Schon wieder zu spät ... (Foto: Pixabay / Unsplash)

Gedanken über das Zupätkommen

Kerstin Gallmeyer   30.07.2018 | 09:45 Uhr

Für viele Menschen ist Pünktlichkeit oberstes Gebot! SR 3-Reporterin Kerstin Gallmeyer bekommt da ein schlechtes Gewissen, denn bei ihr ist das ein bisschen anders. Eine kleine Selbstkritik zum "Tag des Zuspätkommens".

Kerstin Gallmeyer (Foto: SR) (Foto: SR 1)
Kerstin Gallmeyer

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Als Kind der 80er hat sich dieser bedeutungsschwere Spruch irgendwie in meinen Kopf eingebrannt. Egal ob Gorbatschow ihn nun wirklich gesagt hat oder nicht: Erziehungsberechtigte landauf und landab waren sicher sehr dankbar für so eine weise Formel. Ich muss zugeben: Mich hat sie nie geschreckt. Auch wenn ich aus dem preußisch geprägten Norden komme und Pünktlichkeit im Blut haben müsste.

Das Gegenteil ist der Fall: Ich bin eine notorische Zuspätkommerin. Zumindest früher. In meiner Schulzeit war der Unterricht für mich grundsätzlich kürzer: Latein in der Nullten Stunde, das hieß um 7.25 Uhr - für mich meistens gegen 7.30 Uhr. Verabredungen in der Stadt, oft mal zehn Minuten zu spät. Die Bahn, der Bus, ja, ups, das Fahrrad verpasst, ähh, naja. Verziehen haben es mir zum Glück alle! Aber klar: Ein feiner Zug gegenüber meinen Freunden und Lehrern war das nicht.

Mein Vater kann dagegen sicher an einer Hand abzählen, wie oft er in seinem Leben zu einer Verabredung zu spät gekommen ist. Er gehört zu denen, die sich auch zum Zug oder zum Flughafen eine für mich übertriebene halbe Stunde zu früh auf den Weg machen. 30 Minuten, in denen man zu Hause noch gemütlich einen Kaffee trinken, schnell die fehlenden letzten Sachen zusammen suchen oder sogar noch sehr sinnvolle Dinge anstellen kann, anstatt sich die Beine am Bahnsteig in den Bauch zu stehen. 

Die Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige, hat ein französischer Regent mal gesagt. Und natürlich ist es nicht höflich, unpünktlich zu sein. Aber: Es ist nicht, dass mir die Zeit der anderen egal ist. Auf keinen Fall. War es nie. Ich habe, so banal es klingt, einfach den Weg nicht mit einberechnet, also die Zeit, die ich benötige, um von A nach B zu kommen. Beziehungsweise wohl gedacht, ich kann fliegen.

Mittlerweile habe ich begriffen: Ich kann nicht fliegen. Und habe mich gebessert. Kann jetzt deutlich realistischer Weglängen und die Zeit, die ich dafür brauche, einschätzen. Allerdings: Es gibt ja auch Länder, in denen zu spät kommen gern gesehen ist: In Frankreich, das Land mit den höflichen Königen zum Beispiel. Sind Sie dort zum Essen bei jemandem zu Haus eingeladen, ist Pünktlichsein auf die Minute verpönt. Klassischerweise steckt der Gastgeber oder die Gastgeberin zum verabredeten Zeitpunkt noch mitten in den Vorbereitungen des Diners. Für mich gar kein Problem: Ich kann mich jederzeit wieder umstellen.

Über dieses Thema wurde auch in den "Bunten Funkminuten" am 30.07.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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