"Tanzen gegen das Vergessen": Seniorinnen und Senioren tanzen in der Tanzschule Bootz Ohlmann in Saarbrücken (Foto: Lena Schmidtke/SR)

Mit Tanzen gegen das Vergessen trainieren

Lena Schmidtke / Onlinefassung: Axel Wagner   25.04.2022 | 11:25 Uhr

Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland 1,6 Millionen Menschen mit Demenz, täglich kommen etwa 900 Neuerkrankungen hinzu. Ein Heilmittel gibt es bislang nicht, wohl aber viele kleine Hilfsangebote für Betroffene. Dazu zählt der Tanznachmittag „Tanzen gegen das Vergessen“ in Saarbrücken.

Es ist eine bunte Mischung von Tänzen, die die Seniorinnen und Senioren an diesem Nachmittag im großen Saal der Tanzschule Bootz Ohlmann in Saarbrücken tanzen: Walzer, Rumba, Tango. Tanzlehrerin Alice de Grazia gibt Hilfestellung.

Gedächtnis reaktivieren

„Die Menschen denken nicht: Oh, was muss ich da jetzt lernen? Sondern sie machen einfach“, sagt Alice de Grazia und zeigt ein paar Tanzschritte. Bei denjenigen, die früher mal getanzt hätten "wird das Muskelgedächtnis wieder aktiviert, und die Schritte sind einfach wieder da.“

Mit Tanzen gegen das Vergessen trainieren
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 25.04.2022, Länge: 02:37 Min.]
Mit Tanzen gegen das Vergessen trainieren
Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland 1,6 Millionen Menschen mit Demenz, täglich kommen etwa 900 Neuerkrankungen hinzu. Ein Heilmittel gibt es bislang nicht, wohl aber viele kleine Hilfsangebote für Betroffene. Dazu zählt der Tanznachmittag „Tanzen gegen das Vergessen“ in Saarbrücken.

Deswegen ist das Motto des Tanznachmittags auch ganz passend: „Tanzen gegen das Vergessen“. Ins Leben gerufen haben die Veranstaltung die Malteser - die Tanzschule Bootz Ohlmann ist Kooperationspartner.

Offen für alle

Sabine Eis ist Standortkoordinatorin der Malteser-Demenzdienste in Saarbrücken. „Einfach beisammen zu sein, in der Gruppe etwas zu machen, sich zu bewegen – das ist für viele sehr, sehr gut.“

Deswegen ist der Tanznachmittag offen für alle und kostenlos, egal ob 60 oder 80 Jahre alt, egal ob an Demenz erkrankt oder nicht. Es geht um das Beisammensein und die Bewegung.

Auch Hilfe gegen Einsamkeit

„Ich merke, dass ich was gemacht habe, gerade an der Schulter“, sagt die 85-jährige Inge. „Das hat mir wirklich gut getan – besser als alleine zuhause zu sitzen.“

Sie macht eine kurze Verschnaufpause mit Kaffee und Kuchen. „Ich bin allein, bin einsam. Ich habe immer schon gerne getanzt. Ich käme jede Woche.“

Übungen auch für den Alltag

Derzeit findet das „Tanzen gegen das Vergessen“ nur am jeweils ersten Dienstag im Monat statt. Dann stehen neben Paartanz auch Tanzübungen im Sitzkreis auf dem zweieinhalbstündigen Programm.

Tanzlehrerin Alice de Grazia baut viele unterschiedliche Übungen ein, etwa Streckübungen, damit sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gerade halten. „Ich habe auch immer Übungen drin, bei denen wir die Hände schließen und wieder öffnen – eine super Übung bei Arthrose. Da können sie es schaffen, dass die Finger wieder lockerer werden. Das hilft also auch nachher im Alltag.“

„Wir sitzen alle im gleichen Boot“

Ein unterschwelliges Training also, das alle gemeinsam absolvieren. Hanne ist begeistert: „Das tut der Psyche gut, das ist das A und O, finde ich. Ob man das so richtig kann, das ist nicht so wichtig.“

Entscheidend ist für die Seniorin das Zusammensein, die Musik. „Wir sitzen alle im gleichen Boot ab einem gewissen Alter. Da muss man was draus machen.“

Über dieses Thema haben auch die Bunten Funkminuten auf SR3 vom 25.04.2022 berichtet.

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