Zwei Personen streiten sich (Foto: pixabay / mikegi)

Streitschlichter im Ehrenamt

Interview: Carmen Bachmann / Dr. Christian Dornis / Georg Lorscheider   23.07.2020 | 09:48 Uhr

Schiedsleute sind Männer und Frauen, die ehrenamtlich in ihren Dörfern zum Beispiel Nachbarschaftsstreitigkeiten schlichten, indem sie versuchen, mit den verfeindeten Parteien Lösungen zu finden. In Rentrisch wird derzeit ein Schiedsmann oder eine Schiedsfrau gesucht.

Die Hecke ist zu hoch, die Zufahrt zur Garage immer wieder blockiert, die Musik ist zu laut, der Hund bellt zu hoft - Gründe für Zwist zwischen Nachbarn gibt es viele. Doch der Weg muss nicht immer gleich zum Gericht führen. In vielen Fälle von Nachbarschaftsstreit können auch die Schiedsleute helfen. In jeder Gemeinde gibt es deshalb einen Schiedsmann bzw. eine Schiedsfrau, die eherenamtlich versuchen, mit den Streitenden eine Lösung zu finden.

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Die Arbeit der Schiedsleute
Audio [SR 3, Interview: Carmen Bachmann / Dr. Christian Dornis / Georg Lorscheider, 23.07.2020, Länge: 06:54 Min.]
Die Arbeit der Schiedsleute

Eine solche Schlichtung kann helfen, den Streit schnell und kostengünstig beizulegen - und so ein teures Gerichtsverfahren überflüssig zu machen. Früher sei es so gewesen, dass die Streitenden sogar immer erst zum Schiedsmann mussten. Und erst, wenn dort keine Einigung erzielt werden konnte, sei es dann zum Rechtsanwalt gegangen, sagt Georg Lorscheider, Schiedsmann in St. Ingbert Mitte.

Schiedsleute-Lösung oftmals besser als ein Urteil

Auch heute noch ist die Einrichtung der Schiedsleute von großer Bedeutung. Für die Gerichte seien sie eine wichtige Entlastung, sagt Dr. Christian Dornis, Vorsitzender des saarländischen Richterbundes. Und nicht nur das. Die Schiedsleute suchten nach Lösungen, mit der beide Parteien leben könnten. Das sei bei einem Nachbarschaftsstreit ein guter Weg, denn wenn ein Nachbar vor Gericht recht bekommen habe, dann habe der andere verloren - beide Parteien müssten aber trotzdem weiter nebeneinander leben. Wenn man über Schiedsleute eine gute Lösung gefunden habe, dann könne man dies vermutlich viel besser als mit einem Urteil, sagt Dornis.

Wieviel Zeit kostet das Ehrenamt?

"Ein Schiedsverfahren dauert um die zwei Stunden", sagt Schiedsmann Lorscheider. Im Jahr seien es bei ihm zwischen 20 und 40 Fälle.

Bevor man als Schiedsmann oder Schiedsfrau arbeiten kann, muss man einen Lehrgang besuchen. Der dauere in der Regel zwei Tage, sagt Lorscheider. Er selbst habe ein Zimmer im Rathaus für seine Tätigkeit, die Arbeit könne aber auch beim Schiedsmann zuhause stattfinden.

Wer Interesse hat, sich ehrenamtlich als Streitschlichter zu ergangieren, der kann sich bei seiner Gemeinde melden.

Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 24.07.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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