Ein junger Mann trainiert in einem Fitnessstudio. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen)

Saarlouiser Fitnessstudio spricht gezielt Minderjährige an

Lisa Krauser   22.07.2022 | 12:30 Uhr

Fitnessstudios sind beliebt - doch der Konkurrenzdruck ist groß. Das Saarlouiser Studio einer Kette aus München spricht auf der Straße gezielt Minderjährige an, um sie als neue Mitglieder zu werben. "Unseriös" findet das die Mutter einer 14-Jährigen, die schon zweimal angesprochen wurde.

Annika ist 14 und lebt in Saarlouis. Im Juni gab ihr der Mitarbeiter eines Fitnessstudios auf der Straße einen Flyer für ein einwöchiges, kostenloses Probetraining. Dass sie noch minderjährig ist, sei für den Mitarbeiter kein Problem gewesen, so Annikas Mutter. Er habe argumentiert, dass die Eltern dann ja den Vertrag unterzeichnen könnten. Die Sache verlief erst mal im Sande, denn Annika hatte nicht wirklich ein Interesse, ins Fitnessstudio zu gehen.

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Fitnessstudio macht gezielt Straßenwerbung bei Minderjährigen
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 22.07.2022, Länge: 03:05 Min.]
Fitnessstudio macht gezielt Straßenwerbung bei Minderjährigen

Das Äußere hinterfragen

Kurz darauf wurde Annika erneut auf der Straße angesprochen und zu einem einwöchigen, kostenlosen Probetraining eingeladen. Und diesmal verfing das Lockangebot. Annika wollte ins Fitnessstudio. Ihre Mutter war damit aber ganz und gar nicht einverstanden - nicht nur wegen der monatlichen Kosten. Sie hat den Eindruck, dass die gezielte Werbung bei ihrer Tochter dafür gesorgt hat, ihr Äußeres zu hinterfragen. Und das sieht sie mehr als kritisch. Den Kindern würden die sozialen Medien sowieso schon ständig perfekte Vorbilder vorgegaukelt.

Fitnessstudio argumentiert mit Trend

Das Saarlouiser Fitnessstudio gehört zu einer großen Kette mit Sitz in Bayern. Auf Nachfrage bestätigt der Regionalmanager, dass das Studio Werbung auf der Straße macht - bei allen, die zur Zielgruppe gehören. Und das sind bei diesem Fitnessstudio alle ab zwölf Jahren. Der Markt entwickle sich in letzter Zeit stark Richtung Jugendliche, die Nachfrage bei Minderjährigen werde immer größer, so das Unternehmen. Deshalb werde auch weiterhin bei dieser Zielgruppe geworben.

Nicht verboten aber auch nicht wirklich seriös

Aus rechtlicher Sicht mache das Fitnessstudio damit nichts Verbotenes, sagt Rechtsanwalt Dirk Gerlach. Es sei grundsätzlich erlaubt, auch Minderjährige anzusprechen. Allein durch das Ansprechen entstehe ja kein Vertrag. Trotzdem hält auch er das Vorgehen für nicht wirklich seriös.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 22.07.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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