Obdachloser auf der Parkbank  (Foto: SR)

Unterwegs mit einem Streetworker

Lisa Krauser/Onlinefassung: Emil Mura   20.03.2021 | 11:26 Uhr

Oft geht es los mit einem Schicksalschlag, zum Beispiel Krankheit oder Jobverlust. Für manche Menschen beginnt dann eine Abwärtsspirale, die im schlimmsten Fall sogar in die Obdachlosigkeit führen kann. Lebt man erstmal auf der Straße, ist es sehr schwierig, aus der Situation wieder herauszukommen. SR 3 Reporterin Lisa Krauser hat sich mit einem Streetworker getroffen und mit ihm über die Nöte der Obdachlosen gesprochen.

Wenn Thomas Braun an der Johanniskirche vorbeikommt, grüßen ihn viele schon von weitem. Es ist oft sein erster Stopp, wenn er donnerstags abends seine Tour durch Saarbrücken macht und Obdachlosen seine Hilfe anbietet. Mit einem der Männer redet er etwas länger. Offenbar hat der Mann vor kurzem seine Wohnung verloren. Glücklicherweise sei er aber jetzt im Bruder Konradhaus untergekommen, so der Streetworker.

Nicht jeder will sich helfen lassen

Unterwegs mit einem Streetworker
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 20.03.2021, Länge: 03:14 Min.]
Unterwegs mit einem Streetworker

Das Bruder Konrad Haus ist eine von mehreren stationären Einrichtungen in Saarbrücken, in denen Obdachlose längerfristig unterkommen können und betreut werden. Viele wollen sich helfen lassen. Manche aber auch nicht, sagt Thomas. Und anderen könne man nur schwer aus ihrer Situation heraushelfen. Schwierig würde es vor allen Dingen bei Menschen aus Südosteuropa. Mit diesen Ländern seien seitens der Bundesrepublik keine Sozialversicherungsabkommen geschlossen worden, andere seien ausgesetzt worden. Manche EU-Ausländer haben damit keinen Anspruch auf Sozialleistungen. Das mache es fast unmöglich, eine Wohnung für sie zu finden. Auch in stationären Obdachlosen-Einrichtungen können sie nur kurzfristig unterkommen - denn diese Einrichtungen kosten Geld.

Privatsphäre ist zu respektieren

Wir laufen weiter Richtung Sankt Johanner Markt und kommen an einer jungen Frau vorbei. Als Thomas sie anspricht, erschrickt sie und rennt weg. Das erlebe er öfter, sagt der Streetworker. Wenn er zu jemandem hingehe, dann fühle er sich, als würde er in ein fremdes Wohnzimmer platzen. Wenn dann jemand klar und verständlich mache, dass er seine Ruhe haben wolle, dann gehe er wieder. Erst wenn Thomas jemanden irgendwann nochmal trifft, mal winkt und vorsichtig hallo sagt, entstehen manchmal Gespräche. Thomas erzählt, dass oft Scham dahinter steckt, wenn jemand Hilfe ablehnt. Er muss deshalb immer wieder versuchen, langsam Vertrauen aufzubauen. Und Grenzen akzeptieren.

Chancen sind unterschiedlich

Gut drei Stunden sind Thomas und ich in Saarbrücken unterwegs. Wir treffen die unterschiedlichsten Menschen. So unterschiedlich wie ihre Geschichten ist auch die Chance, sie wieder von der Straße runter zu kriegen. Es gebe viele auch hier in Saarbrücken, da gehe es eigentlich nur darum, den Statusquo zu erhalten. Das geht soweit, dass der Streetworker froh ist, wenn jemand nicht verstirbt. Bei anderen seien die Chancen natürlich da wenn man Wohnraum finde und sich die Situation nochmal stabilisiert habe. Es gelte aber eine klare Regel. Je länger jemand tatsächlich auf der Straße lebe, umso schwieriger sei es, dass die Person nochmal komplett ins normale Leben zurückfindet.

Thomas Braun und seine Kolleginnen und Kollegen aus der Wohnungslosenhilfe versuchen deshalb vor allem präventiv zu arbeiten und dafür zu sorgen, dass Menschen gar nicht erst ihre Wohnung verlieren.

Dies war auch Thema in der "Region am Mittag" am 20.03.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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