Straßenschild mit der Aufschrift "Straßen im Saarland" (Foto: SR)

Die Kaiserstraße in St. Ingbert

Markus Person   12.08.2021 | 16:55 Uhr

Wer bei der Kaiserstraße in St. Ingbert an Kaiser Wilhelm denkt, der irrt. Die Geschichte der St. Ingberter Kaiserstraße reicht zurück bis ins Römische Reich, den Namen aber verdankt die Straße einem Franzosen: Napoleon Bonnaparte. Und nicht nur das.

„Eigentlich kann man die ganze Geschichte der Stadt Sankt Ingbert anhand der Kaiserstraße erzählen“, sagt Heidemarie Ertle vom St. Ingberter Stadtarchiv.

Die Kaiserstraße in St. Ingbert
Audio [SR 3, Markus Person, 12.08.2021, Länge: 02:54 Min.]
Die Kaiserstraße in St. Ingbert
Wer bei der Kaiserstraße in St. Ingbert an Kaiser Wilhelm denkt, der irrt. Die Geschichte der St. Ingberter Kaiserstraße reicht zurück bis ins Römische Reich, den Namen aber verdankt die Straße einem Franzosen: Napoleon Bonnaparte. Und nicht nur das.

Die Schätze des Stadtarchivs gehen zwar nicht zurück bis in die Zeiten des Römischen Reiches - klar ist aber: Es gab römische Siedlungen auf dem Stadtgebiet und die heutige Kaiserstraße war damals als Ost-West-Verbindung ein viel genutzter Handelsweg.

Und dann kam Napoleon mit seinen Truppen

Die Jahrhunderte plätscherten dahin - bis dann einer kam, der der Kaiserstraße nicht nur ihren heutigen Namen gab, sondern auch die ganze Architektur der Straße ummodeln sollte: Napoleon Bonnaparte. Insgesamt sieben Mal sei Napoleon hier durchgezogen, das erste Mal 1806, das letzte Mal 1813 " so Konrad Weisgeber vom Heimat- und Verkehrsverein St. Ingbert. "Und da zogen hier über die Kaiserstraße 270.000 Soldaten."

Baueifer mit Folgen

Damit die Truppen mit ihren Geschützen und Pferden rechtzeitig zur Front kamen, wurde die Kaiserstraße kurzerhand ausgebaut: Verbreiterung auf sechs Meter, Pflastersteine, wo vorher nur weicher Untergrund war. Und das hatte natürlich auch Auswirkungen - zum Beispiel auf die Kirche St. Engelbert. Durch den Ausbau sei die Straße bis zu eineinhalb Meter höher geworden und der Eingang der Barockkirche liege deshalb heute zu tief, sagt Weisgerber. Eingangstreppe und Sockel seien unter dem Pflaster verschwunden und damit hätten auch die Proportionen etwas gelitten.

Die Kaiserstraße - eine attraktive Adresse

Nichts dest trotz sei für die Entwicklung der Stadt Napoleons Baueifer ein Segen gewesen, sagt Weisgerber. Die Straße habe ja nicht nur als Militärstraße gedient, sondern auch als Handelsstraße. Und im 19. Jahrhundert habe sich dann entlang der Kaiserstraße reges Leben entwickelt: Rathaus, Kirche, Feuerwehr, Apotheken, Brau- und Wirtshäuser - all das hat sich in der Kaiserstraße ein Plätzchen gesucht und gefunden. Bis heute gibt es einige historische Gebäude, die von diesem Aufschwung zeugen.

Heute ist im historischen Stadtkern rund um die Engelbertkirche die Kaiserstraße eine Fußgängerzone - mit Gastronomie und Geschäften. Wenn man das Ambiente etwas auf sich wirken lässt, dann kann man sich gut vorstellen, was damals hier so los gewesen sein muss zu Zeiten von Kaiser Napoleon.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 12.08.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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