Straßenschild mit der Aufschrift "Straßen im Saarland" (Foto: SR)

Straße des 13. Januar

Stephan Deppen   09.08.2021 | 16:45 Uhr

In Völklingen-Luisenthal und in Saarbrücken gibt es sie noch: die Straße des 13. Januar. Dabei geht es um den 13. Januar 1935. Das Datum der Abstimmung über die Zukunft des Saargebietes.

Straßennamen und ihre Geschichte: Die "Straße des 13. Januar"
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 09.08.2021, Länge: 03:12 Min.]
Straßennamen und ihre Geschichte: Die "Straße des 13. Januar"
Doch wann war dieser 13. Januar? Und was hat es damit auf sich? SR-Reporter Stephan Deppen hat die Antwort.

Es geht um den 13. Januar 1935. Das Datum der Abstimmung über die Zukunft des Saargebietes. Nach dem ersten Weltkrieg war das Saarland unter Verwaltung des Völkerbundes gestellt worden. Für die Dauer von 15 Jahren. Dann sollten die Menschen darüber abstimmen, ob das so bleiben sollte, ob sie zu Frankreich oder wieder zu Deutschland gehören wollten. Das Ergebnis ist bekannt: über 90 Prozent stimmten für den Anschluss an Hitlerdeutschland.

Umbenennung auf Wunsch des nationalsozialistischen Gauleiters

Danach hatte der nationalsozialistische Gauleiter Bürckel den Wunsch geäußert, dass in jeder saarländischen Gemeinde in Erinnerung an dieses Ereignis ein Platz oder eine Straße nach dem 13. Januar benannt werden sollte. In der Folge wurden etwa in Neunkirchen, Sankt Wendel, Blieskastel und Dillingen Straßen entsprechend umbenannt.

Nach 1945

1946, nach dem zweiten Weltkrieg, bekamen sie ihre ursprünglichen Namen zurück. In Völklingen nur ein Teil der Straße - ein anderer, in Luisenthal, erinnert bis heute an den 13. Januar 1935. Und in Saarbrücken war eine neue Straße "13. Januar-Straße" benannt worden. Nach dem Krieg hieß sie zunächst Schlachthof, später Sankt-Arnualer Straße. 1957 schließlich wurde sie in "Straße des 13. Januar" umbenannt, also nach der neuerlichen Rückkehr zu Deutschland eine erneute Erinnerung an die erste Saarabstimmung.

Und heute: Ein Datum, das mahnen soll

Und so heißt sie noch heute - was immer mal wieder Anstoß erregt: Wie kann man an einen Tag erinnern, an dem sich die Menschen im Saargebiet mit lautem Hurra Hitler-Deutschland angeschlossen haben? Hans-Christian Herrmann, der Leiter des Saarbrücker Stadtarchivs und Autor eine Studie über umstrittene Straßennahmen in der Landeshauptstadt rät zu differenzierter Betrachtung: "Es geht darum, dieses düstere Datum nicht zu vergessen."

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 09.08.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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