurde er EU-weit als invasive Art eingestuft. Das heißt, mit seiner Ausbreitung kann er Lebensräumen, Arten und Ökosystemen schaden.

Bejagung des Waschbären

Denn Waschbären sind Allesfresser und bringen mit ihrem Fressverhalten das ökologische Gleichgewicht bei uns ins Wanken. Die Tiere fressen Insekten, Igel, Vögel – aber auch seltene Tierarten wie die Gelbbauchunke, Erdkröten oder Jungstörche. Sie können sogar ganze Fledermauskolonien ausrotten.

Inzwischen darf der Waschbär daher von Jägerinnen und Jägern gejagt werden. Laut der Vereinigung der Saar-Jäger wird das Tier dabei lebend gefangen und mit einem Kleinkaliber erschossen.

Audio

Waschbären im Saarland
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 02.08.2022, Länge: 02:38 Min.]
Waschbären im Saarland
Flauschiges Fell, dunkle Kulleraugen und gestreifter Schwanz – eigentlich sehen Waschbären ganz süß aus. Doch für unsere heimischen Tierarten wird er immer mehr zum Problem. Woher der Waschbär kommt und was man tun kann wenn man einen sieht, das hat SR 3 Reporterin Lena Schmidtke herausgefunden.

Eingeschleppt aus Nordamerika

Der Waschbär stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde wegen seines schönen Fells in Pelztierfarmen nach Europa importiert. In den 1930er Jahren wurden einige Waschbären in Hessen ausgesetzt. Von dort haben sie sich dann verbreitet.

Mitte der 1990er Jahre seien in Deutschland etwa 333 Tiere erfasst worden, jedoch nur die Tiere, die zu Tode gekommen sind. Heute geht man davon aus, dass es bundesweit über 200.000 Waschbären gibt.

Waschbär wird sich ausbreiten

Im Saarland wurden die ersten Waschbären vor etwa 15 Jahren gesichtet. Sie kommen vor allem in den Landkreisen Merzig-Wadern und St. Wendel vor. Die Zahlen hier seien noch nicht sehr hoch, sagt Landesjägermeister Josef Schneider. "Wir hatten in den letzten Jahren in der Regel etwa fünf bis zehn Exemplare." 2021 waren es acht Tiere. Das sind allerdings nur die von Jägern getöteten Tiere.

Da Waschbären bei uns so gut wie keine natürlichen Feinde haben, können sie sich ungestört vermehren. Ein Weibchen kann zwischen zwei und fünf Jungtieren pro Jahr bekommen. Schneiders Prognose ist, dass der Waschbär sich bei uns weiter verbreiten wird, denn im Grunde sei die Population auch mit jagdlichen Methoden nicht in den Griff zu bekommen.

Die kleinen Bären erobern die Städte

Eigentlich leben Waschbären im Wald. Doch sie tauchen immer öfter auch in Ortschaften auf, denn in unseren Gärten, auf den Komposthaufen und in den Mülltonnen finden sie reichlich Futter. "Wir locken sie im Grunde systematisch an", so der Neunkircher Zoodirektor Norbert Fritsch. Das bestätigt auch Landesforstmeister Schneider. In Berlin beispielsweise taucht der Waschbär inzwischen nicht nur in den Gärten auf, sondern findet sogar in Häusern Unterschlupfmöglichkeiten, wo er dann Schäden - zum Beispiel an der Dämmung - anrichtet.

Was tun, wenn man einem Waschbär begegnet?

Wer einem Waschbär begegnet oder auf seinem Grundstück findet, sollte dies bei den zuständigen Behörden bzw. dem zuständigen Jagdpächter melden. Wer das ist, kann man über die Polizei erfragen.

Und man sollte Vorsicht walten lassen. Der Waschbär ist für Menschen zwar nicht gefährlich, aber er hat ein scharfes Gebiss und scharfe Krallen und könnte beißen, wenn er sich oder seinen Nachwuchs bedroht sieht.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 02.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja