Eine Pflegerin geht in einem Pflegeheim mit einer älteren Dame über einen Korridor. (Foto: Christoph Schmidt/dpa)

"Applaus allein reicht nicht"

Steffani Balle   12.05.2020 | 07:23 Uhr

Am Dienstag ist Tag der Pflege, wie jedes Jahr am Geburtstag von Florence Nightingale, am 12. Mai. Doch hatte man ursprünglich dieses Jahr 2020 zum Jahr der Pflege ausgerufen, gerät diese in Coronazeiten weiter unter Druck. Die Pflegekräfte fordern deshalb mehr Unterstützung. Die könnten auch die Menschen gebrauchen, die Angehörige zuhause pflegen. Die Tageseinrichtungen sind wegen der Coronakrise geschlossen und die tägliche Belastung ist dadurch noch höher.

"Finanzierung von Krankenhäusern muss überdacht werden"
Audio [SR 3, (c) SR/Nadine Thielen, 12.05.2020, Länge: 03:04 Min.]
"Finanzierung von Krankenhäusern muss überdacht werden"

„Applaus alleine reicht nicht. Wir fordern eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte, mehr Personal in den Einrichtungen und bei der Weiterbildung eine klare Verantwortung der Arbeitgeber“, sagt Beatrice Zeiger, Geschäftsführerin der Arbeitskammer.

Pflegekräfte haben am Dienstagmittag vor der Saarbrücker Staatskanzlei demonstriert. Am "Tag der Pflegenden" hat die Gewerkschaft Verdi zu der Kundgebung aufgerufen. Sie fordert, dass Pflegekräfte entlastet werden und ihre Arbeit aufgewertet wird. Konkret spricht sich Verdi unter anderem für eine Sonderprämie von 1500 Euro aus. Weitere Aktionen sind an der Uni-Klinik Homburg, im Klinikum Saarbrücken und bei der Arbeiterwohlfahrt im Saarland angekündigt. Auch in Rheinland-Pfalz finden Kundgebungen statt.

Tag der Pflege
Verdi-Kundgebung für Entlastung in der Pflege
Am heutigen Internationalen Tag der Pflegenden will Verdi der Forderung nach Aufwertung und Entlastung in der Pflege Nachdruck verleihen. Dazu hat die Gewerkschaft zu einer Kundgebung in Saarbrücken aufgerufen.

Pflege zuhause in Zeiten von Corona

Rentner mit seiner demenzkranken Frau (Foto: dpa)
Hans Jentzsch (76) sitzt im Wohnzimmer seines Hauses im brandenburgischen Schönow (Landkreis Barnim) neben seiner demenzkranken Frau Johanna, aufgenommen am 23.05.2006.

Die Pflege von Angehörigen in Zeiten von Corona
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 12.05.2020, Länge: 03:08 Min.]
Die Pflege von Angehörigen in Zeiten von Corona
Melitta Daschner ist nicht nur die Behindertenbeauftragte der Stadt Ottweiler, sondern sie kümmert sich auch zuhause um ihre an Demenz erkrankte Mutter. Im SR-Interview erzählt sie, wie das Leben mit einem pflegebedürftigen Demenzkranken in der aktuellen Corona-Krise ist und wie sie als Behindertebeauftragte die geltenden Maßnahmen beurteilt.

Rund 10.000 Pflegebedürftige im Saarland werden zu Hause versorgt. Entlastung für die pflegenden Angehörigen bieten Tages- Pflege- Einrichtungen, aber die sind wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Bis mindestens September werde es wohl keine Tagesbetreuung für Pflegebedürftige geben, sagt der Leiter der Demenz-Fachstelle des Saarlandes Andreas Sauder. Zu groß ist die Verbreitungsgefahr des Virus, gerade in der vulnerablen Gruppe der Älteren, Gebrechlichen. Bis September stehen die Tagespflege-Einrichtungen unter dem staatlichen Rettungsschirm für Pflege-Einrichtungen. Aber wenn es bis dahin keinen Impfstoff gibt, sieht Sauder wenig Chancen auf baldige Wiederöffnung der Tages-Einrichtungen.

Eine Katastrophe, findet der Vorsitzende des Sozialverbands VdK, Armin Lang. So seien die Pflegebedürftigen völlig isoliert, hätten keinerlei Abwechslung oder Sozialkontakte. Für die pflegenden Angehörigen bedeute es großen Stress, weil keinerlei Spielraum mehr vorhanden sei. Und sei es nur, um einkaufen zu gehen. Er fordert deshalb flächendeckende Antikörper-Tests auch in der ambulanten Pflege. Nur so gebe es überhaupt die Möglichkeit, eine Wiederöffnung der Tagespflege Schritt für Schritt wieder ins Auge zu fassen.

Über dieses Thema wurde auch in "Guten Morgen" und der "Region " am12.05.2020 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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