Hausarztpraxis (Foto: dpa)

Trotz Krankenschein kein Krankengeld

Emil Mura   31.07.2020 | 12:45 Uhr

Wenn man aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann, wird man von seinem Arzt krank geschrieben. In den ersten Wochen bezahlt der Arbeitgeber weiter den Lohn, dann springt die Krankenkasse ein - bis zu 18 Monate lang in drei Jahren. Nicht so im Fall einer Hörerin. Sie hatte Anfang April eine Knieoperation und obwohl sie von ihrem Arzt immer noch arbeitsunfähig geschrieben ist, zahlt ihr die Krankenkasse seit Juni kein Geld mehr.

Trotz Krankenschein kein Krankengeld
Audio [SR 3, Emil Mura, 31.07.2020, Länge: 03:10 Min.]
Trotz Krankenschein kein Krankengeld

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Die 63-Jährige Ruzica B. arbeitet als Servicekraft in einem Hotel. Das heißt: Viele Stunden laufen und stehen. Anfang April 2020 musste sie sich einer Miniskus-Operation unterziehen. Doch die Operation brachte nicht wirklich eine Verbesserung. Sie hat immer noch so starke Schmerzen im Knie. "Der Arzt hat mir 800er Ibuprofen verschrieben. Das muss ich nehmen, ohne die kann ich nicht einschlafen", sagt sie.

Kasse beruft sich auf Medizinischen Dienst

Arbeiten ist für sie zurzeit undenkbar. Das sieht auch ihr Arzt so. Nicht jedoch ihre Krankenkasse, die AOK. Die Kasse stellte die Krankengeldzahlung im Juni ein obwohl ihr Arzt sie weiter arbeitsunfähig geschrieben hat. Die AOK zweifelt offenbar an der Arbeitsunfähigkeit von Ruzica B. und beruft sich auf ein Gutachten des Medizinischen Dienstes. Der Medizinische Dienst hat die Aufgabe, bei Krankheitsfällen mit längerer Dauer als unabhängiger Dritter eine Diagnose zu stellen.

Dazu teilt die AOK schriftlich mit:
"Der MDK kam in seiner Stellungnahme zu dem Ergebnis, dass die Arbeitsunfähigkeit noch für zwei Wochen nachvollziehbar sei. Auf Grundlage dieser Beurteilung haben wir Frau B. per Bescheid mitgeteilt, dass die Krankengeldzahlung über die zwei Wochen hinaus nicht möglich sind."

Wegen der Coronakrise hat der Medizinische Dienst Ruzica B.s Knie aber nie persönlich begutachtet. Auf erneute Anfrage beruft sich die AOK auf Befunde des Medizinischen Dienstes. Der stellt auf Nachfrage allerdings klar: Er habe nie einen abschließenden Befund erstellt, sondern der Krankenkasse empfohlen, das Knie erneut zu begutachten. Das ist bis heute allerdings nicht passiert.

Von der Krankenkasse im Stich gelassen

Zurzeit läuft ein Widerspruchsverfahren gegen die Krankenkasse. Ob Ruzica B. ihr Geld bekommt, ist jedoch unklar. Bis das Verfahren abgeschlossen ist, fehlen ihr monatlich 700 Euro -und das trotz gültiger Krankschreibung. Sie fühlt sich von ihrer Krankenkasse im Stich gelassen.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 31.07.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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