Am 2. Juni ist Tag der Organspende (Foto: Pixabay/PublicDOmainPictures)

Tag der Organspende

Steffani Balle   02.06.2018 | 09:25 Uhr

Am 2. Juni 2018 fand in Saarbrücken der von der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) veranstaltete Tag der Organspende statt. Er gab Interessierten und auch Betroffenen die Gelegenheit, sich über alles rund um Organspende und -Transplantation zu informieren. Denn: Es gibt immer noch zu wenige Spender.

Derzeit stehen bei der Stiftung Euro-Transplant 13.000 Menschen auf der Warteliste für ein Spender-Organ - davon allein 10.000 aus Deutschland und rund 100 aus dem Saarland. Die Spende-Bereitsachaft aber nimmt ab: Voriges Jahr haben sich deutschlandweit weniger als 800 Menschen, beziehungsweise deren Angehörige, zu einer Organspende bereit erklärt, 16 davon aus dem Saarland.

Woher kommt der Organmangel?

Tag der Organspende: Wo kommen die Spender-Organe her?
Audio [SR 3, Steffani Balle, 02.06.2018, Länge: 02:43 Min.]
Tag der Organspende: Wo kommen die Spender-Organe her?

Hauptsächlich seien es Ängste, die dafür sorgten, dass sich so wenige Menschen aktiv für einen Organspende- Ausweis entscheiden, sagt Gesundheitsministerin Monika Bachmann. Der Ausweis sei das wirklich schnellste und einfachste Mittel, nach dem Willen des Verstorbenen zu handeln. Denn oft sehen sich in der Trauersituation Angehörige unter Druck gesetzt, wenn sie eine Entscheidung für oder wider eine Organentnahme treffen müssen.

Gäbe es, wie in anderen europäischen Ländern, die Widerspruchs- Regelung, wäre das ganz einfach, sagt Rigmar Osterkamp vom Verein "Gegen den Tod auf der Organ- Warteliste“. Das bedeutet: Wer nicht widerspricht ist automatisch Spender. Die Gesellschaft in Deutschland sei aber noch nicht so weit, dieses Verfahren, wie es beispielsweise die Niederlande anwenden, umzusetzen, sagt Ana Paula Barreiros, Vorsitzende der Region Mitte der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Deshalb müsse man, so Barreirors, eine Kultur für Organspende schaffen.

Wie kommt das Organ zum Empfänger?

Vom Unfallplatz mit Blaulicht direkt zur Organentnahme - das sind Bilder, wie man sie oft beim Thema Organspende assoziiert. Was viele nicht wissen: Wer am Unfallort verstirbt, kann kein Organspender sein - zumindest nicht in Deutschland. Denn: In Deutschleund dürfen Organe nur beim Hirntod transplantiert werden. Die meisten Unfallopfer kämen durch einen Herzkreislauf-Stillstand ums Leben, erklärt Barreiros.

Organprüfung
Eine Organentnahme läuft also viel sachlicher und ruhiger ab, während der Körper des am Hirntod Verstorbenen weiter beatmet und untersucht wird : Hat er eine Infektion, die einem möglichen Organ- Empfänger schädigen könnte? Sind Herz, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse oder Dünndarm funktionsfähig? - Hirntot bei laufendem Herz- Kreislauf- System, das sind lediglich rund drei Prozent aller Menschen, die im Krankenhaus sterben. Auch gebe es weniger Spenderorgane, da Hirnblutungen immer schneller erkannt würden und damit seltener zum Tod führten, sagt Urban Sester, Leiter des Transplantationszentrums an der Uniklinik Homburg.

Angehörige oder Spendenausweis
Ist der Hirntod festgestellt, muss die Einverständniserklärung der Angehörigen eingeholt werden. Oder: Der Verstorbene hat einen Organspende- Ausweis

Empfängersuche
Wenn das alles geregelt ist, werden die medizinischen Befunde an die Stiftung Eurotransplant weitergeleitet. Diese Stiftung ist für die Zuordnung der Organe an passende Empfänger zuständig. Die nationalen Koordinierungsstellen wissen lediglich, in welchem Transplantationszentrum sich die Organe befinden.

Sind Organ und Empfänger gefunden, muss es schnell gehen. Während die potentiellen Empfänger informiert werden, es ist so weit: Ein passendes Organ ist gefunden, damit die sich in die Klinik zur OP begeben, werden die Organe schnellst möglich und wenn es sein muss per Hubschrauber, an ihren Bestimmungsort gebracht. Eine Implantation eines Herzens muss dann beispielsweise innerhalb von vier Stunden erfolgen.

Mehr zum Thema

Tag der Organspende
Der Wunsch nach geschenktem Leben
Aktuell warten im Saarland rund 100 Menschen auf ein Spenderorgan. Für die meisten von ihnen ist eine Transplantation die einzige Möglichkeit auf ein Weiterleben. Aber wer entscheidet, wer zuerst ein Spenderorgan bekommt? Und welches Organ wird am häufigsten benötigt? Hier kommen Fakten rund um das Thema Organspende.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Bunte Funkminuten" am 02.06.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

Artikel mit anderen teilen