Ratte in der Stadt (Foto: dpa)

Wie kann man gegen Ratten vorgehen?

Sebastian Wagmann   28.08.2018 | 12:50 Uhr

In saarländischen Städten und Gemeinden sind in letzter Zeit verstärkt Ratten aufgetaucht. Einige sprechen schon von einer Rattenplage. Auch im Ortsrat in Lauterbach ist das aktuell ein Thema. Heiß und trocken und das über eine so lange Zeit wie in diesem Sommer - da kommen die Nager aus ihren Verstecken in der Kanalisation an die Oberfläche, weil sie in den Kanälen einfach nicht mehr genug Nahrung finden. Doch was kann man tun gegen die Ratten und was darf man überhaupt?

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Wenn die Ratten ans Tageslicht kommen...
Audio [SR 3, Sebastian Wagmann, 28.08.2018, Länge: 03:03 Min.]
Wenn die Ratten ans Tageslicht kommen...

Ein Mittel, das im Kampf gegen Ratten häufig zum Einsatz kommt, ist Gift. Schwache Giftköder, wie beispielswiese Warfarin, kann sich jeder im Baumarkt kaufen, aber Vorsicht: Man darf das Gift nur auf dem eigenen Grundstück auslegen. Außerdem sind frei verkäufliche Gifte teils sogar Kontraproduktiv, denn die Dosierung ist häufig zu gering. Statt durch das Gift zu sterben entwickeln die Ratten vielmehr Resistenzen, die sich sogar an die nächsten Generationen weitervererben.

Ein weiteres Problem ist, dass Ratten ihre Nahrung, also auch die Giftköder, gerne horten, statt sie direkt am Fundort zu fressen. Wenn sie dabei von Haustieren gestört werden, lassen sie die Beute meistens fallen, und dann kann es passieren, dass Hund oder Katze die Köder selber fressen. Für sie ist die Giftmenge meist tödlich. Auch Vögel und Eichhörnchen fallen den Ködern zum Opfer. Deshalb sollte man auf jeden Fall sogenannte Rattenboxen verwenden, die die Köder für andere Tiere und Kinder unzugänglich machen.

Professionelle Rattenbekämpfung

Professionelle Schädlingsbekämpfer, die im Auftrag der Städte unterwegs sind, legen ihren Fokus speziell auf die städtischen Abwassersysteme, über die Ratten sogar direkt ins Haus kommen können. "Die Giftstoffe sind auf das Kanalsystem abgestimmt, es handelt sich um schwer lösbare Stoffe und es dürfen auch nur zugelassene Stoffe eingesetzt werden, da die Stoffe ja letztendlich in der Kläranlage landen", sagt Martin Orschekowski von der Stadtentwässerung Homburg. Zusätzlich werden die Köder mit speziellen Halterungen befestigt, damit sie bei einer Überflutung der Kanalsysteme nicht weggeschwemmt werden.

„Rattenbekämpfung 4.0“

Der großflächige Einsatz von Rattengift bringt jedoch auch große Risiken für die Umwelt mit sich. Bestandteile des Giftes können bei Starkregen bis ins Grundwasser gelangen. Um das langfristig einzudämmen gibt es seit 2018 die neue Europäische Biozidverordnung. Die Stadt Homburg hat bereits mit innovativen neuen Strategien reagiert und nennt das Ganze: „Rattenbekämpfung 4.0“.

"Es werden die Ködermenge und das Datum der Erstauslegung erfasst, nach ca. vier Wochen erfolgt eine erste Nachkontrolle am Schacht und sollte die Ködermenge nicht abgenommen haben, wird sie aus dem Kanal entfernt. Darüber wird eine Statistik erstellt, wo wir Schwerpunkte haben, an denen wir in Zukunft mehr arbeiten müssen oder ob es auch Stellen gibt, an denen man komplett auf Köderauslegung verzichten kann", erläutert Martin Orschekowski das Prinzip.

Wie kann man vorbeugen?

"Ratten gibt es immer und überall", sagt Orschekowski. Abseits von Gift und Schlagbolzen kann aber jeder etwas zur Verbesserung der Situation beitragen, denn Ratten tummeln sich nur dort, wo es Nahrung gibt. Kleintierhalter müssen zum Beispiel aufpassen, dass Futtermittel für Ratten unzugänglich aufbewahrt werden. Restaurants und Imbissbuden sollten auf die ordnungsgemäße Entsorgung von Küchenabfällen und vor allem von Frittier- und Bratfetten achten.

Auch wer zu Hause Essensreste in den Abfluss kippt, oder gekochtes Essen und Fleisch auf Komposthaufen und in Biotonnen entsorgt, liefert den kleinen Nagern regelrecht ein Buffet. In manchen Städten wie zum Beispiel Homburg ist deshalb die Entsorgung von Essensabfällen in die Kanalisation verboten und kann sogar ein Bußgeld nach sich ziehen.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 28.08.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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