Eine Erzieherin mit Kindern in der Kita (Foto: SR)

Lolli-Tests nur die Spitze des Eisbergs

Lisa Krauser   02.11.2021 | 12:23 Uhr

Ab heute soll der Lolli-Test auch in Kitas von Erzieherinnen und Erziehern durchgeführt werden. Kinder zwischen drei und sechs Jahren können also regelmäßig mit Tests zum Lutschen auf Corona getestet werden - wenn die Eltern das möchten. Viele Erzieherinnen und Erzieher ärgert das - Erziehungs- und Bildungsbeauftragte seien ohnehin schon zu stark belastet.

Gabi Hessemer leitet seit 2012 die inklusive Kita BIBER in Saarbrücken Malstatt - eine Einrichtung der Lebenshilfe. Sie macht ihren Job gerne, aber durch die Pandemie hat sich ihr Arbeitsalltag verändert.

Eine "riesige Herausforderung"

"Auch für mich als Leitung war das ein Spagat zwischen immer wieder organisieren, neue Vorschriften, die Gruppen und die Erzieher einstimmen, die Eltern einstimmen." Corona stellte Hessemer vor eine "riesige Herausforderung", erzählt sie. Notbetrieb, eingeschränkter Regelbetrieb, keine Gruppendurchmischung. Ständig habe es neue Regelungen gegeben. Und für den eigentlichen Auftrag, die Kinder zu erziehen und zu bilden, sei kaum mehr Platz gewesen.

Lage in den Kitas: Lolli-Tests nur die Spitze des Eisbergs
[SR 3, Lisa Krauser, 02.11.2021, Länge: 02:24 Min.]
Lage in den Kitas: Lolli-Tests nur die Spitze des Eisbergs
Ab heute soll der Lolli-Test auch in Kitas von Erzieherinnen und Erziehern durchgeführt werden. Kinder zwischen drei und sechs Jahren können also regelmäßig mit Tests zum Lutschen auf Corona getestet werden - wenn die Eltern das möchten. Viele Erzieherinnen und Erzieher ärgert das - Erziehungs- und Bildungsbeauftragte seien ohnehin schon zu stark belastet. SR 3-Reporterin Lisa Krauser hat mit einer Kita-Leiterin über dieses Problem gesprochen.

Der Kern des Problem sei aber schon viel älter als Corona, verrät Hessemer: "Wir haben einen zu geringen Personalschlüssel. Wir brauchen viel mehr Fachpersonal, um die Kinder zu bilden." Gewerkschaften kritisieren seit Jahren, dass es nicht genug Erzieherinnen und Erzieher im Saarland gibt. Zuletzt hatte eine Bertelsmann-Studie das wieder bestätigt. Und laut einer verdi-Umfrage im Sommer beklagt rund die Hälfte der Befragten, zu wenig Zeit für die individuellen Wünsche der Kinder zu haben.

Problematisch wird es vor allem dann, wenn Mitarbeiter ausfallen: "Wenn Mitarbeiter krank sind, eine Weiterbildung haben - vakante Stellen, Beschäftigungsverbot - dies wird bei diesem Personalschlüssel nicht berücksichtigt."

Zu wenig Zeit für gute Erziehung

Hessemer und ihre Kolleginnen fühlen sich oft nur noch wie Betreuerinnen, nicht wie Erzieherinnen. "Wir haben den Auftrag, Sprache zu vermitteln und Bildung zu vermitteln. [...] Kinder stellen Hypothesen auf und die versuchen wir natürlich zu beantworten und hier fehlt uns oft die Zeit", erklärt Hessemer.

Auch die Zeit, um Projekte vorzubereiten, sei oft nicht da. Und Projektarbeit ist in ihren Augen das Wichtigste. Nur ab und zu mal ein bisschen zu basteln, das sei nicht ihr Anspruch, sagt die Kita-Leiterin.

Lolli-Tests sind nur Spitze des Eisbergs

Umso mehr ärgert sie, dass sie jetzt auch noch die Lolli-Tests in Kitas organisiert werden sollen. Damit würden Leistungen wieder an der falschen Stelle gefordert.

In der Kita BIBER wird es deshalb auch keine Lolli-Tests geben. Der Elternausschuss der Kita hat beschlossen, dass die Eltern stattdessen die Möglichkeit in Anspruch nehmen, ihre Kinder zu Hause mit Nasenabstrichen zu testen. Die Tests werden in der Kita ausgegeben und vom Land bezahlt. Gabi Hessemer ist froh, dass die Eltern die Kita damit entlasten. Damit sich die Personal-Situation endlich verbessert, hat sie sich dem Verband der Kita-Fachkräfte angeschlossen, der sich dieses Jahr gegründet hat.


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Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" am 02.11.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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