Katze (Foto: Kirsty O'connor/PA Wire/dpa)

Warum gibt es keine Katzensteuer?

mit Informationen von Frank Hofmann   15.03.2022 | 09:45 Uhr

In den meisten Gemeinden in Deutschland muss Hundesteuer gezahlt werden. Eine Steuer für Hauskatzen gibt es hingegen nicht. Wieso eigentlich nicht?

Immer wieder wird über die Einführung einer Katzensteuer diskutiert - auch bei Tierschutzorganisationen. Auch vor dem Hintergrund, dass freilaufende Katzen viele Vögel erbeuten. Schätzungen zufolge bis zu 200 Millionen in Deutschland pro Jahr. Doch wie sinnvoll wäre eine Katzensteuer?

Katzensteuer für den Tierschutz?

Warum gibt es keine Katzensteuer ?
Audio [SR 3, Eberhard Schilling/Frank Hofmann, 15.03.2022, Länge: 04:18 Min.]
Warum gibt es keine Katzensteuer ?

Silke Mansion vom Tierschutz in Wadgassen ist der Meinung, dass Katzen nur kranke und schwache Vögel in ihre Fänge bekommen. Das beobachte sie auch in ihrem Garten. Dort lebten viele Vögel und ihre fünf Katzen brächten meist nur Mäuse mit nach Hause.

Dennoch hält sie eine Katzensteuer unter bestimmten Bedingungen für sinnvoll. Für diese Mehreinnahmen müsste sich die Kommune dann aber verpflichten, etwas für den Tierschutz zu tun. So könnten man das Personal im Ordnungsamt aufstocken, neue Veterinärärzte einstellen oder Tierschutzvereine unterstützen. Mansions Vorschlag für eine Katzensteuer lautet: 20 Euro pro Katze im Jahr.

Steuern nicht zweckgebunden

Anders als bei Gebühren sei eine Steuer aber grundsätzlich nicht mit einer direkten Gegenleistung verbunden, sagt Stephan Groß, der Kämmerer der Stadt Völklingen. Eine Katzensteuer bedeute also erst einmal nur eine Mehreinnahme für die jeweilige Kommune.

Silke Mansion sieht aber eine moralische Pflicht der Kommunen. Sollte eine Katzensteuer eingeführt werden, müssten die Mehreinnahmen dem oft vernachlässigten Tierschutz zugute kommen. Denn Tierschutz sei nun mal keine reine Privatsache derjenigen, die sich engagierten.

Rechtliche Grundlage

Grundlage zur Erhebung einer Katzensteuer wäre das Kommunale Abgabengesetz und eine Katzensteuersatzung, wie bei der Hundesteuer auch. Grundsätzlich möglich wäre es also schon, eine Steuer auf Katzen einzuführen. "Es ist so, dass die Kommunen ein sogenanntes Steuerfindungerecht haben", erklärt Groß. "Das heißt, wenn weder der Bund, noch das Land, noch der Landkreis eine entsprechende Steuer haben, können die Gemeinden auch neue Steuern einführen."

Gestaffelte Steuer?

Tierschützerin Mansion ist für eine gestaffelte Steuer. Kastrierte und behinderte Katzen und auch reine Hauskatzen müssten anders besteuert werden als unkastrierte Freigänger. Diese seien schließlich keine Belastung.

Ein großes Problem sei allerdings die Kontrolle. Schließlich könne jeder behaupten, seine Katze gingen nicht raus. Diese Problem sieht auch Stadt-Kämmerer Groß: Während man Hunde leicht einem Besitzer zuordnen könne, sei das bei freilaufenden Katzen deutlich schwieriger.

Registrierungs- und Kastrationspflicht

Bevor aber überhaupt an eine Katzensteuer gedacht werden dürfe, seien zunächst andere Maßnahmen viel wichtiger. Die noch relativ neue partielle Kastrationspflicht - und zwar in Gebieten, in denen die Population überhand nimmt, sogenannten Hotspots, findet sie richtig.

Es brauche aber eine generelle Registrierungs- und Kastrationspflicht, so die Tierschützerin. Nachwuchs sollte nur von Leuten kommen, die auch im Zuchtverband seien. Und man müsse wissen, "welche Leute wie viele Tiere haben". Danach erst könnte man überlegen: "Machen wir eine Steuer?"

Hund vs. Katze

Bleibt noch die Frage: Warum werden Hunde besteuert, Katzen aber nicht? Das hat historische Gründe, sagt der Kämmerer der Stadt Völklingen, Stephan Groß. Die Hundesteuer gebe es seit dem 19. Jahrhundert. Hunde seien mit wenigen Ausnahmen als Luxusgut angesehen worden, während "damals Katzen eher als Nutztiere angesehen worden sind", da sie "Mäuse und Ratten aus dem Haushalt ferngehalten haben."

In Völklingen macht die Hundesteuer im Jahr 0,27 Prozent des Haushaltsvolumensaus. Rund 2.350 Hunde sind derzeit angemeldet. Diese Zahl ist relativ konstant. Der erste Hund kostet 96 Euro im Jahr, der zweite 144 Euro, der dritte und alle weiteren kosten 216 Euro im Jahr.

Mit der Steuer werden nicht nur Einnahmen generiert. Sie soll auch die Zahl der Hunde innerhalb einer Gemeinde begrenzen. Wer seinen Hund nicht ordnungsgemäß anmeldet, muss mit einem Ordnungsgeld von bis zu 10.000 Euro rechnen.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" vom 15.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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