Schengen Luftaufnahme (Foto: LOOK!Film Produktion)

Ein kleines Luxemburger Dorf und eine große Geschichte

Stephan Deppen   26.03.2020 | 15:20 Uhr

Schengen - ein Dorf an der Mosel und weltbekannt. Vor 35 Jahren wurde in dem kleinen Grenzort das Schengener Abkommen unterzeichnet, zehn Jahre später, am 26. März 1995, trat es dann in Kraft. Doch wie kam es, dass ausgerechnet ein kleines Luxemburger Dorf als Unterzeichnungsort gewählt wurde? Und wie gehen die Schengener heute damit um?

25 Jahre Schengener Abkommen
Audio [SR 3, (c) SR, 26.03.2020, Länge: 03:13 Min.]
25 Jahre Schengener Abkommen

Als Deutschand und Frankreich planten, die Grenzen zwischen ihren beiden Ländern aufzuheben, hatte gerade Luxemburg innerhalb von Benelux den Vorsitz. Die Luxemburger hätten dann die Idee gehabt, bei Deutschland und Frankreich nachzufragen, ob sie nicht Interesse hätten, den grenzfreien Raum auf fünf Länder auszuweiten, sagt Martina Kneip vom Europa-Zentrum Schengen. Und so kam es, dass die Grenzen zwischen Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Luxemburg und Belgien fielen. Und da die Benelux-Initiative unter dem Vorsitz von Luxemburg ausgegangen war, sollte die Unterzeichnung des Abkommens in Luxemburg stattfinden. Als Unterzeichnungsort sei dann Schengen ausgesucht worden, "weil sich hier die drei Partner geografisch treffen", so Kneip.

Die Bedeutung sickerte nur langsam ins Bewusstsein

Das alles ist im Schengen Museum dokumentiert, das vom Europa-Zentrum Schengen betrieben wird. Eröffnet wurde das Museum erst 2010, was zeigt, dass die historische Dimension der Vertragsunterzeichnung von 1985 auch in Schengen selbst erst mit Verzögerung erkannt wurde. So wurde zum Beispiel auch das Original-Schiff, die Marie-Astrid, auf dem der Vertrag unterzeichnet wurde, vor Jahren verkauft. Es fährt heute auf der Donau als MS-Regensburg.

Das Abkommen - heute ein Tourismusmotor

Die Mosel bei Schengen (Foto: dpa)
Die Mosel bei Schengen

Inzwischen gibt es in Schengen wieder eine Marie-Astrid, und das schon in der fünften Ausgabe. Und das Schenger Abkommen sorgt im kleinen Ort für Gäste aus aller Welt. Schiff, Museum und Erinnerungs-Promenade lockten jedes Jahr zig tausend Besucher an, sagt Martina Kneip, die auch für den Tourismus im Ort zuständig ist. Da Schengen weltweit ein Begriff sei, kämen mitunter sogar Besucher aus Indien, China oder Afrika. Schließlich hätten sie ja auch das Schengen-Visa in ihrem Pass.

Schengen - ein Dorf mit guter Nachbarschaftsbeziehung

Der Ort selbst hat sich im Lauf der Jahre natürlich auch verändert - seinen dörflichen Charakter hat er aber bewahrt. Die Schengener selbst würden sich gar keine so großen Gedanken darüber machen, wenn hochrangige Gäste dem Ort einen Besuch abstatteten, sagt Bürgermeister Michel Gloden. "Man lebt Schengen tagtäglich, ohne dass man es ins Schaufenster stellt." Gloden ist seit 2017 Bürgermeister für neun Dörfer und 5000 Einwohner - und zwar in Teilzeit. Er betont die gute Zusammenarbeit mit den Nachbarn auf der anderen Seite der Mosel in Deutschland und Frankreich. Sein Gegenüber in Deutschland, Ralf Uhlenbruch in Perl, bestätigt das. Die beiden Bürgermeister verstehen sich, wollen die Zusammenarbeit weiter ausbauen und leben auch privat die Völkerverständigung vor. Man treffe sich mehrmals im Jahr auch privat, rede natürlich über Politik, aber koche auch zusammen.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 26.03.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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