Stille ist schwer zu bebildern. Hier ein stiller Kircheninnenraum.  (Foto: Marie Kribelbauer)

Heimliche Hauptdarstellerin der nächsten Wochen: Stille

Marie Kribelbauer   30.10.2020 | 06:43 Uhr

Der November ist vielleicht der stillste Monat im Jahr. Kühl, windig, die Zeit der langen dunklen Abende. Und dieser November wird durch die Corona-Beschränkungen noch ein bisschen stiller als sonst. Die Stille muss aber nicht bedrückend sein, sondern kann sogar heilsam sein und uns helfen, uns wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Stille ist mehr als Abwesenheit von Lärm.
Audio [SR 3, Marie Kribelbauer, 30.10.2020, Länge: 04:13 Min.]
Stille ist mehr als Abwesenheit von Lärm.

Wie klingt eigentlich Stille? Ist da einfach nichts mehr? Kein Geräusch, keine Bewegung, alles lautlos? Der stillste Raum der Welt befindet sich in den USA, und zwar im US-Bundesstaat Minnesota. Das besagt jedenfalls das Guinness-Buch der Rekorde. 99,99 Prozent der Geräusche werden absorbiert. Länger als 45 Minuten hielt es aber noch niemand dort aus.

Viele schwören auf Klangschalen, andere brauchen Meeresrauschen oder Meditationsmusik, um abzuschalten. Es klingt erst mal paradox, dass Geräusche uns still werden lassen. "Ich glaube, das hängt auch damit zusammen, nochmal bei sich zu schauen, was hilft mir, zu dem zu kommen, was mir guttut.“ sagt Gemeindereferentin Silke Höhne. Sie und die Heilpraktikerin Monika Hoffmann helfen in ihrem Alltag anderen Menschen, zur Ruhe zu kommen. SR-Reporterin Marie Kribelbauer hat sich mit den beiden in der Michaeliskapelle in Lebach getroffen.

Stille ist auch dort, wo's laut ist

Für Monika Hoffman ist Stille viel mehr als nur die Abwesenheit von Lärm: „Stille ist eine Stille im Geist. Im Grunde ist die Stille überall, selbst wenn es irgendwo laut ist in der Stadt, man findet immer die Möglichkeit in die innere Stille zu finden.“ Dort, wo man gerade ist, ist also auch die Stille. Man muss sie nur im Strudel der vielen Reize finden. Zwischen Autolärm, Geplapper, klingelnden und blinkenden Smartphones findet sie oft keinen Platz und wir überhören sie. Gesund ist das auf Dauer nicht.

Die Sehnsucht nach Stille wächst. "Weil wir sie aber nicht mehr gewohnt sind, können wir sie manchmal nur schwer aushalten", meint Hoffmann: „Es braucht eine Kultur der Stille. Es ist am Anfang erstmal ungewohnt und unangenehm, Man spürt sich selber, man spürt viel deutlicher, was mit einem los ist, was der Kontakt mit einem macht. Und dadurch kommt man in eine tiefe Berührung mit sich selbst, eine Verbundenheit und eine Nähe, die man vorher vielleicht gar nicht so wahrgenommen hat und das ist erst mal fremd und ungewohnt und das braucht einfach ein langsames Heranführen.“ Stille klingt für jeden Menschen ein bisschen anders.

Ruhe und Stille finden im Klostr

Im hohen Kirchenraum und in den Fluren des Klosters Heilig Kreuz in Püttlingen ist die Stille fast greifbar. Jedes Klicken und Klacken erscheint gleich doppelt so laut. Für die Ordensschwestern gehört diese Stille fest zum Alltag dazu. Schwester Margret ist schon seit 1954 im Kloster. Überall dort, wo die Welt etwas leiser klingt, fühlt sie sich wohl. Früher hat sie in der Klosterküche gekocht und wenn es da mal etwas lauter geworden ist, hat sie sich die Stille einfach selbst gemacht: Sie hat sich in den Innehof gesetzt und dort ihr Gemüse und die Kartoffeln zubereitet. Ganz leise, nur die Vögel zwitscherten.

Gerade mit dieser Atmosphäre zieht das Kloster auch viele Besucher an. Auch jetzt in der Corona-Zeit sitzen ein paar versunken auf den Bänken. Oberin Schwester Mercy beobachtet sie oft und stellt dabei fest, wie die Stille sie verändert. Schwester Mercy und Schwester Margret müssten
mittlerweile richtige Stille-Expertinnen sein. Da dürfte es doch gar nicht mehr schwierig sein, von jetzt auf gleich still zu sein, oder? Doch, sagen sie, das zu lernen, damit sei man nie fertig.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 30.10.2020 berichtet.

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