Aufgehängte Kleider in einer Kita (Foto: dpa/arifoto/UG/ZB)

Seit drei Jahren ohne Behindertentoilette

mit Informationen von Matthias Braun   20.11.2019 | 16:25 Uhr

Eine Kinderstagesstätte mit Inklusionsangebot betreiben, ohne dass alle Umbaumaßnahmen abgeschlosssen sind, das ist seit mittlerweile drei Jahren Alltag einer Saarbrücker Kita - und wird es wohl vorerst auch bleiben.

Seit drei Jahren gibt es in der Kita Biber der Lebenshilfe Saarbrücken ein inklusives Betreuungsangebot. Das Landesamt für Soziales übernimmt die Kosten der inklusiven Kita-Plätze. Mittlerweile sind es zwölf Kinder mit Behinderung - sieben davon im Rollstuhl. Doch nicht alle Umbauten für deren Bedürfnisse sind abgeschlossen. Es fehlten bis heute eine Behindertentoilette, barrierefreie Zugänge zur Küche und zum Außengelände sowie genügend Therapieräume, beklagt der Elternausschuss der Kita.

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Inklusionskita seit drei Jahren ohne Behindertentoilette
Audio [SR 3, Matthias Braun, 20.11.2019, Länge: 03:03 Min.]
Inklusionskita seit drei Jahren ohne Behindertentoilette

"Intimsphäre schon sehr gestört"

Besonders belastend sei die Toilettensituation, beklagt eine Mutter: "Da sind zum Beispiel Kinder dabei, die katheterisiert werden müssen. Und die werden dann in dem Gemeinschaftsbad katheterisiert - und bekommen dort im Intimbereich diese Tätigkeit gemacht. Jedes andere Kind, was dort reingeht, um auf Toilette zu gehen oder die Hände zu waschen, sieht dann dieses Kind, sodass die Intimsphäre schon sehr gestört ist."

Geschäftsführung: Räume erfüllen Voraussetzungen

Die vorhandenden Räumlichkeiten erfüllten alle notwendigen Voraussetzungen für den Betrieb der inklusiven Kita, entgegnet hingegen der Geschäftsführer der Lebenshilfe Saarbrücken Thomas Trenz: Schließlich gebe es einen barrierefreien Zugang zur Kita, einen Fahrstuhl sowie multifunktional nutzbare Räume.

Fertigstellung wohl nicht vor 2021

Beim Landesamt für Soziales sieht man sich nicht in der Verantwortung, aktiv werden zu müssen. Auf SR-Anfrage teilt das zuständige Sozialministerium mit, dass es in den Verträgen keinerlei Fristen zum Umbau gebe, da die notwendigen Entscheidungsprozesse zeitlich schwierig einzuschätzen seien.

Trenz betont ebenfalls, wie komplex die Finanzierung eines solchen Umbaus sei: Unterschiedliche Ministerien und Bundesmittel müssten in einem Projekt zusammengeführt werden. Man wolle nun eine Überarbeitung der Architektenplanung vornehmen lassen, so Trenz. Er hoffe auf einen Abschluss der Umbauarbeiten im Jahr 2021. Sollte das klappen, hätte eine baulich nicht komplett behindertengerechte Kita trotzdem fünf ganze Jahre lang behinderte Kinder betreut. Für Trenz ist das nicht ideal, aber durchaus möglich.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" vom 20.11.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.

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