Stroke Unit Zimmer (Foto: Steffani Balle)

Beim Schlaganfall zählt jede Minute

Thomas Braun   25.10.2018 | 12:30 Uhr

Schlaganfall – eine Diagnose, die spätestens seit dem plötzlichen Tod von Roger Cicero in aller Munde ist. Plötzliche Sprachstörung, Lähmungserscheinungen, Ohnmacht - Alarmzeichen, die dringend in spezialisierten Fachstationen, den sogenannten Stroke-Units, abgeklärt werden sollten. Diese gibt es im Saarland flächendeckend. Die Stroke-Unit-Station im Saarbrücker Winterberg-Klinikum gibt es bereits seit 20 Jahren.

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Der lange Weg in eine Klinik
Audio [SR 3, Renate Wanninger, 25.10.2018, Länge: 03:13 Min.]
Der lange Weg in eine Klinik
SR-Reporterin Renate Wanninger mit einem Fall aus Saarbrücken, bei dem eine Schlaganfallpatientin erst nach einer einstündigen Odysse mit dem Krankenwagen in einer Klinik in Neunkirchen Hilfe fand.

Etwa jeder 15. Todesfall in Deutschland ist auf einen Schlaganfall zurückzuführen. Damit gehört der Hirnschlag zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Bei der Behandlung zählt jede Minute, denn auch wenn ein Patient den Hirnschlag überlebt, ist das Gehirn oft irreparabel geschädigt. Die beste Behandlung versprechen spezialisierte Schlaganfall-Stationen.

Symptome

Die Symptome für einen Hirnschlag können sehr unterschiedlich sein: Schwindel, Verwirrtheit, Lähmungen, Sprachstörungen und Sehstörungen – je nachdem, welcher Teil des Gehirns durch den Schlaganfall nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. In jeder Minute sterben rund 1,9 Millionen Nervenzellen. Stück für Stück werden wichtige Areale des Hirns zerstört.

Hintergrund: Stroke Unit

Dauert es bis zur Behandlung zu lange, ist der Schaden im Gehirn nicht mehr zu beheben. Deshalb sollte der Patient schnellstmöglich in ein Krankenhaus gebracht werden, nach Möglichkeit in eines mit einer Spezialstation für Schlaganfälle, sogenannte "Stroke Units".

Dort wird im Idealfall direkt nach der Einlieferung mittels Computertomographie oder Kernspintomographie eine Aufnahme des Gehirns gemacht, um die Ursache und den genauen Ort des Schlaganfalls zu identifizieren. Denn Schlaganfall ist nicht gleich Schlaganfall – und die schnelle Wahl der richtigen Behandlungsmethode kann über Leben und Tod entscheiden.

Gefäßverstopfung oder Hirnblutung?

Die meisten Schlaganfälle werden durch ein Blutgerinnsel im Kopf ausgelöst. Hier ist das oberste Ziel, den Verschluss möglichst rasch aufzulösen. Gängige Behandlung ist dabei eine systemische Thrombolyse, bei der, vereinfacht gesagt, das Blut im gesamten Körper mit einem Medikament verdünnt wird. Diese Behandlung ist nach Angaben der Deutschen Schlaganfallgesellschaft aber nur innerhalb der ersten drei bis viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Symptome erfolgversprechend.

Bis zu sechs Stunden nach dem Infarkt ist unter Umständen auch eine lokale Thrombolyse möglich: Dafür wird der Blutverdünner mit Hilfe eines Katheters in einem Blutgefäß möglichst nah am Infarkt-Herd verabreicht. Außerdem kann der Blutpropfen zusätzlich operativ entfernt werden – eine Methode, die Thrombektomie genannt wird und gerade in jüngerer Zeit zunehmend zum Einsatz kommt.

Bei jedem fünften Patienten wird der Schlaganfall nicht von einem Infarkt ausgelöst, sondern von einer Hirnblutung. Bei solch einem sogenannten hämorrhagischen Schlaganfall dürfen keinesfalls Blutverdünner verabreicht werden. Dies könnte die Blutung noch verschlimmern. Sie muss operativ gestillt werden.

Schlaganfall-Risiko steigt im Rentenalter

Der Schlaganfall ist grundsätzlich keine reine Alterskrankheit, sondern kann auch Säuglinge und junge Menschen treffen. Das Risiko steigt mit dem Alter aber deutlich an. Weitere Risikofaktoren sind Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzleiden, Vorhofflimmern und Diabetes mellitus. Auch Rauchen, Übergewicht und hohe Cholesterinwerte begünstigen einen Hirnschlag.

Sterberate in 30 Jahren mehr als halbiert

Das Risiko, an einem Schlaganfall zu sterben, hat sich in den vergangenen 30 Jahren mehr als halbiert, unter anderem, weil mittlerweile einige der Hauptrisikofaktoren wie Bluthochdruck und Vorhofflimmern besser unter Kontrolle sind.

Eine wichtige Rolle spielt sicherlich auch, dass die Notfallversorgung seit den 1990ern verbessert wurde: Es wurden spezialisierte Schlaganfall-Stationen, sogenannte Stroke Units aufgebaut. Eine davon gibt es in der Klinik auf dem Winterberg Saarbrücken - und das 20 Jahren.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 25.10.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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