Richteiche St. Gangolf (Foto: Prof. Andreas Roloff)

Beeindruckende Baum-Persönlichkeiten im Saarland

  12.07.2022 | 12:00 Uhr

Auch unter Bäumen gibt es ganz besondere Exemplare, richtige Persönlichkeiten. Einige davon wollen wir Ihnen in einer kleinen Reihe vorstellen.

Bäume sind wichtiger Lebensraum für Tiere, sie sind CO2-Speicher und spenden uns Menschen Ruhe. Zwischen all den Bäumen im Saarland gibt es aber auch viele besondere Exemplare.


Die St. Ingberter Blutbuche a


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Die St. Ingberter Blutbuche
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 11.07.2022, Länge: 02:15 Min.]
Die St. Ingberter Blutbuche

Ein ganz besonderes Exemplar ist die Blutbuche im St. Ingberter Elstersteinpark. Sie fällt sofort auf zwischen den anderen saftig grünen Bäumen, denn ihre Blätter sind bordeauxrot. Daher auch der Name Blutbuche. Der Baum habe nur eine kleine, genetische Varietät im Laub, ansonsten sei es eine ganz normale Rotbuche, sagt Kathrin Gödtel, die Baumkontrolleurin der Stadt St. Ingbert. Wie wohl alle Blutbuchen geht auch die Blutbuche im Elstersteinpark auf ein Exemplar aus Thüringen zurück. „Eine zufällige Mutation, die da entstanden ist."

Die Blutbuche im St. Ingberter Elsterstinpark steht hier vermutlich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit einer Höhe von 30 Meter ist sie ausgewachsen. Sie ist als Naturdenkmal eingestuft und wird besonders gepflegt. Denn ein paar Jahrzehnte hat sie wohl noch vor sich: Blutbuchen können gut 300 Jahre alt werden.


Alte Eibe in Lebach b


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Die Alte Eibe in Lebach
Audio [SR 3, Oliver Buchholz, 11.07.2022, Länge: 03:08 Min.]
Die Alte Eibe in Lebach

Bäume können ja bekanntlich sehr alt werden. Die Alte Eibe in Lebach soll sogar bis zu 1000 Jahre alt sein, zumindest wurde sie Ende der 1930er Jahre in einer Liste von Naturdenkmälern als der „Älteste Baum in Südwestdeutschland“ beschrieben.

Um die Alte Eibe ranken sich alle möglichen Sagen und Legenden. Zum Beispiel die von 1248, über das Fräulein Anna-Maria. Ihr war „der Junker von Hagen in zarter Minne zugetan“, heißt es. Hans zog gemeinsam mit einer Armbrust, die Anna-Maria für ihn aus dem Holz der Eibe anfertigen ließ, in den Kreuzzug. Die Eibe ist also auch Erinnerungsort für gefallene Ritter und wird deshalb auch "Geistereibe" genannt.

Die Alte Eibe ist über einen eigens angelegten Weg von der L336 zwischen Lebach und Primsweiler aus erreichbar und bekommt oft Besuch – von Bewundern, Picknickern und auch von Menschen, die in ihrem Schatten Yoga machen wollen.


Richteiche St. Gangolf in Mettlach c


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Richteiche St. Gangolf in Mettlach
Audio [SR 3, Julia Becker, 13.07.2022, Länge: 03:07 Min.]
Richteiche St. Gangolf in Mettlach

Auf dem Hofgut St. Gangolf, das in vierter Generation von der Familie von Boch betrieben wird, steht ein besonderer Baum: die Richteiche. Sie hat unten ein Loch im Stamm, genauer gesagt, einen kleinen Eingang. Innen ist sie fast komplett hohl. Sie ist 23 Meter hoch, hat eine imposante Krone und einen Stammumfang von sechs Metern 50.

Die Richteiche wurde von der "Deutschen Dendrologischen Gesellschaft" im April 2022 zum ersten "Nationalerbe Baum des Saarlandes" ernannt. Somit steht der Baum unter besonderem Schutz. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde sie 1487. Was dieser Baum schon alles erlebt hat! Den 30-Jährigen Krieg, die Zeit des Barocks, die Aufklärung, die Revolution...

Richteiche in St. Gangolf (Foto: SR/Julia Becker-Maleska)

Hofgutbesitzer Michel von Boch weiß, warum der Baum "Richteiche" heißt: An diesem Platz fanden Gerichtsverhandlungen statt, hier wurden Lehen eingetrieben. Urteile wurden hier aber nicht vollstreckt. Andreas, ein Mitarbeiter auf dem Hofgut, kümmert sich um die Fläche rund um den Baum. Ein Besucher hat ihm etwas Interessantes über die Richteiche verraten: "Die Trivialliteratur gibt her, dass der Baum als Versammlungsplatz diente. Und nicht nur von Menschen. Beim Entthing in „Herr der Ringe“ ist es ein Treffen von großen alten Bäumen bei dem sie beraten – also eine Versammlung abhalten."


Die 1000-jährige Linde in Stennweiler d

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Die 1000jährige Linde in Stennweiler
Audio [SR 3, Clara Brill (c) SR, 14.07.2022, Länge: 03:07 Min.]
Die 1000jährige Linde in Stennweiler

Wer durch den Ort Stennweiler in der Gemeinde Schiffweiler fährt, passiert direkt an der Hauptstraße im Kern des Dorfs einen sehr imposanten Baum.

Die alte - oder auch - die 1000-jährige Linde ist das Wahrzeichen des Orts und die Bewohnerinnen und Bewohner sind sehr stolz auf das Naturdenkmal in ihrem Ortskern. So stolz, dass die Linde bzw. ein Lindenblatt sogar das ganze Dorf repräsentiert. Das Ortswappen trägt das Lindenblatt.

Erste Erwähnung im 17. Jahrhundert

Die ersten Aufzeichnungen über die Linde liegen weit in der Vergangenheit, so Historiker Bernhard Planz. Ein Baum in der Ortsmitte von Stennweiler wird erstmals im 17. Jahrhundert erwähnt. Die 1000-jährige Linde steht also vermutlich hier, als 1618 der 30-jährige Krieg ausbricht, als Louis XIV. im Jahr 1648 französischer König wird und als 1685 Johann Sebastian Bach geboren wird.

1000 eher sinnbildlich gemeint

1000 Jahre sind allerdings dann doch etwas zu optimistisch, sagt der Historiker. "1000" sei wohl eher bildlich gemeint, im Sinne von "sehr alt, oder viel älterm als wir Menschen je werden". Rechnerich sind es dann doch eher rund 400 Jahre, die die Linde auf dem Buckel hat.

Die Linde ist mittlerweile ein Naturdenkmal. 18 Meter misst sie in Höhe und Breite und sie kann als Sommerlinde tatsächlich bis zu 1000 Jahren alt werden.

Ihre Äste überragen die komplette Wiese, auf der sie steht. Das hat dazu geführt, dass ein paar Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden mussten. Es ist ein Zaun gebaut worden und der direkte Zugang zur Linde ist, außer zur Baumpflege, versperrt.

Man kann sich also im Sommer leider nicht unter ihre Äste in den Schatten setzen, sondern darf nur von weitem schauen. Ihr hohes Alter hat sie ein wenig instabil werden lassen. In der Mitte wird sie von einem Stahlgerüst gestützt.

Umso stärker ist aber die Verbindung der Stennweiler Dorfgemeinschaft zu dem Baum. Das Wahrzeichen wird gehämelt und von den Bewohnern gepflegt und verehrt. Beste Voraussetzungen also, dass die Linde die 1000 Jahre eines Tages wirklich erreicht.


Die Judasbuche in Bebelsheim e

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Die Judasbuche in Bebelsheim
Audio [SR 3, Jana Bohlmann (c) SR, 15.07.2022, Länge: 03:05 Min.]
Die Judasbuche in Bebelsheim

„Es ist ein eindrucksvoller Baum, der so gen' Himmel ragt. Aber knorzig, wie man bei uns sagen würde, so verwachsen, irgendwie urig. Also nix filigranes, sondern irgendwie aus besonderem Holz geschnitzt. Sowas grobes.“ So beschreibt Arno Soffel von den Bebelsheimer Heimatfreunden die sogenannte Judasbuche, die auf der östlichen Anhöhe in Richtung Reinheim steht.

Mit dem mächtigen Judasbaum hat sich Arno Soffel in seiner Arbeit für den Heimatverein besonders intensiv beschäftigt. Der Baum ist schon lange Teil seiner Familiengeschichte. Hier gab es einen ganz bestimmten Brauch, erzählt er: "Hier an der Judasbuche war also die Überlieferung so, dass man am Karfreitagabend den Judas, also den Verräter Jesus, hier aufgeknüpft hat. Man hat eine Strohpuppe gebastelt, der wurden Männerkleider angezogen, ein großer schwarzer Schlapphut aufgezogen, und der wurde dann am waagerechten Baumast aufgehängt, wurde tüchtig geschwenkt und unter großen Zuspruch der Dorfgemeinschaft hatte man die Puppe dann verbrannt, so als Racheakt gegen den Verräter Judas.“

Die Judasbuche in Bebelsheim  (Foto: Jana Bohlmann)
Die Heimatfreunde Bebelsheim unter der Judasbuche

Dieser Brauch wurde bis um die Jahrhundertwende um 1900 jedes Jahr gefeiert. Dann häuften sich allerdings die Rufe nach der Abschaffung. Und somit wurde die Tradition der Judas-Verbrennung an der alten Buche in Bebelsheim Geschichte, die Arno Soffel aber heute noch immer gerne erzählt. Und das auch aus einem persönlichen Grund: "Ich verbinde den Baum auch mit meinem Großvater, der diese Geschichte mir als kleinem Jungen erzählt hat. Deswegen ist es schon was Besonderes für mich, wenn ich hier mit meinem Hund vorbeilaufe oder wenn ich mit meinem Enkel hier hochgehe, wenn ich alleine hier spazieren gehe. Ich halte immer inne und schaue andächtig am Baum hoch."


Die mächtige Fichte von Karlsbrunn f

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Die mächtige Fichte von Karlsbrunn
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 16.07.2022, Länge: 03:07 Min.]
Die mächtige Fichte von Karlsbrunn

5000 Hektar Wald gibt es im Warndt. Und doch sticht ein Baum besonders hervor – und zwar die mächtige Fichte von Karlsbrunn – mit einem Stammdurchmesser von 1,55 und einem Umfang von 4,5 Metern. Wahrhaft mächtig für eine Fichte. Das sieht auch Forstrevierleiter Marcel Kiefer so:  „Wenn wir den umarmen würden, wir würden gar nicht rumkommen.“

"Da kann man schon ehrfürchtig hochblicken"

Baumpersönlichkeiten im Saarland: die Alte Fichte in Karlsbrunn (Foto: Lisa Krauser)

Und die dicke Fichte ist nicht nur besonders dick, sondern auch besonders hoch – nämlich 45 Meter. So hoch würden Fichten selten, sagt Marcel Kiefer. Ihre Durchschnittshöhe liegt hier im Wald bei 27 bis 35 Meter. Die mächtige Fichte ist damit auch die größte Fichte im Warndt. Und im Vergleich zum Rest vom Saarland könne sie auch ganz oben mitspielen, so der Forstrevierleiter.

Viele Zeitepochen erlebt

Entsprechend ihrer Höhe hat die mächtige Fichte auch ein stattliches Alter! Seit 250 Jahren steht sie hier. Ein richtiges Schätzchen im Revier von Förster Marcel Kiefer, allein wenn er dran denke, wie viele Zeitepochen die Fichte erlebt habe und wie vielen Stürmen sie getrotzt habe. "Da kann man schon ehrfürchtig hoch blicken."

Marcel Kiefer würde zu gerne die ganze Lebensgeschichte dieser Fichte kennen. Zwei Weltkriege unter starkem Beschuss habe sie auf jeden Fall miterlebt und überlebt. Schon 1937 habe man sie erstmalig zum Naturdenkmal erklärt.

So hohes Alter sehr selten

Dass eine Fichte so lange überlebt, ist eher eine Seltenheit. Immerhin ist sie das Bauholz schlechthin. Marcel Kiefer geht davon aus, dass die mächtige Fichte Glück mit ihrem Standort hatte – mitten in einem Wassergraben und geschützt von Schatten spendenden Laubbäume.

Auch dass diese Fichte bisher vom Borkenkäfer verschont geblieben ist, hängt mit dem Standort zusammen. Denn es stehen keine andere Fichten um sie rum, die den Borkenkäfer auf sie übertragen könnten.

Am besten nochmal 200 Jahre

Trotzdem: auch nach 250 Jahren und trotz robustem Stamm könnte die mächtige Fichte jeder Zeit eine Krankheit bekommen. Was man dann tun werden, sei noch unklar, so Kiefer. Aber es gibt mehrere Ideen. Unter anderem könne man dann versuchen, den Stamm zu erhalten und die Krone abzutragen.

Und so hofft Marcel Kiefer, dass sein Schätzchen noch lange hier stehen wird – am besten gesund und nochmal 200 Jahre.


Die sogenannte "Zigeuner"-Eiche Heusweiler g

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Die sogenannte "Zigeunereiche" in Obersalbach-Kurhof
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 17.07.2022, Länge: 03:01 Min.]
Die sogenannte "Zigeunereiche" in Obersalbach-Kurhof

In einem Weizenfeld in Obersalbach-Kurhof steht eine uralte Eiche mit wechselhafter Geschichte. Sie ist schätzungsweise zwischen 600 und 800 Jahre alt. Sie steht heute etwas unscheinbar zwischen zugewucherten Bäumen. Kilian Näckel, der Ortsvorsteher von Obersalbach-Kurhof kannte das noch anders: Zu seiner Kindheit „war die Eiche mächtig“, man habe sie im ganzen Köllertal sehen könne - und sie habe als Regenschutz für Landwirte gedient.

Heute steht er etwas schwächlich da. Diverse Blitzeinschläge haben dem Baum bereits zugesetzt. Der Stamm ist weit aufgeplatzt, die Krone ist gestutzt. In den Jahren sei die Eiche umfangreich behandelt worden, damit sie am Leben bleibt, erzählt Näckel.

Im 18. Jahrhundert, als der Baum noch eine stattliche Größe hatte, galt er als Grenzbaum. Er markierte zusammen mit den heute noch sichtbaren Grenzsteinen im Wald, die Grenze zwischen der Grafschaft Nassau-Saarbrücken und der Reichsherrschaft Schwarzenholz. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch der problematische Name „Zigeunerbaum“.

Ortsvorsteher Näckel erklärt die Herkunft der heute diskriminierenden Bezeichnung: Früher habe es mal einen Erlass ergeben, dass die Sinti und Roma nur drei Tage bleiben durften. In der Zwischenzeit sollen sie sich an die Eiche zurückgezogen haben, um danach wieder in den Ort zurückzukehren.

Um die so Geächteten rankten noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder Mythen und Vorurteile. So sollen sie selbst mit ihren Lagerfeuern dafür verantwortlich gewesen sein, dass die Eiche so stark beschädigt wurde.Eine andere Geschichte handelt davon, dass die Landwirte nachts wegen der schönen Frauen und die heimischen Frauen wegen den Wahrsagern zu der alten Eiche gekommen sein sollen, erzählt Näckel.

Klischees halten sich offensichtlich lange. Und auch der Begriff „Zigeunereiche“. Obwohl der alte Baum für die Obersalbacher und Schwarzenholzer auch noch einen ganz anderen Namen hat – nämlich „Dick‘ Eich‘“. Es geht also auch geografisch und politisch korrekt.


Ein Thema in der "Region" im Juli 2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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