Shared Space Areal in Oberkirchen (Foto: SR/Alexander M. Gross)

"Shared Space": Nicht alle sind zufrieden

Neues Verkehrskonzept in Oberkirchen

Alexander M. Groß / Onlinefassung Raphael Klein   01.10.2018 | 16:15 Uhr

Das Verkehrs-Konzept "Shared Space" kommt aus den Niederlanden und hat sich dort seit Jahren bewährt: zur Beruhigung von Ortskernen hat man dort einfach alle Schilder abmontiert und die Grenzen zwischen Straße und Bürgersteig verschwimmen. In Oberkirchen funktioniert das neue Konzept aber nur bedingt.

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"Shared Space" in Oberkirchen: Nicht alle sind zufrieden damit
Audio [SR 3, Alexander M. Groß, 01.10.2018, Länge: 02:54 Min.]
"Shared Space" in Oberkirchen: Nicht alle sind zufrieden damit

"Shared Space", Gleichberechtigung für alle Verkehrsteilnehmer - das funktioniert nur, wenn auch alle - vom Fußgänger bis zum Autofahrer - sich an die neuen Regeln halten. Und daran hapert es zum Teil noch in Oberkirchen. Zu hohes Tempo von Autofahrern oder zugeparkte Blindenleitstreifen sorgen bei einigen Bürgern und Bürgerinnen für Unmut. Doch was bedeutet "Shared Space" denn nun genau?

Was ist ein "Shared Space"?

Höchstgeschwindigkeit 20 Stundenkilometer, rechts vor links, geänderte Verkehrsführung: Diese Informationen lesen Verkehrsteilnehmer am Beginn der Ortsmitte Oberkirchen. Dann folgen gelblicher statt asphaltgrauer Straßenbelag, keine Bordsteine, keine Ampeln, keine Verkehrsschilder, keine Markierungen für Parkflächen, stattdessen Orientierungshilfen für Sehbehinderte.

Dieser "Shared Space" ist ein Platz, der allen - vom Fußgänger bis zum Autofahrer - gleichberechtigt zur Verfügung steht. Rechts vor links und gegenseitige Rücksichtnahme - das sind die Spielregeln.

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Neues Verkehrskonzept in Oberkirchen
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 27.09.2018, Länge: 05:07 Min.]
Neues Verkehrskonzept in Oberkirchen

Pilot-Projekt im Saarland

Pilotprojekt gestartet: "Shared Space" in Oberkirchen
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 29.06.2018, Länge: 03:12 Min.]
Pilotprojekt gestartet: "Shared Space" in Oberkirchen

Kanalisation und Straßen mussten in Oberkirchen ohnehin erneuert werden. Da lag es nahe, Neues zu wagen, um den Ort wieder attraktiver zu machen. Rund 300.000 Euro hat die Gemeinde Freisen in ihren Ortsteil investiert, den Rest zu den rund zwei Millionen Euro Gesamt-Baukosten hat das Land zu diesem bisher einzigartigen Projekt im Saarland beigetragen.

Ob auch andere Kommunen das Konzept aufnehmen werden, hängt vom Erfolg ab. Das Ziel ist auf jeden Fall: eine entspanntere Verkehrssituation und mehr Lebensqualität im Dorf. Nach Überzeugung von Bürgermeister, Ortsvorsteher und Einwohnern sei beides bereits jetzt spürbar, doch noch nicht alle Verkehrsteilnehmer haben sich an das neue, gleichberechtigte Kräfteverhältnis in der Oberkircher Ortsmitte gewöhnt.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" vom 01.10.2018 auf SR 3 Saarlandwelle.

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