Junger Mann hilft einer Heimbewohnerin beim Einnehmen der Mahlzeit (Foto: picture alliance / dpa / Friso Gentsch)

Soziales Pflichtjahr nach der Schule?

Steffani Balle und Patrick Wiermer / Onlinefassung: Jil Kalmes   02.05.2022 | 09:00 Uhr

Seit dem Ukraine-Krieg und der Corona-Pandemie wird wieder vermehrt über eine Rückkehr zur Wehrpflicht und die Einführung eines verpflichtenden sozialen Jahres nach der Schule diskutiert. Doch welche Pro und Contra Argumente gibt es für ein soziales Pflichtjahr? Steffani Balle und Patrick Wiermer von SR 3 erklären ihre Sichtweise.

Laut einer aktuellen Umfrage des Hamburger Opaschowski Instituts für Zukunftsforschung befürworten 66 Prozent der Befragten die Einführung eines sozialen Pflichtjahres nach Beendigung der Schulzeit. 2019 waren es nur 37 Prozent.

Die Idee, mit einem soziales Pflichtjahr den gesellschaftlichen Zusammenhang zu stärken, findet besonders bei Jugendlichen Anklang. Bei den 14 bis 24-Jährigen ist die Zahl der Befürworter von 22 auf 59 Prozent gestiegen – also fast eine Verdreifachung.

Sollte ein soziales Pflichtjahr also eingeführt werden. Dazu eine Pro und Contra.

Pro soziales Pflichtjahr

Steffani Balle (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Steffani Balle

Manchmal müssen unsere Kids zum Glück gezwungen werden. Nach durchgetakteter Schulzeit bis zum Abschluss oder Abi in acht Gymnasial-Jahren und voll verplanter Freizeit werden sie ansonsten entweder ins Lehrlings-Korsett oder ins Bachelor-Turbo-Studium mit festgelegtem Lehrplan und Vollzeit-Auslastung gedrängt. Wo bitte bleibt Zeit, sich mal umzuschauen, was sonst noch los ist auf dem Globus?

Ein Jahr in der Entwicklungshilfe eine fremde Kultur kennenlernen, den Kindheitstraum als Feuerwehrmann erleben, beim Rettungsdienst Einblicke in medizinische Ersthilfe bekommen oder in einer sozialen Einrichtung pflegen und kümmern lernen – wann geht das besser als nach der Schule, wenn noch alle Wege offen sind? Vielleicht findet der eine oder die andere ja auch Erfüllung darin, anderen zu helfen.

Ein soziales Jahr kostet nichts anderes als Zeit – und ist möglicherweise entscheidend für ein Umdenken, das für den Einzelnen eine ganz neue Lebensplanung bringen kann - was im besten Fall dann allen zugute kommt.

In jedem Fall aber erweitert dieser Blick über den Tellerrand den Horizont unserer halb erwachsenen Mädchen und Jungen. Deshalb ein ganz eindeutiges „Ja“ zum sozialen Jahr für unsere Jugendlichen.

Contra soziales Pflichtjahr

Patrick Wiermer (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Patrick Wiermer

Wir leben ja in Zeiten, in denen aus Mangel an neuen Ideen gerne mal wieder die Alten ausgegraben werden. Neben der Wehrpflicht, nun passend dazu auch wieder das soziale Pflichtjahr.

Es ist sehr positiv zu bewerten, dass sich junge Menschen stärker engagieren wollen, sie Hilfsbereitschaft und Solidarität als wichtige Werte erkennen. Das legen Studien und Umfragen nahe. Doch diese Werte sollten auch weiter von Freiwilligkeit bestimmt sein. Denn nur wer erkennt und davon überzeugt ist, einen sinnvollen Beitrag zu leisten, wird dies auch tun. Darauf kommt es gerade im sozialen, im pflegerischen Bereich, besonders an. Ein Pflicht wäre da eben nur eine Pflicht.

Eine Pflicht bringt zudem die Gefahr, dass so gewonnene Helfer unter dem Deckmantel des sozialen Engagements als Lückenbüßer eingesetzt werden. Man möge da mal ehemalige Zivis aus der Altenpflege oder aus den Krankenhäuser fragen, wie oft sie tatsächlich Arbeiten der völlig überlasteten Vollzeit-Kräfte übernehmen mussten, obwohl dies eigentlich nicht vorgesehen war.

Die Gefahr ist real, dass die Pflicht-Kräfte so vor allem zum günstigen Allheilmittel etwa für den Pflegenotstand werden. So verschließt man sich dem eigentlichen Problem: Gute Arbeitsbedingungen in diesen Bereichen zu schaffen. Dabei hätte auch das hat etwas mit Solidarität zu tun.

Wie denken die Mensch im Saarland über ein soziales Pflichtjahr?

Soziales Pflichtjahr: Was halten die Menschen im Saarland davon?
Audio [SR 3, Unfrage: Marc-André Kruppa, 02.05.2022, Länge: 01:18 Min.]
Soziales Pflichtjahr: Was halten die Menschen im Saarland davon?

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 02.05.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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