Polizeiabsperrung (Foto: dpa/Patrick Seeger)

Sicherheitsvorkehrungen bei Schulen und Schützenvereinen

Zehn Jahre nach dem Amoklauf in Winnenden

Patrick Wiermer   11.03.2019 | 16:40 Uhr

Vor zehn Jahren wurde die Kleinstadt Winnenden in Baden-Württemberg Schauplatz eines Amoklaufs. Der ehemalige Schüler Tim K. hatte mit der Waffe seines Vaters insgesamt 15 Menschen und dann sich selbst erschossen. Der 11. März 2009 hat seither einiges verändert. Nicht nur im Waffenrecht, sondern auch in den Schulen.

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Zehn Jahre nach Winnenden: Was hat sich getan?
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 11.03.2019, Länge: 03:02 Min.]
Zehn Jahre nach Winnenden: Was hat sich getan?

Dass man am Zentrum für kaufmännische berufliche Bildung (KBBZ) in Saarbrücken-Halberg auf mögliche Amokläufe vorbereitet ist, ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Doch die Schule hat vorgesorgt.

Im Sekretariat wurde ein Amok-Alarmknopf installiert. Wenn er aktiviert wird, wird dadurch sofort die Polizei informiert und zudem der Hausalarm aktiviert. Außerdem würden die Lehrerinnen und Lehrer mit einer bestimmten Ansage informiert, dass es einen Krisenfall gebe, sagt Nina Vester, Lehrerin und zugleich Leiterin des schuleigenen Krisenteams.

Schulen setzten auch auf Prävention

Es sind die sicht- und hörbaren Zeichen der Veränderung seit den Amokläufen von Erfurt und Winnenden. Mindestens genauso wichtig wie Alarmsysteme ist für die Schulen aber auch die Prävention. Ziel ist es, Lehrer und Schüler für auffällige Verhaltensweisen bei einem Mitschülers zu sensibilisieren. Ganz typisch seien zum Beispiel akut schlechter werdene Noten, häufiges Fehlen, ein plötzlich verändertes Äußeres, aber auch der Rückzug von der Klassengemeinschaft, sagt Vester. Da müsse man genauer hinschauen und gegebenenfalls auch handeln.

Die Position der Schützenvereine

Genauer hinschauen – das möchte auch der Landesverband der Saarländischen Schützen. "Die Schützen, die sich nicht einreihen in die Gemeinschaft, denen wird sehr schnell nahe gelegt, sich eine andere Sportart zu suchen", sagt Walter Wolpert, Präsident der Verbands. Dies sei eine Aufgabe für die Trainer und Vereinsvorstände und ein bis zwei Mal im Jahr komme es vor, dass Mitgliedern gesagt werde, mit dem Schießen aufzuhören – etwa, weil sie sozial auffällig werden.

Schützenvereine im Saarland
Nach dem Amoklauf in Winnenden waren beim saarländischen Verband rund 2000 Schützen ausgetreten. Heute gibt es wieder 15.000 Schützen im Saarland, davon 2000 unter 18 Jahren. Damit hat der Verband wieder so viele Mitglieder wie vor 2009.

Es habe viele Änderungen beim Waffenrecht gegeben, die die Schützen eingeschränkt hätten, "bis zur Unverletzlichkeit der Wohnung, die wir für die Kontrollen hinnehmen müssen", sagt Wolpert. Es habe sich aber inzwischen mit den Ordnungsämtern vieles eingependelt und "wir können mit der Situation ganz gut leben."

Zu den Änderungen gehört inzwischen auch, dass junge Schützen ihre Eignung, auch ihre psychische, nachweisen müssen, wenn sie mit Großkalibern schießen wollen. Von anderen Regelungen hält Wolpert hingegen nichts – etwa von den neuen vorgeschriebenen Aufbewahrungsschränken für Waffen und Munition. Diese seien teuer und ohne eine Verbesserung für die Sicherheit, denn sie zielten am Hauptproblem vorbei. Der bei weitem größte Teil der Tötungsdelikte erfolge durch illegale Waffen, der Anteil der Sportschützenwaffen liege hier unter einem Prozent.


Hintergrund


tagesschau.de
Der Amoklauf von Winnenden
Was treibt einen jungen Menschen dazu, Schüler und Lehrer seiner ehemaligen Schule zu erschießen? Wie kann es sein, dass er an Waffen kommt? Welche Konsequenzen müssen Politik und Gesellschaft ziehen? Dies sind nur einige der Fragen, die nach dem Amoklauf von Winnenden diskutiert werden. tagesschau.de hat Interviews und Hintergründe dazu zusammengestellt.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" vom 11.03.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.

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