Luftaufnahme Perl (Foto: SR)

Der Weg zum Eigenheim: ein Punktsystem für die Einheimischen

René Henkgen   21.03.2022 | 12:45 Uhr

Im Saarland sinkt die Zahl der Einwohner stetig. Allein von 1990 bis 2020 ging die Bevölkerungszahl um gut acht Prozent zurück. Einzig in der Gemeinde Perl sieht das ganz anders aus. Im gleichen Zeitraum ist dort die Bevölkerungszahl um gut 45 Prozent gestiegen. Und das bringt natürlich auch Probleme mit sich. Grundstücke und Häuser sind fast unbezahlbar geworden. Die Gemeinde hat sich deshalb ein neues Auswahlverfahren ausgedacht.

„Die Preise sind brutal“, sagt Matthias. Er und seine Verlobte Anne wohnen aktuell in einer Dachgeschosswohnung im Perler Ortsteil Besch. Dieses Jahr steht bei den beiden die Hochzeit an. Natürlich kommt da auch immer mehr der Gedanke und der Wunsch nach einem eigenen Haus. Sie hatten sich auf die Suche nach einem Haus oder einem Grundstück gemacht, doch "die Preise hier sind für uns aktuell fast nicht zu bezahlen“, sagt Matthias.

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Der Weg zum Eigenheim: ein Punktsytem für die Einheimischen
Audio [SR 3, René Henkgen, 21.03.2022, Länge: 02:55 Min.]
Der Weg zum Eigenheim: ein Punktsytem für die Einheimischen

Beispiel Oberperl

In Oberperl entstand ein kleines Baugebiet mit sechs neuen Grundstücken. Der Preis pro Quadratmeter: 260 Euro. Zum Vergleich: Im kompletten Saarland liegt der Durchschnittspreis pro Quadratmeter aktuell laut Statistischem Bundesamt bei knapp 107 Euro.

Alleine für die sechs Grundstücke in Oberperl gab es laut dem Perler Bürgermeister Ralf Uhlenbruch über 40 feste Bewerber. Wer die Grundstücke bekommt, wird nun das Los entscheiden. Dieses Prinzip soll jedoch nun abgeschafft werden.

Punktesystem statt Losverfahren

Es gebe schon einen entsprechenden beschlussreifen Entwurf, so der Bürgermeister. „Die Bürger, die hier wohnen, die im Ehrenamt tätig sind, die eine Arbeit in der Gemeinde ausführen, bekommen über ein Punktesystem Punkte. Dadurch haben sie dann größere Chancen auf ein Grundstück." Man möchte nämlich, dass die Bürgerinnen und Bürger in der Gemeinde auch ein Grundstück erhielten.

Die Hauptursache: die Luxemburger Preise

Das Problem mit den hohen Grundstückspreisen ist aber kein reines Perler Problem. Es herrsche an der ganzen Moselgrenze zu Luxemburg, sagt Bernd Kerpen. Er ist Mitglied im Perler Gemeinderat und Ortsvorsteher von Oberperl. Er sieht den Grund in den Immobilienpreisen auf der luxemburgischen Seite. Viele Luxemburger würden nach Deutschland ausweichen, "weil die Immobilienpreise in Luxemburg nochmal deutlich höher liegen als auf der deutschen Seite der Mosel." Die Lösung müsse deshalb aus Luxemburg kommen, sagt er.

"Wir alleine können diese Nachfrage nicht bedienen"

Natürlich sei man in Perl froh, dass es so viele Menschen aus aller Welt hierher zögen, "aber wir alleine können diese Nachfrage nicht bedienen", sagt er. "Ob wir jetzt morgen 50 Grundstücke oder 250 Grundstücke ausweisen, diese werden alle in kurzer Zeit verkauft. Irgendwo hat dieses Wachstum eine gewisse Grenze und irgendwo ist dieses Wachstum dann auch erreicht“.

Aktuell läuft die Suche nach neuen Baugebieten in der Perler Gemeinde aber noch. So gibt es laut Bürgermeister Uhlenbruch zum Beispiel in Perl und Oberleuken Gespräche über mögliche neue Baugebiete, die die Gemeinde dann auch wieder zu günstigeren Preisen anbieten möchte.

Und so gibt es für Matthias und Anne dann vielleicht doch noch Hoffnung auf ein bezahlbares Eigenheim an der Obermosel.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 21.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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