Comeback der Krawatte (Foto: SR)

Zur Geschichte eines geschlungenen Stoffstücks

Jan Henrich   18.10.2021 | 09:00 Uhr

Legt man ein Foto der Bundesregierung aus den 50er Jahren neben ein Foto der aktuellen Ampel-Mannschaft, SPD, Grüne, FDP, dann fällt bei den Männern von damals auf, dass die alle ganz brav und traditionell eine Krawatte tragen. Doch die Bedeutung der Krawatte scheint sich zu ändern.

Olaf Scholz im Polohemd. Robert Habeck mit Jeans und Sakko. Christian Lindner aufgeknöpft. Und selbst Volker Wissing - zwar mit Anzug, aber ohne Schlips.

Die Krawatte und die Politik
Audio [SR 3, Jan Henrich, 18.10.2021, Länge: 02:32 Min.]
Die Krawatte und die Politik

Die höchsten Granden deutscher Politik, die die nächste Bundesregierung bilden wollen, folgen modisch dem flapsigen Stil eines Silicon-Valley Start-Ups. Noch vor wenigen Jahren wäre das unvorstellbar gewesen.

Gerhard Schröder, der erste Politiker, der es 1981 wagte, im Bundestag ohne Krawatte zu reden, hatte damit sogar noch einen handfesten Streit entfacht.

Krawatten und Politik, das hatte eigentlich immer zusammen gepasst. Bereits die Ursprungsgeschichte des Halsbinders ist mit den Mächtigen verbunden.

Es begann mit einem Halstuch

Einer Version nach hatte der französische König Ludwig XIV die kleidsamen Stoffstücke populär gemacht, nachdem er bei einer Parade ein kroatisches Reiterregiment mit gebunden Halstüchern gesehen hatte.

Form und Knoten haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Doch seit dieser Zeit sind die gebundenen Tücher an den Schnittstellen der Macht zuhause. Sie gelten als Statussymbol, verkörpern Seriosität und sie sorgen für Gesprächsstoff in einer, seien wir ehrlich, ansonsten eher langweiligen Modewelt männlicher Politiker.

Doch gerade in den letzten Jahren scheint das Stück Stoff klammheimlich an Bedeutung zu verlieren. So auch im saarländischen Landesparlament. Da ist der entblößte Männerhals nicht mehr Ausnahme, sondern mittlerweile Normalität. Die Ansichten darüber sind unter den Abgeordneten allerdings geteilt.

Und in den Medien?

Joachim Weyand und die "K-Frage"
Audio [SR 3, Jan Henrich, 18.10.2021, Länge: 01:27 Min.]
Joachim Weyand und die "K-Frage"
SR 3-Reporter Jan Henrichhat mal bei Joachim Weyand nachgefragt, dem Mann des "Aktuellen Berichts" im SR-Fernsehen, wie er es mit der "K-Frage" hält.

Die Langbinder verabschieden sich so langsam aus der Politik. Da ist es nur passend, wenn auch die, die darüber berichten so langsam den Schlips an den Nagel hängen. So wie Tagesschau-Moderator Jan Hofer, der in seiner letzten Sendung demonstrativ die Krawatte ablegt. „Für mich aber heute heißt es zum letzten Mal 'Guten Abend meine Damen und Herren'. Machen sie es gut.“

Ein Thema in "Guten Morgen" am 18.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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