Frau kratzt sich am Arm (Foto: imago/blickwinkel)

Krätze im Saarland auf dem Vormarsch

mit Informationen von Lisa Betzholz   24.07.2019 | 10:59 Uhr

Krätze war früher mal eine klassische Soldatenkrankheit und kam in Deutschland nur sehr selten vor, wenn überhaupt. In den letzten Jahren, werden deutschlandweit immer mehr Fälle verzeichnet und auch im Saarland sind die Zahlen sprunghaft angestiegen.

Krätze im Saarland auf dem Vormarsch
[SR 3, (c) SR/Lisa-Marie Betzholz, 24.07.2019, Länge: 02:35 Min.]
Krätze im Saarland auf dem Vormarsch

Skabies oder im Volksmund besser bekannt als Krätze. Ist ein nerviger, meist stark juckender Ausschlag. Mit kleinen roten Pünktchen oder Quaddeln, ähnlich wie bei einem Mückenstich. Ausgelöst wird sie durch eine Milbe, etwa einen halben Millimeter groß. Nach der Ansteckung gräbt sie sich einen Tunnel unter der Haut und fängt nach etwa vier bis sechs Wochen an, dort ihre Eier abzulegen. Das verursacht einen starken Juckreiz, der vor allem nachts intensiver wird, erklärt Hautarzt Dr. Drik Landwehr: "Betroffen sind vor allem die Körperstellen, an denen sich die Weibchen gut reinbohren können und ihre Ablegen können, wie Fingerzwischenräume, Beuge, Genitalbereich, Achseln. Andere Körperstellen, wie beispielsweise Rücken oder Gesicht sind dagegen fast nie betroffen."

Migration spielt eine Rolle

Innerhalb weniger Jahre hat es die kleine Milbe geschafft, immer mehr Menschen in die Wartezimmer zu bringen. "Krätze kommt fast täglich vor in unserer Sprechstunde. Vor 10-15 Jahren war das noch ein Rarität", so Landwehr. Allein im Regionalverband Saarbrücken haben sich die Fälle innerhalb der letzten Jahre fast verfünffacht. Waren es 2014noch etwa 20 Fälle, sind es 2018 bereits 96. Migration spielt dabei möglicherweise eine Rolle - aber eher die Umstände bei Flucht und Unterbringung. Den Anstieg alleine auf Flüchtlinge zu schieben, sei Unsinn meint Dr. Landwehr.

Symptome erst nach Wochen

Die unangenehmen Spinnentiere vermehren sich gerne bei engem Körperkontakt, wie es oft in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen oder Altenheimen der Fall ist. Hygiene spielt bei der Ansteckung eine geringere Rolle, als viele glauben. Wichtig wird die erst, wenn es darum geht die Tierchen wieder loszuwerden. Beim ersten Ausbruch kann es Wochen dauern, bis sich Symptome zeigen. Deswegen ist es bei einem Fall in der Familie auch wichtig alle Familienmitglieder zu behandeln, um die kleinen Spinnentiere wirklich komplett abzutöten.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 24.07.2019 berichtet.

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