Ewald Roos und sein Team bei der Schausteller-Demo am 06. August in Saarbrücken (Foto: SR/Kerstin Gallmeyer)

"Ich schaue mit einem ängstlichen Gefühl in die Zukunft"

Interview: Renate Wanninger   17.09.2020 | 12:45 Uhr

Wegen Corona können nach wie vor viele Feste und Veranstaltungen nicht stattfinden. Das bringt diejenigen in Bedrängnis, die davon leben. So zum Beispiel die Schausteller. Einer von ihnen ist der Saarländer Ewald Roos - in sechster Generation Schausteller. Im SR-Interview beschreibt er seine aktuelle Situation.

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Schausteller Roos: "Wir haben seit neun Monaten keinen Euro verdient"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger, 17.09.2020, Länge: 03:31 Min.]
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Es ist Mitte September. Die ersten kleineren Veranstaltungen und Feste dürfen wieder stattfinden. So auch das Saarbrücker Oktoberfest, das am 25. September startet. Das erste Volksfest in diesem Jahr, bei dem der saarländische Schausteller Ewald Roos wieder arbeiten kann. Bis dahin habe es für ihn keinen einzigen Spieltag gegeben, sagt er. Sein bisheriger Verdienst in diesem Jahr: null Euro.

Soforthilfe für den Betrieb, nicht für den Lebensunterhalt

Die Corona-Soforthilfen für Betriebe, die in Existenznot geraten sind, hätten zwar geholfen, sagt Roos. Aber: Das Geld konnte nur dafür eingesetzt werden, den Betrieb am Leben zu halten. Für den Lebenunterhalt durfte es nicht verwendet werden. "Ich habe meine Lebensversicherung gekündigt und bis jetzt von meiner Altersrücklage gelebt", sagt Roos. Aber auch das Geld sei jetzt langsam aufgebraucht.

Roos befürchtet, dass viele Schausteller diese Krise nicht überleben werden. Auf die große Demo Anfang Juli in Berlin seien keinerlei Reaktionen aus der Politik gekommen. Erfreulich sei aber zumindest, dass im Saarland einige Kommunen den Schaustellern geholfen hätten, indem sie die Erlaubnis gaben, dass sie ihre Geschäfte an ausgewählten Orten aufstellen dürfen - und zwar ohne Standgebühr.

Ein finanzieller Hilfsschirm

Sein Vorschlag an die Politik lautet: "Es gibt im Saarland rund 350 Schausteller und wir haben alle unsere Abgaben an das Finanzamt gezahlt. Wenn man 80 Prozent vom Reingewinn der letzten drei Monate der vergangenen Saison an die Schausteller weiter gibt - damit wäre uns geholfen."

Wann für die Schausteller wieder das normale Geschäft beginnen kann, ist derzeit noch völlig offen. Vielleicht gehe es erst Ostern nächstes Jahr wieder los, sagt Roos. Deshalb schaue er mit sehr ängstlichem Blick in die Zukunft.


Schon die Großmutter trat auf dem Oktoberfest auf


Schausteller der Familie Roos vor hundert Jahren (Foto: Ewald Roos)

Ewald Roos stammt aus einer Schausteller-Dynastie. In sechster Generation betreibt der Saarländer das Schaustellergeschäft. Seine Mutter stammt aus einer Homburger Komödianten- und Artistenfamilie, sein Vater, ein Saarbrücker, war Schausteller. Seit seinem 18. Lebensjahr ist der heute 61-Jährige mit Leib und Seele Schausteller.

Ewald Roos weiß so gut wie alles über die Welt der Schausteller. Auch, wie es vor vielen, vielen Jahren auf dem Oktoberfest war und wie es heute ist.

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Schausteller Roos: "Es wird auch heute mit harten Bandagen gekämpft"
Audio [SR 3, Interview: Marcel-Lütz-Binder, 17.09.2020, Länge: 02:39 Min.]
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In diesem Jahr gibt es kein Oktoberfest! Das ist bitter, aber im Ersten gibt es einen kleinen - großen Ersatz.

Schon die Großmutter war beim Münchner Oktoberfest mit dabei und seine Mutter war in den 30er Jahren auf der Theresienwiese aufgetreten, und zwar als Drahtseiltänzerin.

Im Laufe seiner Geschichte habe sich auf dem Oktobfest aber viel verändert, sagt Roos. Am Anfang habe es "Hau den Lukas" und Karusselle gegeben, die noch von Hand betrieben wurden. Mit dem Strom habe sich dann auch das Fahrgeschäft modernisiert und heute? Heute sei das Oktoberfest eine richtige Maschinerie geworden, bei der es um sehr, sehr viel Geld gehe. Nach wie vor werde aber um jeden Meter auf dem Gelände gekämpft, denn "Mit dem richtigen Geschäft geht es um Millionen."

Ein Thema am 17. 09.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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