Ein Kind mit Schulranzen auf dem Weg zur Schule. (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Die verloren gegangenen Schüler

Steffani Balle   12.08.2020 | 12:30 Uhr

Die Lehrer haben ihre Schülerinnen und Schüler im vergangenen halben Schuljahr nur sporadisch zu Gesicht bekommen. Sie wissen nicht, was ihre Schützlinge in den letzten Monaten erlebt haben, und es gibt die Sorge, dass es Kinder gibt, die jetzt mit schweren Problemen zu kämpfen haben.

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Schulstart im Saarland: Die verloren gegangenen Schüler
Audio [SR 3, Steffani Balle, 12.08.2020, Länge: 03:05 Min.]
Schulstart im Saarland: Die verloren gegangenen Schüler

Wie geht es den Schülerinnen und Schülern, wenn sie jetzt wieder in die Schule kommen? Mit welchen sozialen Problemen waren sie in den letzten Monaten konfrontiert? Viele Lehrerinnen und Lehrer machen sich Sorgen. Und das nicht grundlos, wie Psychologin Eva Möhler sagt. "So ein Logdown ist eine Situation, in der alle aufeinander hängen und das Misshandlungsrisiko ansteigen muss."

Sind dann noch Kindergärten und Schulen geschlossen, fehlt das Korrektiv. "Wer soll die Gefährdungsmeldung machen? Wer sieht die blauen Flecke von dem Kind?", so die Psychologin.

"Ein misshandeltes Kind reagiert nicht sofort mit Verhaltensauffälligkeiten"

Momentan sind die Zahlen von Not- Aufnahmen in die Kinder- und Jugendpsychiatrien an der Uniklinik und der SHG-Klinik noch nicht angestiegen. Bis sich traumatische Erlebnisse in posttraumatischen Symptomen äußern könne es bis zu ein, zwei Jahre dauern, sagt Möhler. "Ein misshandeltes Kind reagiert nicht sofort mit Verhaltensauffälligkeiten."

Aber auch ohne konkrete Misshandlung war der Corona-Logdown für die Kinder eine große Belastung. Einerseits die Enge zuhause und andererseits auch noch gleichzeitig der fehlende direkten Kontakte zu den Freunden. Den Kindern sei ein Teil ihrer Regelmäßigkeit im Leben genommen worden, sagt Martin Wagner, Schulleiter des Cusanus- Gymnasiums in St.Wendel.

Schulsozialarbeit aufgewertet

Auch wenn das Ungewohnte nicht zwangsläufig in die Katastrophe führen muss: Die Schulträger im Land sind sehr froh, dass die Schulsozialarbeit aufgewertet worden ist. Ab kommendem Schuljahr sind Sozialpädagogen Teil des Kollegiums und permanent vor Ort, nicht mehr wie bisher nur stundenweise, sozusagen als Gast anwesend.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 12.08.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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