Rettungsdienstzentrum (Foto: SR/Jan Henrich)

Warten auf den Krankentransport

Jan Henrich   19.10.2021 | 12:30 Uhr

Viele Patienten, insbesondere pflegebedürftige Menschen, sind auf Krankentransporte angewiesen, um zum Beispiel zu medizinischen Untersuchungen zu gelangen, ins Krankenhaus gebracht oder von dort abgeholt zu werden. Gerade in Stoßzeiten kommt es aber immer wieder zu Verzögerungen und die können nicht nur für die Patienten, sondern auch für Angehörige belastend sein. SR-Reporter Jan Henrich hat in einem aktuellen Fall aus Völklingen nachgehakt.

96 Jahre alt ist die Patientin aus Völklingen, die plötzlich über Luftnot klagt. Ihr Hausarzt verweist sie zur weiteren Untersuchung in eine Klinik. Der Verdacht: eine Rippenfraktur.

Warten auf den Krankentransport
Audio [SR 3, Jan Henrich, 19.10.2021, Länge: 02:51 Min.]
Warten auf den Krankentransport

Schwiegertochter Helga betreut die pflegebedürftige Frau an diesem Tag. Sie ruft auf Anraten des Arztes für die Fahrt zur Klinik einen Krankentransport. Doch der lässt auf sich warten.

Die beiden Frauen üben sich in Geduld und haben auch Verständnis. Es sei ja kein akuter Notfall gewesen, so die Schwiegertochter.

Stundenlanges Warten auf den Rücktransport

Anders sah es dann beim Rücktransport aus. Die Untersuchung im Krankenhaus war schnell durchgeführt, und dann begann für Helga und ihre 96 Jahre alte Schwiegermutter das Warten, ein stundenlanges Warten. Die beiden Frauen wurden immer wieder von der Leitstelle für Krankentransporte vertröstet. „Jeder, der an mir vorbei ist und der mich morgens schon um 11.00 Uhr da gesehen hat, sagte: Sind sie immer noch da? Ob das Ärzte waren, ob das Pflegepersonal. Die Frühschicht ging heim, die nächsten sind gekommen, und die hatten dann auch nochmal Feierabend."

Als es seitens der Leitstelle hieß, es dauere noch weitere zwei Stunden, hat Helga beschlossen, ihre Schwiegermutter selbst nachhause zu fahren. Und so etwas ist nicht ohne Risiko, denn qualifizierte Krankentransporte sind ja dazu da, während der Fahrt und in einem Notfall Patienten auch medizinisch betreuen zu können. Die Fahrt verlief zum Glück ohne Probleme. Den Weg ins Haus musste die stark bewegungseingeschränkte 96-Jährige dann aber zu Fuß zurücklegen.

Lukas Hoor vom Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar (ZRF) bedauert den Vorfall. „Das ist auch für uns nicht akzeptabel, wenn hier Wartezeiten von zwei bis drei Stunden entstehen", sagt er. Man werde das Problem analysieren und aufarbeiten.

Lange Wartezeiten - kein Einzelfall

Lange Wartezeiten bei Krankentransporten sind jedoch kein Einzelfall - das räumt auch Lukas Hoor ein. Medizinisch dringliche Fahrten, beispielsweise zu Dialyse-Terminen, hätten in Stoßzeiten Vorrang. Insbesondere bei Rückfahrten aus Krankenhäusern könnten dann Verzögerungen nicht immer vermieden werden. „Das ist insbesondere dann der Fall, wenn in Spitzenzeiten die vorbestellten Krankentransporte höher priorisiert werden müssen. Das ist allerdings auch dann der Fall, wenn uns Unwägbarkeiten in den Planungen behindern.“ Unwägbarkeiten wie ausgefallene Fahrzeuge oder besonders aufwendige Fahrten.

Kostenträger stecken die Rahmenbedingungen

Insgesamt 57 Krankentransportwagen koordiniert der ZRF, rund 100.000 Fahren werden jedes Jahr absolviert. Doch anders als bei der Notfallrettung gibt es für Krankentransporte keine gesetzlichen Vorgaben über die Reaktionszeiten. Sie sind nicht minutenschnell mit Blaulicht und Sirene am Einsatzort, sondern können auch mal im Stau stehen. Hinzu komme: „Wir sind auch gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen, den Kostenträgern, verpflichtet, die Vorhaltung sehr eng am Bedarf auszurichten. Wir können also keine Fahrzeuge als Puffer, als zusätzliche Ressourcen vorhalten, sondern wir orientieren uns sehr eng an der tatsächlichen Nachfrage", so Hoor.

Betroffenen im Fall der Fälle nutzt diese Information recht wenig. Und Helga stellt sich die Frage: "Sieht so die Unterstützung zuhause gepflegter Menschen in einem funktionierenden Gesundheitssystem aus?

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 19.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja