Ein Pflaster wird auf die Einstichstelle einer Spritze auf den Oberarm eines Mannes geklebt (Foto: IMAGO / photothek)

Welche Nebenwirkungen hat die Corona-Impfung?

mit Informationen von Steffani Balle   21.02.2022 | 11:45 Uhr

Noch immer scheuen viele Menschen eine Corona-Impfung aus Angst vor möglichen Nebenwirkungen. Doch welche Nebenwirkungen gibt es, was sind harmlose Impfreaktionen und wie häufig sind anhaltende Schäden?

Allerlei Begriffe rund um das Thema Nebenwirkungen bei der Corona-Impfung kursieren, wie: Dauerschäden, Spätfolgen und Impfreaktionen. Doch wo liegt der Unterschied - und wie selten sind welche Folgen? Eine Übersicht:

Normale Impfreaktionen

Was die meisten Geimpften nach einer Corona-Impfung erfahren, sind nach Auskunft durch den Sprecher des saarländischen Hausärzteverbandes, Dr. Michael Kulas, Impf-Reaktionen: An der Einstichstelle könne es zu einer Rötung oder auch Schwellungen kommen. Möglich seien auch Allgemeinreaktionen wie Müdigkeit, Schüttelfrost, Kopfweh oder Fieber – also grippeähnliche Reaktionen.

Welche Nebenwirkungen hat die Corona-Impfung?
Audio [SR 3, Steffani Balle, 21.02.2022, Länge: 05:10 Min.]
Welche Nebenwirkungen hat die Corona-Impfung?

Diese Impf-Reaktionen verschwinden von allein nach maximal fünf Tagen und sind individuell sehr unterschiedlich. So kann es sein, dass die Erstimpfung besser vertragen wird als die zweite oder dritte, oder auch genau anders herum. Kein Grund zur Sorge, sagt der Leiter des Impfzentrums Ost, Dirk Jesinghaus: Bei Folgeimpfungen reagiere der Körper oft schneller, weshalb es zu stärkeren Reaktionen komme. Das sei ein gutes Zeichen.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Halten die Beschwerden aber länger als fünf Tage an, spricht man von unerwünschten Impf-Nebenwirkungen: Am häufigsten seien das Kopfschmerzen, so Kulas. Am zweithäufigsten gebe es anhaltende Schmerzen im Arm, so dass viele ihn nicht zur Arbeit nutzen könnten. Außerdem komme es bei Betroffenen auch zu anhaltender Müdigkeit und Konzentrationsmangel – ähnlich einem Long-Covid-Syndrom.

Das sei keine "Anstellerei", sagt Dr. Kulas: Man müsse die Patienten mit ihren Beschwerden ernst nehmen, weil sie darunter leiden.

Allergische Reaktion

Eine heftige Nebenwirkung direkt nach der Impfung ist der anaphylaktische Schock, eine allergische Reaktion, die sofort behandelt werden muss. Weniger als 20 frisch geimpfte Saarländer mussten laut Statistik deshalb im Krankenhaus behandelt werden. Alle sind wieder gesund geworden.

Vorhandene Allergien sollte der Impf-Arzt vor der Spritze kennen. Dann kann er im Fall des Falles schnell reagieren: Eine Infusion, kombiniert mit einer Cortison-Behandlung, dazu erstmal eine Weile liegen. Das hat Jesinghaus bei sich im Zentrum auch bei rund 35 von 100.000 Impflingen tun müssen.

Dauerschäden

Wirklich gravierend wird es, wenn Nebenwirkungen auftreten, die zu Dauerschäden führen können: In seltenen Fällen beobachte man Durchblutungsstörungen des Gehirns, erklärt Kulas. Die sogenannte „TIAS“ sei eine Vorstufe eines Hirnschlags. Aber auch andere neurologische Symptome wie Irritationen der Gesichtsnerven könne man in seltenen Fällen beobachten. Diese Fälle würden allerdings noch untersucht, so Kulas.

Spätfolgen?

Ob Kinderlosigkeit, nach Monaten auftretende Herzprobleme oder ein Schlaganfall ein Jahr nach Impfung: Viele scheuen eine Impfung aus Angst vor solchen Spätfolgen. Nichts davon hat aber unmittelbar mit dem Impfstoff zu tun, ist sich Internist und Impfarzt Dirk Jesinghaus sicher: Spätfolgen gebe es nur, wenn schon früh Folgeschäden erkennbar seien. Das heißt: Probleme zeigen sich unmittelbar nach der Impfungen.

Würden diese frühen Probleme chronisch, also dauerhaft anhalten, könne man auch von Spätfolgen sprechen. Und die seien sehr, sehr selten. Nach Zahlen des Paul-Ehrlich-Instituts für ganz Deutschland kommen Entzündungen am Herzen bei jungen Männern in weniger als einem Fall pro 10.000 Geimpfter vor.

Schlaganfall, Herzinfarkt und Lungenembolie waren bislang nicht als Folge der Impfung zu beobachten, sondern, wenn sie auftraten, dann aus anderen Gründen, schreibt das Institut in seinem Sicherheitsbericht vom Dezember 2021.

"Jeder Geimpfte wird irgendwann krank": Viele Impfgegner argumentieren so. Diese Pauschal-Aussage sei jedoch nicht haltbar, sagt Sören Becker, Mikrobiologe und beratendes Mitglied im Krisenstab der Landesregierung. Nach drei bis fünf Tagen sei kein Impfstoff mehr im Körper nachweisbar. Es sei deshalb auszuschließen, dass es Jahre später zu seltenen Erkrankungen bei Geimpften komme.

Tote durch Impfung?

Oft hört man auch das Argument von Impfgegnern, es seien schon mehr Menschen an der Impfung gestorben als an der Krankheit. Auch hierfür gebe es keine Belege, so Sören Becker. Ihm sei kein einziger Fall bekannt, bei dem eine Impfung zum Tod geführt habe.

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Ein Thema in den "Bunten Funkminuten" am 21.02.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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