Mezut Özil hat seinen Rücktritt aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft erklärt (Archivfoto) (Foto: dpa / picture alliance / Ina Fassbender)

"DFB hätte sich stärker gegen die Hasstiraden positionieren müssen"

Interview: Renate Wanninger   23.07.2018 | 12:15 Uhr

Der Rücktritt von Fußballprofi Özil aus der Nationalelf hat die Wellen hoch schlagen lassen. Kritik gegen den DFB und Grindel. Der DFB hätte sich stärker gegen die Hasstiraden in den sozialen Medien gegen Özil und Fußballer mit Migrationshintergrund im Allgemeinen positionieren müssen, sagte der Chef und Integrationsbeauftragte des saarländischen Fußballverbandes.

Am 22. Juli hat Nationalspieler Mesut Özil per Twitter erklärt, dass er aus der Fußballnationalmannschaft austritt. Er hat damit die Konsequenzen gezogen aus der öffentlichen Kritik und den Attacken wegen seiner Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor der WM. Özil seinerseits hat als Begründung vor allem die Haltung der Medien und vor allem auch die des DFB und seines Vorstands Grindel angeführt.

Sein Rücktritt aus der Nationalelf hat nun eine Debatte über die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ausgelöst. Bundesjustizministerin Barley bezeichnet es als Alarmzeichen, wenn ein großer deutscher Fußballer sich in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht mehr repräsentiert fühle.

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Interview: "DFB hätte sich stärker gegen die Hasstiraden positionieren müssen"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger, 23.07.2018, Länge: 03:58 Min.]
Interview: "DFB hätte sich stärker gegen die Hasstiraden positionieren müssen"

"DFB hätte sich stärker gegen die Hasstiraden positionieren müssen"

Video [aktueller bericht, 23.07.2018, Länge: 3:10 Min.]
Fußballprofi Mesut Özil tritt zurück

Inzwischen sind sogar Rufe nach einem Rücktritt Grindels laut geworden. "In der Nationalmannschaft wurden Fehler gemacht", sagt Adrian Zöhler, Vize-Chef und Integrationsbeauftragter des saarländischen Fußballverbandes. "So pauschal den Rücktritt von Grindel zu fordern, zu sagen, der Mann habe völlig versagt, das ist falsch." Grindel habe, seitdem er im Amt sei, sehr intensiv beim Thema Integration mitgearbeitet. Nichtsdestotrotz habe es seitens der DFB-Spitze Versäumnisse gegeben. Als in den sozialen Medien immer mehr Hasstiraden gegen Özil und Fußballer mit Migratinshintergrund im Allgemeinen aufkamen, "da hätte sich der DFB stärker positionieren müssen, Özil und dem gesamten Fußball mit Migrationshintergrund den Rücken stärken müssen", sagt Zöhler. Aber er kritisiert auch Özil. "Er hat sich bis heute nicht zu Erdogan positioniert".

"Integration gestaltet sich nirgendwo leichter als im Sport"

Zeigt der Fall Özil, dass es mit dem Sport als Integrationselement doch nicht so weit her ist? "Integration gestaltet sich nirgendwo leichter als im Sport", sagt Zöhler. In den Vereinen werde hervorragende Arbeit geleistet, wenn es darum gehe, junge Menschen zu integrieren.

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