Taxis in einer Reihe (Foto: dpa)

Zu lang und zu teuer

Stephan Deppen   28.11.2018 | 16:49 Uhr

Immer wieder gibt es Beschwerden über zu lange und zu teure Taxifahrten. Doch was ist dran? Und wie gehen die Taxifahrer mit den Beschwerden um?

Goldene Bremm - Saarbrücken Hauptbahnhof - diese Route führt sicher nicht über Ensheim. Aber ein auswärtiger Taxi-Kunde berichtet über genau diese Fahrtstrecke in einem Saarbrücker Taxi.

Nicht akzeptabel, aber auch nicht die Regel, sagt Hartwig Schmidt vom Landesverband Verkehrsgewerbe: "Solche Klagen gibt es. Das ist bedauerlich. Das ist kein gutes Zeichen für das Taxigewerbe. Und das muss man auch scharf verurteilen."

1,90 Euro pro Kilometer

Der genehmigte Fahrpreis sieht derzeit so aus: "Es gibt einen Grundpreis von 3,50 Euro. Für die ersten 10 Kilometer 1,90 Euro, darüber hinaus 1,70 Euro pro Kilometer."

Zweiter Vorwurf: viele Taxifahrer verfügen über zu geringe Ortskenntnis, verlassen sich nur auf das Navigationsgerät, trotz einer Ortskenntnisprüfung, die Taxifahrer bestehen müssen. Auch hier muss Verbandssprecher Schmidt einräumen:

Bei der Vielzahl der Straßen kommt es natürlich vor, dass die Prüfung nicht alles abgedeckt hat. Das kann man nicht garantieren. Es sollte nicht so sein. Es ist Aufgabe des Taxiunternehmers, selbst dafür zu sorgen, dass der Fahrer die optimale Ortskenntnis mitbringt. Allerdings, das Personalproblem ist groß und da wird die eine oder andere Anforderung auf der Strecke geblieben sein.

Wie gut kennen die Taxifahrer die Route?

Auch unter Taxifahrer wird diskutiert, ob nicht die Prüfung abgeschafft und stattdessen grundsätzlich auf Navi umgestellt werden soll. Das hält Hartwig Schmidt für keine gute Idee:

„Ich halte es nicht für sinnvoll, weil Navigationsgeräte oft nur standardisierte Wege anzeigen und bei Abweichungen dann versagen. Also bei Stau und Unfällen kann es dann sein, dass das Navi dann keine entsprechende Lösung anbietet und dann die Fahrt nicht zum Erfolg führt.“

Branche im Umbruch

Die Branche ist im Umbruch: Auf dem Land besteht die Transportleistung zu 60 bis 80 Prozent aus fest gebuchten Krankenfahrten, einzig in den größeren Städten werden noch klassische Taxifahrten nachgefragt. Und die Unternehmen haben Probleme Fahrer zu finden: "Gerade für die Entlohnung auf dem Niveau des Mindestlohns ist es immer schwieriger, gutes und geeignetes Personal zu finden."

Derzeit laufen Verhandlungen mit dem Wirtschaftsministerium für eine leichte Erhöhung der Tarife - aber einfach die Fahrer deutlich besser bezahlen, das sei nicht umsetzbar, so Schmidt:

„Die wirtschaftliche Lage der Taxi-Unternehmen gibt das nicht her. Die Taxitarife sind limitiert. Und am Ende muss der Kunde zahlen. Und je höher die Tarife sind, desto unwahrscheinlicher ist es, dass wir die Kunden halten können.“

Die Kundschaft verändert sich

Aber nicht nur die Taxi-Branche ändert sich, auch die Kundschaft. Damit aber, so Schmidt, müsse ein Taxifahrer, ähnlich wie Busfahrer, irgendwie klarkommen: „Wir sind ein Dienstleister. Und wir müssen manchmal an die Schmerzgrenze gehen. Die Beförderungspflicht ist sehr weitgehend und lässt wenig Spielraum, auch mal Fahrten abzulehnen.“

Also: Im Zweifel die Ruhe bewahren und die Polizei rufen - aber auf keinen Fall einen renitenten Fahrgast an die Luft setzen.

Über dieses Thema wurde auch in der Region am Nachmittag am 27.11.2018 berichtet

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