Häusliche Pflege (Foto: SR)

"Ein Jahr Ampelkoalition - für die Pflege ein verlorenes Jahr"

Interview: Frank Hofmann/Onlinefassung: D.Scherer   13.12.2022 | 11:00 Uhr

Rund vier Millionen pflegebedürftige Menschen gibt es in Deutschland, 80 Prozent von ihnen werden zuhause durch Angehörige gepflegt. Vor einem Jahr war von der Ampel-Koalition angekündigt worden, dass es leichter werden soll, Pflege und Beruf zu vereinbaren. Doch bisher sei so gut wie nichts passiert, sagt Peter Springborn, der Geschäftsführer des Sozialverbandes VdK im Saarland.

Nach wie vor werde die häusliche Pflege von der Politik nicht vernünftig gewürdigt, sagt Peter Springborn, der Geschäftsführer des Sozialverbands VdK im Saarland. "Das Gesetz sagt, dass das Pflegegeld alle drei Jahre überprüft und angepasst werden soll - die letzte Erhöhung war 2017." Für die Betroffenen sei dadurch - je nach Höhe des Pflegegeldes, das bezogen werde - allein durch die Inflation ein Verlust von 160 Euro entstanden. Das stelle eine große finanzielle Belastung dar - zumal zurzeit alles andere auch erheblich teurer geworden sei.

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"Es wäre schön, wenn die Ideen mal umgesetzt werden"
Audio [SR 3, (c) SR 3, 13.12.2022, Länge: 04:52 Min.]
"Es wäre schön, wenn die Ideen mal umgesetzt werden"
SR-Interview mit dem saarländischen Geschäftsführer des Sozialverbands VdK, Peter Springborn.

"Es wäre schön, wenn die Ideen mal umgesetzt werden"

Die Ampel habe im Koalitionsvertrag festgehalten, dass es ein Entlastungsbudget geben solle, so Springborn. Geld, über das die Pflegenden und die Pflegebedürftigen selbst verfügen könnten. Zudem gebe es seitens der Ampel das Versprechen, dass es eine Lohnersatzleistung geben solle - ähnlich wie das Elterngeld. Außerdem sei eine Dynamisierung des Pflegegelds versprochen worden. "Es wäre schön, wenn die Ideen mal umgesetzt werden. Dann wäre schon viel gewonnen." Sein Fazit: Ein Jahr Ampelkoalition - für die Pflege ein verlorenes Jahr.

Dringend notwendig: Realisierung der Lohnersatzleistung

Für besonders dringend hält Springborn die Realisierung der Lohnersatzleistung. Wer zurzeit wegen häuslicher Pflege seinen Job ruhen lassen muss, habe nur die Möglichkeit, ein zinsfreies Darlehen in Anspruch zu nehmen, um den Lohnausfall zu kompensieren. Das heißt: Nach der Pflege hat man auch noch Schulden. Dieses Modell "ist ein Ladenhüter", sagt er. So gut wie niemand nehme es in Anspruch - einfach weil es nicht sinnvoll sei.

Hinzu komme, dass die Rentenpunkte, die man für häusliche Pflege erhalten, nicht ausreichend seien, so Springborn. "Das heißt: häusliche Pflege ist auch ein Weg in die Altersarmut für denjenigen, der seinen Angehörigen pflegt."

Beratungshilfe für Betroffene

Eine VdK-Studie habe ergeben, dass viele die Leistungen, die ihnen zustehen, gar nicht in Anspruch nehmen, so Springborn. Viele wüssten gar nicht, welche Leistungen ihnen zustehen, anderen seien die Konstrukte viel zu kompliziert.

Pflegestützpunkte im Saarland
www.psp-saar.net

Sein Rat lautet, sich Hilfe zu suchen. Im Saarland gebe es durch ein flächendeckendes Netz von Pflegestützpunkte dafür ein gutes Angebot. "Da sitzen ausgebildete, zertifizierte Pflegeberater, die wirklich Ahnung haben und helfen können, die individuell beste Lösung zu finden."


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