Prof. Philipp Lepper  (Foto: SR)

"Immer wieder Engpässe durch Personalmangel"

Dr. Philipp Lepper zur Lage auf den saarländischen Intensivstationen

Interview: Simin Sadeghi   28.10.2021 | 12:15 Uhr

Die Corona-Neuinfektionen sind zuletzt sprunghaft angestiegen, auch im Saarland. Vor allem immer mehr Ungeimpfte landen auf den Intensivstationen. Die deutsche Ärztekammer schlägt deswegen Alarm und spricht von einer kritischen Situation. Gilt das auch für das Saarland? Dazu im Interview: Dr. Philipp Lepper, Intensivmediziner am Universitätsklinikum des Saarlandes.

SR: Herr Lepper, wie ist derzeit die Lage auf den saarländischen Intensivstationen?

Dr. Philipp Lepper: Im Moment ist die Lage stabil, was die Corona-Zahlen angeht. Wir verzeichnen zwar gering steigende Zahlen, aber das hält sich noch alles im Rahmen. Nichtsdestotrotz sind die Intensivstationen zum Teil hoch belastet, weil uns das Pflegepersonal für die Intensivbetten fehlt. Deswegen kommt es immer wieder zu Engpässen, unabhängig von steigenden Inzidenzen.

SR: Das heißt, auf den Intensivstationen liegen im Moment nicht nur Corona-Patienten?

Dr. Philipp Lepper: Es ist ja im Grunde so, dass wir schon die ganze Pandemie hindurch auch andere Menschen versorgen. Und wir haben im Moment beispielsweise am Universitätsklinikum des Saarlandes drei Patienten covid-positiv, die intubiert und beatmet sind. Aber wir haben eine ganze Reihe von anderen Patienten, die Intensivmedizin benötigen. Und da gibt es trotz geringer Corona-Belastung immer wieder Engpässe durch Personalmangel.

SR: Es heißt ja, die Corona-Impfung schütze bis zu 90 Prozent vor schweren Verläufen. Dennoch gibt es Impfdurchbrüche. Welche Beobachtungen machen Sie auf der Intensivstation? Wie viele Geimpfte sind beispielsweise schwer erkrankt? Wie viele haben Vorerkrankungen?

Dr. Philipp Lepper: Die Impfdurchbrüche sind selten und wirkliche Ausnahmen. Die Patienten, die geimpft sind, haben nicht ganz so schwere Verläufe. Die nicht geimpften Patienten sind Menschen mit relativ wenigen Vorerkrankungen und es sind immer jüngere Menschen. Man muss ganz klar sagen: Impfen schützt. Aber man muss auch sagen: Wenn wir Inzidenzen von 200 haben, dann haben wir eine so hohe Dynamik im Infektionsgeschehen, dass eben auch der ein oder andere Geimpfte erkranken wird.

SR: Wir führen ja jetzt wieder ein halbwegs normales Leben mit Kneipenbesuchen und Familienfeiern. Nun fällt auch die 3G-Regel für Veranstaltungen im Freien. Das heißt zum Beispiel bei Fußballspielen im Ludwigspark mit bis zu 16.000 Gästen braucht man keinen Impf- oder Testnachweis mehr. Halten Sie das für sinnvoll angesichts der steigenden Infektionszahlen?

Dr. Philipp Lepper: Ich wäre im Moment tatsächlich vorsichtig, wieder allzu freigiebig zu sein mit den Lockerungen, weil wir im Moment nicht ganz genau wissen, wohin die Reise geht. Zumindest vor einigen Wochen hatten wir bei den Geimpften eine Inzidenz von 15, bei Ungeimpften von 200. Solche Zusammentreffen von Fußballfans - so wünschenswert das ist - können die Infektionsdynamik wieder anfachen und dazu führen, dass wir wieder mehr Patienten auf der Intensivstation versorgen müssen.

SR: Wie blicken Sie denn jetzt auf den Winter?

Dr. Philipp Lepper: Nicht ganz entspannt. Und wir würden uns aus medizinischer Sicht auch wünschen, dass sich möglichst viele Menschen noch gegen Influenza impfen lassen. Weil auch hier die Impfung einen wirkungsvollen Schutz bietet und wir dann damit rechnen dürfen, dass weniger Menschen auf der Intensivstation landen, wenn sie denn tatsächlich an Influenza erkranken. Wir können auch da wieder einen wirkungsvollen Beitrag leisten, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird und dass wir dann im Endeffekt auch keine härteren Schutzmaßnahmen mehr einleiten müssen.

Das Interview führte Simin Sadeghi.

Das Interview zum Nachhören

"Immer wieder Engpässe durch Personalmangel"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi / Dr. Philipp Lepper, 28.10.2021, Länge: 03:49 Min.]
"Immer wieder Engpässe durch Personalmangel"

Über das Thema wurde in der "Region am Mittag" am 28.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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