Symbol Transgender (Foto: pixabay / Tumisu)

"Keine Schuldgefühle, nicht wegreden, einfach lassen"

Kolleginnengespräch Carmen Bachmann / Steffi Schlutter   07.04.2021 | 09:57 Uhr

Manche Jugendliche wissen oder fühlen schon sehr früh, dass sie im "falschen" Körper sind. Wenn sie den Mut aufbringen, es ihren Eltern zu erzählen, wissen viele nicht, wie sie damit umgehen sollen. Carmen Bachmann überlegt im Gespräch mit Steffi Schlutter, wie Eltern reagieren können und was das für die Kinder und Jugendlichen bedeutet.

"Ernst nehmen, nicht wegreden, keine Schuldgefühle, einfach lassen"
Audio [SR 3, Carmen Bachmann / Steffi Schlutter, 07.04.2021, Länge: 03:53 Min.]
"Ernst nehmen, nicht wegreden, keine Schuldgefühle, einfach lassen"

Transgender sind Menschen, deren körperliches Geschlecht zeitweise oder auch dauerhaft nicht mit dem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Beispiel: Jemand wird als Junge geboren, fühlt sich aber als Mädchen. Das ist dann ein Trans-Mädchen und später eine Transfrau. Umgekehrt fühlt sich ein Mädchen männlich und bezeichnet sich dann als Trans-Junge bzw. Transmann.

Das Thema erlebt derzeit eine Enttabuisierung. Deswegen trauen sich auch immer mehr junge Menschen, von ihrer Transidentität zu sprechen, das auch zu leben und diesen schweren Weg zu gehen.

In der Pubertät suchen Jugendliche nach ihrer Identität. Wenn nun ein Kind in der Pubertät zu den Eltern kommt und sagt, es fühle sich im falschen Körper, meint Carmen Bachmann, was sei dann mit einer Hormontherapie? Sollte sich die Einschätzung am Ende als falsch herausstellen, sei ein Eingriff ja schon passiert.

"Ich mache alles dafür, dass ich glücklich bin"
Audio [SR 3, Steffi Schlutter, 07.04.2021, Länge: 02:02 Min.]
"Ich mache alles dafür, dass ich glücklich bin"
Es gibt Menschen, die schon als Kinder spüren, dass das, was man äußerlich sieht, für sie nicht richtig ist. In den vergangenen Jahren kommt es häufiger vor, dass Kinder sich schon früh als "Trans" outen. Im Saarland sind inzwischen 120 Kinder und Jugendliche in der Transgender-Sprechstunde in der Uni-Klinik in Homburg. Zwei von ihnen erzählen ihre Geschichte.

Transgender-Experten meinten dazu, so Steffi Schlutter, dass der Weg bis zur Hormontherapie sehr weit ist. Eltern sollten in so einem Fall dem Kind die Möglichkeit geben, die jeweils andere Identität mal zu leben. Einen andere Namen wählen. einfach mal ausprobieren lassen, ohne Schuldgefühle, und möglichst einen Psychotherapeuten suchen, der das Kind oder die Jugendlichen begleitet.

Im Saarland gibt es sechs Therapeuten, die sich mit diesem Thema schon gut befasst haben, die auch eine Art Qualitätszirkel bieten und wissen, wie die Behandlung aussieht. Ohnehin stehe vor einer Hormontherapie immer ein halbes Jahr Psychotherapie und ein zweites psychologisches Gutachten.

Wer sich dann für eine Hormontherapie entschieden habe, solle sich schon recht sicher sein. Einige Veränderungen, erklärt Steffi Schlutter, seien irreversibel. Bei Trans-Jungen wächst der Kehlkopf, die Stimme wird tiefer, und das bleibt dann auch so.

Aber nicht so leben zu können, wie man sei, bedeute eben auch, dass jemand krank werden könne, depressiv, bis hin zur Suizidgefahr. Das Wichtigste sei daher, dass die Kinder und Jugendlichen von den Eltern ernst genommen würden und angstfrei darüber reden könnten.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 07.04.2021 berichtet.

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