Verlegung Stolpersteinen in Saarwellingen (Foto: SR/Markus Person)

Zehn neue Stolpersteine in Saarwellingen verlegt

mit Informationen von Markus Person   12.04.2022 | 16:40 Uhr

Sie sind das weltweit umfangreichste Holocaust-Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus: die Stolpersteine von Gunter Demnig. Platziert werden sie vor Häusern, in denen ehemals Opfer des Naziregimes gelebt hatten. In Saarwellingen sind nun zehn neue Stolpersteine hinzugekommen.

In Saarwellingen gab es bislang 79 Stolpersteine - mehr als in jeder anderen saarländischen Gemeinde. Nun sind zehn weitere hinzugekommen. Sie erinnern an das Schicksal der Familien Salomon, Mayer und Alexander. Die Neuntklässler der Gemeinschaftsschule Waldwies tragen anlässlich des Einsetzens der Stolpersteine Texte zur Geschichte der geflohenen Familien vor.

Das Schicksal der Familie Salomon

Zehn neue Stolpersteine in Saarwellingen verlegt
Audio [SR 3, Markus Perons, 12.04.2022, Länge: 03:06 Min.]
Zehn neue Stolpersteine in Saarwellingen verlegt

Auf dem Saarwellinger Schlossplatz vor der ehemaligen Sattlerei der Familie Salomon wurden zwei der Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an Julius Salomon und seine Tochter Liesel.

"1927 übernahm der Sattler Julius Salomon von Carl Levi das Haus am heutigen Schlossplatz 12 und betrieb dort eine Polsterei und ein Möbelgeschäft. Salomon war in Saarwellingen geboren, seine Frau Emma Blondina, geborene Klein, stammte aus Böttchingen in der Nähe von Landau", liest die Schülerin Tabea ihren Klassenkameradinnen und -kameraden vor. Salomons Frau und zwei Söhne waren bereits einige Jahre vor Beginn des Nazi-Regimes gestorben.

1935 änderte sich alles

Salomons Familiengeschichte sei ein Sinnbild für viele Dutzende anderer Juden in der Gemeinde, sagt Hans-Peter Klauck, der in ehrenamtlicher Archivarbeit schon lange die Geschichte der saarländischer Juden aufarbeitet.

Die Familie Salomon und ihr Geschäft seien bis zur Abstimmung 1935 im Ort sehr angesehen gewesen. Die jüdischen Bewohner hätten hier in sehr guter Nachbarschaft zu den Saarwellingern gelebt. Die Probleme hätten erst ab 1935 mit der Rückkehr des heutigen Saargebietes ins Deutsche Reich angefangen. Ab dann wurden Juden massiv ausgegrenzt - und nach der Reichspogromnacht lebten nur noch sehr wenige hier. Auch die Familie Salomon hatte ihr Geschäft aufgeben müssen.

Sie mussten alles aufgeben

Doch Julius Salomon und seine Tochter Liesel hatten Glück: Sie entkamen Deportation und Ermordung durch die Nazis. Schülerin Tabea erzählt die Geschichte: "Am 14. Mai 1935 verkaufte Julius Salomon sein Anwesen an Josef Feltes Haushaltswaren für 20.000 Reichsmark, floh Ende 1935 mit seiner Tochter Liesel nach Luxemburg und dann in die USA zu seinem Bruder Friedrich."

Salomon war gezwungen, sein Lebenswerk unter Wert zu verkaufen - aber letztlich verhalf wohl dieser Verkauf am Ende Vater und Tochter zur Flucht.

Nur wenige konnten fliehen

Stolpersteine für die Familie Alexander (Foto: SR/Markus Person)

Eine Möglichkeit, die viele Juden - um 1900 waren etwa zehn Prozent der Saarwellinger Bürger jüdischen Glaubens - nicht hatten: "Die meisten Juden waren arm", sagt Hans-Peter Klauck. Viele hätten mit Kleinvieh gehandelt und nicht zu den begüterten Familien gezählt.

Acht weitere Stolpersteine wurden am 12. April in Saarwellingen noch gesetzt, und zwar für die Familien Alexander und Meyer. Auch ihnen war damals die Flucht über Luxemburg in die USA gelungen.

Eine Mahnung bis in die Gegenwart

Die Neuntklässler der Gemeinschaftsschule Waldwies sind von den Lebensgeschichten der Familien berührt. Aber ihr Blick richtet sich auch auf aktuelle Weltgeschehen: Seit Jahren gebe es Kriege in der Welt, nun auch wieder in Europa, sagt Aman und macht sich auch Sorgen um die Zukunft.

Auch Tabea zeigt sich betroffen: Durch den Krieg in der Ukraine bekomme man einiges mit und "wenn man sich dann vorstellt, dass es früher noch schlimmer war und das auch nur wegen einer Religion, das macht schon was mit einem, das nimmt einen persönlich dann auch mit."

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 12.04.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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