Das GuMo-Mobil in der Kaffeebohne bei Sabine Winkler (Foto: Simin Sadeghi)

Zwischen Schließung und Aufschwung

Markus Person/Onlinefassung: Corinna Kern   30.11.2022 | 12:30 Uhr

Der Einzelhandel hat nach dem ersten Adventswochenende eine positive Bilanz gezogen. Rosige Zeiten sind es jedoch nicht für alle: Einige inhabergeführte Geschäfte in Saarbrücken konnten sich von den letzten zwei Jahren Krise nicht erholen. Zwei Traditionsgeschäfte werden daher aus der Saarbrücker Innenstadt verschwinden. Doch es gibt auch positive Ausnahmen.

Bei Schlüssel Neisius am Sankt Johanner Markt in Saarbrücken sind die Schaufenster bereits zugeklebt, die Eingangstür ist verschlossen. Inhaber Patrick Escher ist mit seinem Team mitten in den Umzugsvorbereitungen. Fast 70 Jahre war Neisius in den Räumlichkeiten am Markt, nun wird der Betrieb nach Güdingen umziehen.

Standortbedingungen haben sich verändert

Im Laufe der Zeit hätten sich die Bedingungen am Sankt Johanner Markt verändert. Früher sei der Standort "sicherlich ein guter Ort" gewesen, so Inhaber Patrick Escher. Doch mittlerweile sei es nicht mehr sinnvoll, den Standort zu halten. Gründe für den Umzug gibt es mehrere. So seien die Parkbedingungen für die Zulieferer und die eigenen Mitarbeiter nicht mehr tragbar. Eine „riesige Rechnung“ müsse er am Ende des Jahres für seine fünf Mitarbeiter-Parkplätze bezahlen, sagt er. Hinzu kommen die hohen Mieten am Sankt Johanner Markt.

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Traditionsgeschäfte verschwinden aus Saarbrücker Stadtbild
Audio [SR 3, Markus Person, 30.11.2022, Länge: 03:13 Min.]
Traditionsgeschäfte verschwinden aus Saarbrücker Stadtbild

Da das Geschäft nicht auf Laufkundschaft angewiesen ist, glaubt Escher auch nicht, dass die Kunden dem neuen Standort in Güdingen nicht folgen werden. Dort seien nicht nur ausreichend, sondern auch kostenlose Parkplätze vorhanden.

Mangelndes Interesse an Schreibkultur

Zieht mit Schlüssel Neisius ein Traditionsgeschäft nur um, schließen bei „Papier und Feder“ die Ladentüren endgültig. Denn anders als Escher ist Schreibwarengeschäft-Inhaber Alexander Karla auf Laufkundschaft angewiesen. Seit den 50er Jahren gibt es das Geschäft, das Karla 2001 übernommen hatte.

Der fortschreitende Umsatzeinbruch durch mangelndes Interesse an der Schreibkultur und am Lesen seien Gründe für die Schließung, sagt er. Er stehe auch in direkter Konkurrenz zum Online-Handel, der sich seit 2010 immer weiter verstärkt habe.

Todesstoß Corona-Lockdown

Den Todesstoß hat „Papier und Feder“ der Corona-Lockdown verpasst. Die Miete habe trotz Lockdown weitergezahlt werden müssen. Ein Entgegenkommen der Eigentümer habe es, so Karla, nicht gegeben. Die laufenden Fixkosten trotz Ladenschließung und die fehlenden Umsätze hatten sich recht schnell angehäuft. „Das war ein Riesenproblem für uns“, so sein Fazit.

Den Verlust hätten auch die Fördergelder des Staates nicht auffangen können. Deshalb ist jetzt bald Schluss. Bis Januar oder Februar will Karla den Ausverkauf abgeschlossen haben. Dann verschwindet auch „Papier und Feder“ aus der Saarbrücker Innenstadt.

Positive Ausnahmen in der Innenstadt

Dass es auch positive Ausnahmen gibt, zeigt das inhabergeführte Traditionsgeschäft „Die Kaffeebohne“. Vor sechs Jahren hat Sabine Winkler das Geschäft übernommen, das es seit 1950 gibt. Ihr Geschäft brummt. Das Metier sei im Moment im Kommen. Kaffeeröstereien würden aus dem Boden sprießen, so Winkler. Das spiele dem Geschäft in die Karten.

Während des Lockdowns blieb „Die Kaffeebohne“ geöffnet. Umsatzeinbußen hatte Winkler deshalb nicht - eher im Gegenteil - die Leute haben sich was gegönnt. Am Konzept der Kaffeerösterei haben Winkler und ihr Team nichts geändert: „Kaffee, Tee, Süßwaren, ein bisschen erlesen, ein bisschen was anderes, was man nicht überall bekommt“. Das sei wieder beliebt und die Leute würden gerne mehr Geld ausgeben und dafür an anderen Stellen sparen.

Der befürchtete Umsatzeinbruch durch die vielen Krisen ist bisher ausgeblieben, sodass „Die Kaffeebohne“ als eines der wenigen inhabergeführten Traditionsgeschäfte den Saarbrückern erhalten bleibt.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 30.11.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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