Baumängel und kaltes Wasser in einem Wallerfanger Mietshaus - die Mieter Streiten mit dem Vermieter (Foto: SR)

Mieter unverschuldet in der Stromfalle

Niklas Resch   24.07.2020 | 11:54 Uhr

Der saarländische Mieterbund fordert gesetzliche Neuregelungen, um Mieter besser vor Stromsperren zu schützen. Hintergrund ist ein Fall in einem Wallerfanger Mietshaus mit zehn Wohnungen. Den Mietern wurde ohne Vorankündigung vor über zwei Wochen der Strom für die Warmwasserzubereitung abgeschaltet.

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Unverschuldet in der Stromsperre
Audio [SR 3, Linda Grotholt, 24.07.2020, Länge: 03:13 Min.]
Unverschuldet in der Stromsperre

Warmes Wasser für die Dusche – für Marianne und Tobias kommt das aktuell nur noch aus einem schwarzen Camping-Duschsack. Denn vor über zwei Wochen wurde ihnen der Strom für die Warmwasserversorgung ohne Vorwarnung abgestellt. Genauso geht es ihren Nachbarn in dem Zehn-Parteien-Haus am Ortsrand von Wallerfangen. Und das, obwohl die Mieter ihre Abschläge bezahlt haben.

Mietstreit wegen Mängel

Es ist der Höhepunkt in einem monatelangen Streit zwischen Mietern und Vermieter. Der Auslöser: Viele Mängel, die seit dem Einzug von Ibald und Würzbach nicht behoben wurden. Viele Mieter in dem Haus haben wegen der Mängel die Miete gemindert. Bei Marianne und ihrem Lebensgefährten sind es mittlerweile 30 Prozent - in Rücksprache mit ihrem Anwalt. Der Vermieter akzeptiert die Minderungen aber nicht – und forderte Anfang Juli auf, gut 2.000 Euro Rückstände zu bezahlen. Wenige Tage später war dann das warme Wasser weg.

Datenschutz schlägt Mieterschutz

Die Mieter haben nach eigenen Angaben ihre Abschläge für die Warmwasseraufbereitung an den Vermieter überwiesen. Einige Kontoauszüge konnte der SR einsehen. Allerdings hat der Vermieter seine Rechnung laut Energis seit Monaten nicht bezahlt. Dass die Mieter von der Stromsperre vorab nichts erfahren haben, sei formal korrekt, so der Energieversorger. Energis bestätigte dem SR, dass in solchen Fällen nur der Vermieter als Vertragspartner informiert wird. Der Datenschutz des Vermieters schlägt an dieser Stelle den Mieterschutz.

Plädoyer für eine Gesetzesänderung

Um wieder warmes Wasser zu bekommen, wollten die Mieter in Wallerfangen die ausstehenden Zahlungen übernehmen. Aber auch das ist laut Energis gesetzlich nicht möglich, da der Vermieter der Zahlung nicht zugestimmt habe. Die Mieter versuchen jetzt, per einstweiliger Verfügung zu erreichen, dass die Sperre beendet wird. Das könne aber mehrere Wochen dauern, so der saarländische Mieterbund.

Der Vorsitzende des saarländische Mieterbundes, Kai Werner, forderte im SR deshalb eine Gesetzesänderung, damit Mietern künftig schneller geholfen werde. Es sei nicht zumutbar, dass Mieter wochenlang unverschuldet ohne so etwas wichtiges wie warmes Wasser auskommen müssten. Auch der Energieversorger Energis hat eine Idee für eine Gesetzesänderung: Bei drohenden Stromsperren sollten Mieter vier Wochen vorher informiert werden dürfen. Dann würden sie nicht kalt erwischt und hätten wenigstens etwas Zeit, um sich um eine Lösung zu kümmern.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 24.07.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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