An der polnisch-ukrainischen Grenze (Foto: Susanne von Schenck)

Unterwegs mit dem Ukraine-Hilfs-Konvoi

Elena Jörger mit Informationen von Simin Sadeghi   02.04.2022 | 11:04 Uhr

Der Krieg in der Ukraine hält an. Immer mehr Menschen sind auf Unterstützung in Form von Hilfsgütern, Versorgung und Transport, angewiesen. Diese Hilfe kommt immer öfter von Privatpersonen, die eigenständig los ziehen, um an der Grenze zu helfen. Frank Steenbock macht das jetzt schon zum zweiten Mal und berichtet von der aktuellen Lage an der Grenze.

Frank Steenbock ist einer der Freiwilligen, die sich mit zehn Privat-Autos auf den Weg zur ukrainischen Grenze gemacht haben. Die Autos sind voll mit Hilfsgütern und Verpflegung für die Ukrainer, die seit Tagen an der Grenze stehen. Frank Steenbock steht an der Grenze zur Ukraine und gibt im SR 3-Interview einen Einblick in die aktuelle Lage.

Frage: Herr Steenbock, wo sind Sie gerade?

Steenbock: "Wir sind jetzt in Medyka, das ist direkt an der Grenze zur Ukraine."

Frage: Wie sieht es da aus? Müssen Schlangen gebildet werden? Gibt es Anmeldungen? Oder liefert man nur dort ab?

Steenbock: "Nein, das ist dort alles umfangreicher. Das Flüchtlingszentrum, welches hier jetzt errichtet ist, ist ein ehemaliger Tesco-Markt. Den gab es vor vier Wochen noch nicht und dementsprechend ist auch eine größere Schlange an Fahrzeugen vor Ort. Es sind viele Länder vertreten: Spanier, Österreicher und Deutsche. Es dauert ein bisschen, die Geduld muss man mitbringen. Das gilt für die ganze Operation: Hab einen guten Plan, aber sei darauf eingestellt, dass die Dinge anders kommen können. Und man muss Zeit mitbringen und Geduld. "

Frage: Hat bisher alles geklappt? Keine Behinderungen an der polnischen Grenze?

Steenbock: "Nein, wir sind voll im Plan. Wir haben uns gestern in Teams aufgeteilt und so verschiedene Orte angefahren und die Güter abgeliefert, die wir bekommen haben. Ich war in dem Team dabei, welches in Breslov direkt ein Flüchtlingsheim angesteuert hat.

Das ist ein Kulturzentrum, das im Moment als Flüchtlingszentrum dient - und das alles mit privater Initiative. Das war sehr beeindruckend, vor Ort zu sehen, wie das organisiert ist und auch zu wissen, dass es gerade mal 150 Meter hinter der deutschen Grenze ist - wie nah es an uns ran kommt.

Das Ziel gestern wurde erfüllt: Wir haben alles abgeliefert. Haben ein Konvoi dazu gekauft für den Platz, den wir hatten. Wir sind jetzt alle zusammen an der Grenze. Heute Morgen haben wir ein kleines Team weiter in Richtung Norden fahren lassen, fast bis an die Belarus-Grenze.

Wir können dort hoffentlich sechs Flüchtlinge einsammeln und sie dann mit nach Luxemburg zurücknehmen. Wir werden nach dem Abladen sehen, dass wir jetzt hier Flüchtlinge aufnehmen können. Zwischen 12.00 Uhr und 14.00 Uhr kommt ein Zug aus Odessa an, sodass wir vielleicht dort noch Leuten die Gelegenheit geben können, sie mitzunehmen.

"Da kommt noch bisschen Down-Zeit"
"Da kommt noch bisschen Down-Zeit"

Frage: Geht es jetzt also wieder zurück ins Saarland?

Steenbock: "Genau, wir fahren heute Abend. Es ist der Plan, dass wir in Richtung Dresden fahren und dort übernachten. Das wird wahrscheinlich sehr spät werden und morgen dann die Rückfahrt. Und dann dorthin, wo die Leute hin möchten. Es kann sein, dass sie nach Dresden möchten, nach Frankfurt, Luxemburg und Region - oder ins Saarland. Wir werden sehen, dass wir auch dementsprechend die Wünsche erfüllen können."

Frage: Sie waren ja schon einmal dort. Gibt es Unterschiede zu vor vier Wochen? Wie ist es mit der Grundstimmung?

Steenbock: "Die Grundstimmung ist ähnlich positiv, wie sie auch vor vier Wochen schon war. Es ist besser organisiert. Es ist besser ausgeschildert, wie man dort hinkommt. Zudem sind viele Ansprechpartner dort. Wenn man das vielleicht negativ beurteilen möchte, dann macht es den Eindruck, als würde man sich auf längere Zeiträume einstellen. Da kommt noch bisschen Down-Zeit."

Das Interview führte Simin Sadgehi.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 02.04.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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