Mini-Solaranlage auf einem Balkon (Foto: SR)

Mit Mini-Solaranlagen Strom erzeugen

Interview mit Reiner Metzger, Stiftung Warentest

Interview: Carmen Bachmann   24.08.2022 | 10:20 Uhr

Die Stromversorgung mit Mini-Solaranlagen liegt aktuell im Trend. Auf dem eigenen Balkon angebracht, sollen die Anlagen Strom für den eigenen Haushalt produzieren. Doch wie sinnvoll ist die Investition? Dazu Reiner Metzger von der Stiftung Warentest im Interview.

Strom selbst produzieren und das ohne viel Aufwand - das soll mit sogenannten Mini-Solaranlagen möglich sein. Die kleinen Anlagen werden an einem sonnigen Platz auf dem Balkon aufgestellt und mit dem Stromnetz verbunden.

Einmal aufgestellt, sollen die Anlagen, die es für 400 Euro bis 500 Euro zu kaufen gibt, das Stromnetz der Wohnung unterstützen und eigenständig Strom erzeugen.

Reiner Metzger, Stiftung Warentest: "Balkon-Anlagen sind für den Sofortverbrauch"
Audio [SR 3, Carmen Bachmann im Gespräch Reiner Metzger, 24.08.2022, Länge: 02:31 Min.]
Reiner Metzger, Stiftung Warentest: "Balkon-Anlagen sind für den Sofortverbrauch"

Eigener Verbrauch entscheidend für Rentabilität

Damit sich die Mini-Solaranlage lohnt, ist es laut Reiner Metzger von der Stiftung Warentest entscheidend, dass man von dem erzeugten Strom möglichst viel selbst verbraucht. Nur der eigene Verbrauch zahlt sich letztlich aus.

Wenn die Sonne scheint oder es ausreichend hell ist, sollte die Solaranlage an das Stromnetz angeschaltet werden. Um den Solarstrom zu speichern, braucht es ein eigenes Speichergerät. Die seien jedoch recht teuer und nicht gut für die Umwelt, denn für ihre Herstellung werden Ressourcen wie Metalle verbraucht.

Die kleinen Balkon-Anlagen sind daher nur für den Sofortverbrauch bestimmt. Das bedeutet, dass Haushaltsgeräte wie Wasch- und Geschirrspülmaschinen, die großen Stromverbraucher, am Tag angeschaltet werden müssen, wenn auch die Mini-Solaranlagen Strom erzeugen können.

Stromkosten senken

Mit den Mini-Solaranlagen können die Stromkosten laut der Stiftung Warentest zwar gesenkt werden, allerdings müsste der erzeugte Strom selbst zu einhundert Prozent verbraucht werden. Die meisten Haushalte hätten jedoch einen Eigenanteil beim Verbrauch von 50 Prozent, so Metzger.

Für den Experten ist klar, dass sich die Anlagen bei einer Laufzeit von 20 Jahren zwar rechnen, allerdings erst im Verlauf ihrer Nutzung über mehrere Jahre. In den ersten vier bis fünf Jahren sei daher mit keiner Kosteneinsparung zu rechnen.

Versorgung von Nachbarwohnungen

Stellt man sich auf den eigenen Balkon eine Mini-Solaranlage, dann wird der Strom nur für den Stromkreislauf der eigenen Wohnung genutzt, so Metzger. Nachbarwohnungen profitierten nicht von der zusätzlichen Stromquelle. Der Stromzähler der eigenen Wohnung würde die Grenze bilden.

Wird ein Teil des selbstproduzierten Stroms nicht direkt verbraucht, fließt dieser in das allgemeine Stromnetz und wird vom Stromnetzbetreiber genutzt.


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Solarstrom selber generieren – das geht über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Solche Anlagen sind aber aufwändig zu installieren und teuer. Deswegen haben Hersteller nun kleine Solaranlagen für den Balkon entwickelt, die man einfach in die Steckdose stecken kann, sogenannte Balkonkraftwerke. Die Mini-Solaranlagen speisen die gewonnene Energie über ein Kabel mit Stecker direkt in den Stromkreis im Haushalt ein.

Ein Thema in der Sendung "Bunte Funkminuten" am 24.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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