Bunkerstollen (Foto: pixabay (CC0))

Stollenfund unter Kindergarten

Christian Ignatzi  

Der Kindergarten in Nalbach ist einsturzgefährdet, weil sich darunter ein Stollen aus dem zweiten Weltkrieg befindet. In der Gemeinde hatte man davon keine Ahnung – nun will der Bürgermeister gegen die Bundesrepublik auf Schadenersatz klagen.

Der Bürgermeister der Gemeinde Nalbach, Peter Lehnert, und Architekt Albert Bender stehen am Ende des Stollensystems, 15 Meter unter dem Nalbacher Kindergarten. Mehr als 1000 Menschen fanden hier während des Zweiten Weltkriegs Schutz in den zwei weit verwinkelten Bunkern.

Dass zwischen den Bunkersystemen einst ein Gang die Stollen verbinden sollte, war bis Ende 2016 nicht bekannt. Die nie komplett fertiggestellte Verbindung unterhöhlt aber den Kindergarten, der sich direkt zwischen den beiden unterirdischen Stollensystemen befindet. Weil der Stollen unter dem Kindergarten zum Teil eingestürzt war, ist auch der Kindergarten darüber einsturzgefährdet.

Stollen bei Baugrunduntersuchung entdeckt

Dass eine Einsturzgefahr besteht, kam nur heraus, weil die Gemeinde Nalbach den Kindergarten renovieren wollte. Die Gemeinde habe die Bauträgerschaft von der Kirche übernommen und wegen eines geplanten Anbaus eine Baugrunduntersuchung durchführen lassen, so Bürgermeister Lehnert. Die Untersuchung ergab, dass ein Hohlraum unter dem Kindergarten existiert. Deshalb ließ Architekt Bender unter Tage weitere Prüfungen an der Stelle des Stollensystems durchführen, an der ein Pfad in Richtung des Kindergartens an einer Mauer endete. Es sei dann ein Loch in die Wand getrieben worden. Das Ergebnis: "Wir haben festgestellt, dass genau akkurat der Stollen weiterläuft, etwa 25 Meter bis an die Stelle etwa. Und zwar genau am Gebäudewinkel, dort, wo die statische Situation am prekärsten ist."

Der Gemeinde Nalbach liegen seit Jahrzehnten Pläne vor, die die beiden Stollensysteme verzeichnen. Dass es weitere Tunnel gibt, war ihnen aber nicht zu entnehmen.

Klage gegen die Bundesrepublik möglich

Die völlig neue Situation stellt die Gemeinde vor Probleme, denn bevor sie den Kindergarten sanieren lassen kann, muss er erst einsturzsicher sein. Und das kostet Geld, sagt Bürgermeister Lehnert: "Mittlerweile sind die Kosten so explodiert, dass das für eine Gemeinde nicht mehr zu stemmen ist." Die Situation müsse nun rechtlich geprüft werden "und dann müssen wir sehen, wie wir mit dem Amt für Bundesimmobilien dann umgehen." Wahrscheinlich laufe das Ganze auf eine Klage hinaus: die Gemeinde Nalbach gegen die Bundesrepublik, so der Bürgermeister.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 21.08.2017 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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