Flugreise (Foto: dpa)

Reisende unterscheiden nicht zwischen Reisewarnung und Reisehinweis

mit Informationen von Lena Schmidtke   29.07.2020 | 07:10 Uhr

Es war ein langes hin und her: Ist Urlaub im Ausland möglich oder nicht? In den letzten Wochen sah es ganz gut aus, Urlaubsflieger starteten ab dem Saarbrücker Flughafen. Aber jetzt hat das Auswärtige Amt wegen steigender Infektionszahlen von Reisen in die spanischen Gebiete Aragón, Navarra und Katalonien abgeraten, in dem unter anderem Barcelona und die Costa Brava liegen.

Reisekunden sind verunsichert
Audio [SR 3, (c) SR/Lena Schmidtke, 29.07.2020, Länge: 02:38 Min.]
Reisekunden sind verunsichert
Wie sehr die aktuellen Reisehinweise die Reiseunternehmen trifft, hat SR-Reporterin Lena Schmidtke herausgefunden.

"In den letzten Wochen gab es eine leichte Entspannung, aber nach diesen Aussagen war wieder ein Feedback, was eine Katastrophe war. Die Kunden möchten zur Zeit einfach nicht verreisen“, sagt Dorothee Schmitt vom Cityreisecenter Schmitt in Saarbrücken. Schon seit mehreren Monaten sieht es schlecht aus bei ihr, sie hat Umsatzeinbußen von fast einhundert Prozent, eine Mitarbeiterin und die Auszubildende sind in Kurzarbeit. Der Reisehinweis für die spanischen Gebiete Aragón, Navarra und Katalonien reibt Salz in die Wunde: „Dadurch, dass die Nachfrage in den letzten Monaten eh sehr, sehr gering war, fühlt sich der Kunde bestätigt, zuhause zu bleiben in diesem Sommer. Schon der Reisehinweis verunsichert generell, weil er nicht groß unterscheidet: Reisewarnung – Reisehinweis, ist alles schwarz-weiß. Das verunsichert komplett.“

Reisehinweis oder Reisewarnung?

Der Reisehinweis ist die Vorstufe zur Reisewarnung: Bei einer Reisewarnung wird von einer konkreten Gefahr für Leib und Leben ausgegangen, mit einem Reisehinweis macht das Auswärtige Amt auf Risiken im jeweiligen Reiseland aufmerksam und rät aus Sicherheits- oder gesundheitlichen Gründen von einer Reise ins jeweilige Land ab: „Die Politik macht uns das Leben schwer, auch das Leben der Veranstalter. Die Veranstalter kommunizieren mit der Politik und setzen die Richtlinien, was wir in den Reisebüros zu tun haben. Und das ist äußerst schwierig, weil sich das von Woche zu Woche sehr schnell verändern kann und verunsichert nochmals die Kunden.“

Rückabwicklungen statt Neubuchungen

Was daher derzeit boomt: Deutschlandreisen – für viele Reisebüros ist das nur ein schwacher Trost. Denn Auslandsreisen und vor allem Pauschalreisen sind wichtig für ihr Überleben, auch für das des Cityreisecenters Schmitt in Saarbrücken. Aber auch ohne Reisehinweis des Auswärtigen Amtes hätte Dorothee Schmitt nicht mit mehr Buchungen gerechnet: „Wenn in Barcelona alle Bars geschlossen sind, wird keiner nach Barcelona fliegen, das ist auch klar. Wenn wir Spanien verkaufen, dann Mallorca. Ich selbst war ja in Mallorca und weiß, wie bemüht die dort sind, mit welcher Energie die Hygienemaßnahmen dort umgesetzt werden.“ Dennoch: Was im Kopf der Menschen bleibt, sind die Reisehinweise und –warnungen für viele Länder. Daher sieht Dorothee Schmitts Ausblick eher düster aus: „Wir sitzen hier weiterhin und rückabwickeln die Reisen für August, September. Und wir gehen auch davon aus, dass wir auch Oktober rückabwickeln werden. Aufgrund auch der Reisewarnungen, was Ägypten und Tunesien betrifft. Auch die werden annulliert.“

Über dieses Thema wurde auch in "Guten Morgen" auf SR3 Saarlandwelle am 29.07.2020 berichtet.

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